Sorgen vor einer Eskalation des Handelskrieges nehmen zu - Anleger suchen den sicheren Hafen der Staatsanleihen


14.03.18 10:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wieder einmal hat der US-Präsident die Märkte verschreckt und mit der Entlassung seines Außenministers Rex Tillerson seine Unberechenbarkeit demonstriert, so die Analysten der Helaba.

Mit dem als Hardliner bekannten Nachfolger Mike Pompeo nähmen auch Sorgen vor einer Eskalation des Handelskrieges zu. Die Ankündigung von Strafzöllen auf chinesische Waren im Wert von 60 Mrd. US-Dollar unterstreiche die protektionistische Haltung der US-Regierung. Konjunkturdaten seien dabei fast zur Nebensache geraten, zumal US-Verbraucherpreise im Rahmen der Erwartungen gelegen und Inflationserwartungen nicht zusätzlich angeheizt hätten.

In einem von hoher Verunsicherung und Nervosität geprägten Handel hätten sich Anleger von Aktien getrennt und den sicheren Hafen qualitativ hochwertiger Staatsanleihen gesucht. Bundesanleihen hätten die Gewinne des Vortages angeführt von langen Laufzeiten weiter ausgeweitet. Allerdings seien die Umsätze sowohl in der Kasse, als auch am Terminmarkt überschaubar geblieben. Der Abstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundestiteln habe sich auf 66 BP ausgeweitet. 10-jährige Bonds aus Frankreich (0,86%) und Belgien (0,90%) hätten ihren Abstand zu Bunds gehalten. Niederländische Staatsanleihen hätten sich trotz einer erfolgreichen Versteigerung etwas schwerer getan. Kaufaufträge für die neuen 10-jährigen DSL (15.07.2028) hätten sich auf über 18 Mrd. Euro summiert, die Zuteilung habe entsprechend am oberen Rand des anvisierten Volumens bei knapp 6 Mrd. Euro gelegen.

An den Anleihemärkten der EU-Peripherie hätten zum Absorbieren des neuen Angebotes nur noch kleinere Zugeständnisse gemacht werden müssen. Anschließend habe sich die Lage entspannt. Italien habe 4 Mrd. Euro der neuen 7-jährigen BTPs (b/c 1,25) platziert und die im Oktober 2020 fälligen Papiere um 2,5 Mrd. Euro (b/c 1,48) aufgestockt. Die im September 2033 (1,29 Mrd. Euro; b/c 1,62) und März 2047 fälligen Papiere (0,96 Mrd. Euro; b/c 2,64) seien deutlich besser nachgefragt gewesen und hätten das Emissionsvolumen auf insgesamt 8,75 Mrd. Euro geschraubt. Der Risikoaufschlag 10-jähriger italienischer (1,98%), spanischer (1,38%) und portugiesischer Bonds (1,78%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen nur geringfügig verändert.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen mit zunehmender Verunsicherung deutlich gesunken. Die Versteigerung 30-jähriger Bonds (b/c 2,38) sei unspektakulär verlaufen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich auf 47 BP ermäßigt. In Fernost würden US-Treasuries ihre Kursgewinne infolge schwacher Vorgaben der asiatischen Aktienbörsen nochmals ausweiten. Die überraschend gute Auftragslage im Maschinenbau Japans (8,2%/2,9%) im Januar habe ebenso wenig Beachtung gefunden wie gute Produktionszahlen aus China (7,2%).

Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)- (157,59) und Bobl-Kontrakt (130,51) hätten 27 bzw. 7 Stellen zugelegt, der Schatz (111,86) sei unverändert aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,61% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe sich auf 119 BP verringert. 10-jährige US-Treasuries würden 5 BP niedriger bei 2,83% rentieren. Der Euro klettere auf 1,241 US-Dollar, der Preis für das Barrel Öl falle auf 60,8 US-Dollar.

Heute richte sich das Augenmerk in der Eurozone auf die Produktionszahlen für Januar (-0,5%/4,4%), die jedoch aufgrund bekannter Vorgaben aus den großen Volkswirtschaften kaum überraschen sollten.

In den Vereinigten Staaten stünden Einzelhandelsumsätze (0,3%; ex Autos 0,4%) im Vordergrund. Die Erzeugerpreise (0,1%/2,8%; Kernrate 0,2%/2,6%) würden einen weiteren Mosaikstein zur Beurteilung der Inflationserwartung liefern.

Am Primärmarkt stocke die Finanzagentur des Bundes heute die im August 2048 fällige Bundesanleihe um 1,5 Mrd. Euro auf. Der EFSF stocke eine 3-jährige (19.01.2021) Anleihe um 1 Mrd. Euro auf. Portugal biete 10,5- (17.10.2028) und 27-jährige Staatstitel (15.02.2045) über zusammen 1,25 Mrd. Euro an.

Die Landesbank Hessen-Thüringen Girozentrale habe 5-jährige Hypothekenpfandbriefe im Volumen von 1 Mrd. Euro bei Midswap -17 BP sowie einen 10-jährigen Öffentlichen Pfandbrief über 500 Mio. Euro bei Midswap -14 BP begeben. (14.03.2018/alc/a/a)