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Staatsanleihemärkte gefangen zwischen guten Konjunkturdaten und politischen Risiken


05.10.17 13:16
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Der zum Ende vergangener Woche zu beobachtende Renditeanstieg insbesondere bei den zehnjährigen Bund-Renditen ist zuletzt wieder abgebröckelt, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Hintergrund dieser Entwicklung dürfte die Rückkehr des politischen Risikos in der Eurozone in Form der Krise rund um das katalanische Unabhängigkeitsreferendum sein. Das Unabhängigkeitsstreben Kataloniens sollte die Stabilität der Eurozone kurzfristig nicht gefährden, könnte aber - wenn sich die Spannungen zwischen der Zentralregierung in Madrid und der katalanischen Regionalregierung weiter vertiefen würden - das spanische Wachstum dämpfen.

Zudem sorge der Konflikt für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Die Renditen der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen seien von rund 1,60% auf zwischenzeitlich fast 1,80% gestiegen. Die zehnjährigen US-Pendants hätten auf Wochensicht mit Blick auf eine mögliche FED-Zinsanhebung im Dezember ihr höheres Niveau halten können.

Die politischen Risiken stünden weiterhin im deutlichen Kontrast zur guten konjunkturellen Entwicklung, was auch das Gemeinschaftsgutachten für Deutschland bestätige. Die letzten Konjunkturindikatoren aus den USA und der Eurozone seien insgesamt sehr überzeugend gewesen. Die ISM-Indices für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor seien in den USA im September noch einmal spürbar nach oben geschnellt, was insbesondere für den Industriesektor angesichts der durch die Wirbelstürme Harvey und Irma verursachten Zerstörungen überraschend gewesen sei. Die finalen September-Einkaufsmanagerindices in der Eurozone würden die gleiche Aufwärtsdynamik dokumentieren. Die Jahresteuerung in der Eurozone habe dagegen im September unverändert bei 1,50% gelegen, die PCE Kernrate in den USA habe leicht auf 1,30% nachgegeben.

Highlight diese Woche sei der US-Arbeitsmarktbericht für September. Dieser dürfte angesichts der Verwerfungen durch die Wirbelstürme einen spürbar verlangsamten Beschäftigungsaufbau ausweisen. Denn wer Anfang September nicht zur Arbeit erschienen sei, gelte als arbeitslos. Die Arbeitslosenquote werde im Rahmen einer Haushaltsumfrage ermittelt und sollte daher weniger durch die Wirbelstürme in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Der private ADP-Report habe einen Stellenzuwachs von 135 Tsd. bekannt gegeben, nach 228 Tsd. im Vormonat. In dieser Größenordnung sollte nach Erachten der Analysten auch der offizielle Arbeitsmarktbericht liegen.

Darüber hinaus sollte das Sitzungsprotokoll der EZB von ihrem September-Treffen Beachtung finden (5. Oktober). Zwar habe die Notenbank erst eine Rekalibrierung ihres Anleiheankaufprogramms für Ende Oktober angekündigt, doch es dürfte interessant werden, was schon im EZB-Rat diskutiert worden sei. Die Analysten würden damit rechnen, dass die EZB ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 in einem ersten Schritt um 20 auf dann 40 Mrd. Euro reduziere. Auch die Minutes der letzten FED-Sitzung (11. Oktober) könnten nach Hinweisen auf den weiteren Zinsanhebungskurs der FED abgeklopft werden. (05.10.2017/alc/a/a)