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Sommerliche Ruhe am Euro-Primärmarkt


02.08.17 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In den letzten fünf Handelstagen waren erneut keine EUR-denominierten Transaktionen im Benchmarkformat zu verzeichnen, so die Analysten der Nord LB.

Somit verbleibe es im Juli bei lediglich zwei Neuemissionen von der HSH (HSHN 0.1 07/20/20) und der Crédit Agricole (ACASCF 0 7/8 08/02/27) über jeweils EUR 500 Mio. Zudem habe die ABN die ausstehende ABNANV 1 3/8 01/12/37 um weitere EUR 1,25 Mrd. auf ein neues ausstehendes Volumen von EUR 2,25 Mrd. (gefunged zum 21. August) getappt. Damit handle es sich um den schwächsten Juli der vergangenen sechs Jahre. Im Vorjahr seien noch nach dem Brexit-Referendum EUR 3,3 Mrd. emittiert worden und in 2015 habe das Emissionsvolumen im Juli sehr hohe EUR 17,8 Mrd. betragen. Insgesamt liege das Emissionsvolumen mit EUR 77 Mrd. unter dem Level des Vorjahres (EUR 94,5 Mrd.), aber auf dem Niveau von 2015 (EUR 77,0 Mrd.). Trotz des schwachen Emissionsvolumens würden die Analysten dennoch das Erreichen ihres Emissionsziels von EUR 122,0 Mrd. als realistische Größe erachten, wenngleich die Risiken derzeit eher auf der Unterseite lägen.

Außerhalb des Euro sei gestern die australische Westpac mit einem Covered Bond im Volumen von GBP 500 Mio. aktiv gewesen, während im vergangenen Monat vornehmlich kanadische Emittenten aktiv gewesen seien. So habe die kanadische CIBC einen USD-denominierten Covered Bond im Volumen von USD 1,75 Mrd. an den Markt gebracht, nachdem sie bereits zuvor einen Covered Bond in Sterling (GBP 525 Mio.) emittiert habe. Zudem habe die Bank of Montreal einen Sterling Floater über GBP 800 Mio. emittiert. Somit habe sich auch im Juli der Trend fortgesetzt, dass sich Emittenten in diesem Jahr stärker als in den Vorjahren auf Währungen außerhalb des Euro konzentrieren würden. Die Analysten hätten bereits früher darauf hingewiesen, dass sich derzeit für Emittenten, die den USD als Bezugsgrößere für ihr Funding hätten, aufgrund der Entwicklung des EUR/USD-Basisswaps eine Emission in USD bereits ab einer Laufzeit von vier Jahren als vorteilhafter erweisen könnte als ein Funding in Euro.

Bereits im vergangenen Monat habe die staatliche Türkiye Halk Bankasi (Halkbank) mitgeteilt, zukünftig Covered Bonds begeben zu wollen. Wie aus einer Presseerklärung hervor gehe, plane das Institut insgesamt ein Äquivalent von EUR 1,5 Mrd. in verschiedenen Währungen sowohl als Fix-Kupon Anleihe als auch als Floater zu emittieren. Somit hätten bisher acht türkische Institute Covered Bonds emittiert, bzw. hätten eine Emission in Aussicht gestellt. Die Analysten würden bei ihrem bereits in der Vergangenheit vertretenen Standpunkt verbleiben, dass sich Investoren die immensen politische Risiken und den zunehmenden Zweifel am türkischen Rechtssystem ausreichend kompensieren lassen sollten, bevor sie Investitionen in Betracht ziehen würden. Da sie dies auf den gegenwärtigen Leveln als nicht gegeben betrachten würden, würden sie daher von Engagements in dem Land abraten.

Am Sekundärmarkt würden sich die Umsätze verhalten zeigen, ohne dass es irgendwelche Impulse vom Primärmarkt gebe. Wenngleich das Investoreninteresse derzeit verhalten sei, gebe es ein deutliches Übergewicht an Kaufanfragen, was sich durch das fehlende Primärangebot erklären lasse, sodass Investoren gezwungen seien, am Sekundärmarkt zu kaufen. Interesse bestehe derzeit vor allem an Laufzeiten zwischen fünf bis zehn Jahren, wenngleich sich die Sekundärkäufe bisher nicht in einer nennenswerten Spreadperformance widergespiegelt hätten. (02.08.2017/alc/a/a)