Spannungen an Aktienmärkten nehmen zu - Bundesanleihen immer stärker nachgefragt


05.12.18 11:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Chefs der großen deutschen Automobilkonzerne zeigten sich nach einem Gespräch mit hochrangigen Vertretern der US-Regierung zuversichtlich, Einfuhrzölle vermeiden zu können, berichten die Analysten der Helaba.

Überraschend habe auch Präsident Trump an der Runde teilgenommen, bei der BMW, Daimler und Volkswagen ihre Konzepte und Investitionsvorhaben präsentiert hätten.

Im Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien zeichne sich ein Kompromiss ab. Ob Maßnahmen zum Abbau der Staatsverschuldung ausreichen würden, ein Strafverfahren gegen Rom abzuwenden, müsse sich aber erst noch zeigen. Die EU-Finanzminister würden mit der EU-Kommission die Einschätzung teilen, dass die Haushaltspläne in ihrer jetzigen Form gegen europäische Stabilitätsregeln verstoßen würden.

Überlagert würden diese Probleme derzeit aber durch die Gefahr eines ungeordneten Rückzugs Großbritanniens aus der EU. Im Vorfeld der Abstimmung über das Brexit-Abkommen im Unterhaus würden die Parteien bis aufs Messer streiten. Erstmals in der Geschichte sei die Regierung vom Parlament wegen Missachtung abgemahnt worden, weil ein Gutachten nicht in Gänze vorgelegen habe. Experten des Europäischen Gerichtshofs hätten zudem bescheinigt, Großbritannien könne den EU-Austritt einseitig und ohne Zustimmung der übrigen EU-Staaten widerrufen. Eine Mehrheit der Parlamentarier aus allen Lagern lehne das Abkommen aus unterschiedlichsten Gründen ab, die Spannung vor der Abstimmung am 11. Dezember nehme weiter zu.

Zusammen mit wieder aufflammenden Konjunktursorgen sei dieses Szenario natürlich Gift für die Anleger.

Aus Sorge, der Deal zwischen Trump und Xi Jinping bringe außer Zeit keine zählbaren Erfolge, hätten sich Investoren in großem Stil von ihren Aktienbeständen getrennt. Nach Asien am Vortag hätten die US-Aktienindices zwischen 3 und 4 Prozent verloren.

Bundesanleihen seien mit zunehmenden Spannungen an den Aktienmärkten immer stärker nachgefragt worden. Lange und ultralange Laufzeiten hätten auf den Einkaufszetteln ganz oben gestanden. Der anstehende Wechsel in den März-Kontrakt habe einen Großteil des außerordentlich hohen Volumens an der EUREX ausgemacht. Die Bundesbank habe weiterhin große Clips entlang der gesamten Kurve nachgefragt. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Papieren habe sich auf 65 BP verringert. Die anhaltenden Unruhen in Frankreich würden nicht ohne Auswirkungen auf den Bondmarkt bleiben, der zudem am Donnertag noch Auktionen im Volumen von 4 Mrd. Euro verkraften müsse.

Anleihen der EU-Peripherie hätten unter moderaten Gewinnmitnahmen gelitten. Im Vorfeld der Versteigerung spanischer Bonos hätten Zugeständnisse gemacht werden müssen. Der Renditeaufschlag 10-jähriger italienischer Staatsanleihen (3,15%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 auf 289 BP ausgeweitet. Spanische (1,48%) und portugiesische Bonds (1,80%) hätten gegen Bunds 4 bzw. 4 BP verloren. Portugal kündige für heute Tauschoperationen von PBGs mit Fälligkeiten 2020 und 2021 in Anleihen Oktober 2023 und April 2027 an.

Am US-Bondmarkt habe sich nach kurzer Verschnaufpause der Renditerückgang fortgesetzt. Mit zunehmendem Druck auf die Aktienkurse seien Staatsanleihen ihrem Ruf al sicherer Hafen mehr als gerecht geworden. Kurze und mittlere Fälligkeiten hätten etwas den Anschluss verpasst. Erstmals seit elf Jahren würden 2- und 3-jährige Titel höher als 5-jährige Notes rentieren. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries verringere sich um 2 auf 38 BP. Aus Fernost würden US-Treasuries wegen des Trauertages für Ex-Präsident Bush keine Vorgaben liefern. Die asiatischen Aktienbörsen würden ihre Talfahrt fortsetzen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) (162,25) habe 59 Stellen zugelegt, Bobl- (132,23) und Schatz-Kontrakt (112,055) seien 23 bzw. 3Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,26% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 87 BP verringert.

10-jährige US-Treasuries würden 3 BP niedriger bei 2,91% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,132 Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 52,5 Dollar.

Zur Wochenmitte würden die Einkaufsmanager des Dienstleistungssektors aus Spanien (53,9 nach 54) und Italien (49,3 nach 49,2) die Gesamtbetrachtung für die Eurozone (53,1) komplettieren. Nach der positiven Überraschung in der Industrie scheine auch der Servicesektor Großbritanniens (52,5 nach 52-2) unbeeindruckt von allen Brexit-Diskussionen.

In den Vereinigten Staaten liefere der ADP-Beschäftigungsreport (195K) eine letzte Indikation für den Arbeitsmarktbericht am Freitag. Der ISM-Index für den Servicesektor (59,3 nach 60,3) sollte zudem kaum Anlass zur Sorge bieten. Am späten Abend stehe dann der Konjunkturbericht der US-Notenbank ("Beige Book") zur Veröffentlichung an, der kaum Hinweise auf eine langsamere Gangart der FED enthalten dürfte.

Am Primärmarkt stocke Spanien Bonos mit den Fälligkeiten 10/2021, 07/2023 und 07/2028 um bis zu 3,5 Mrd. Euro auf. Frankreich (4 Mrd. Euro 05/2025, 04/2026 und 11/2026) beschließe die Emissionsaktivitäten dieses Jahres am Donnerstag. Die EU habe eine im April 2033 fällige Anleihe um 515 Mio. Euro bei Midswap -5 BP aufgestockt. (05.12.2018/alc/a/a)