Solide Wirtschaftsdaten trotz hoher Inflation


02.05.22 12:41
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Unsicherheitsfaktoren rund um den Ukraine-Krieg halten an und begleiteten die Marktteilnehmer auch in der vergangenen Woche, so die Experten von Union Investment.

Immer mehr Länder seien zu umfangreichen Waffenlieferungen an die Ukraine bereit, nun auch Deutschland. In diesem Zusammenhang nehme jedoch die Befürchtung zu, Russland könnte die Lieferung von Rohöl und Erdgas reduzieren oder gar gänzlich einstellen. Am Mittwoch habe die Regierung in Moskau hierzu ein Ausrufezeichen gesetzt, als der russische Staatskonzern Gazprom die Lieferung von Erdgas an Polen und Bulgarien komplett eingestellt habe. Beide Länder hätten sich geweigert, die Rechnung - wie vom Kreml gefordert - zukünftig in Rubel zu begleichen. Unmittelbar nach Bekanntgabe sei der europäische Erdgaspreis daraufhin um 20 Prozent angestiegen.

Sowohl Polen als auch Bulgarien hätten Ende des Jahres ohnehin unabhängig von Lieferungen aus Russland werden wollen. Polen werde dazu im Herbst eine neue Pipeline nach Norwegen in Betrieb nehmen, Bulgarien werde zukünftig verstärkt aus Griechenland beliefert. Bis zum Handelsschluss habe sich die Lage wieder beruhigt und Erdgas sei lediglich mit einem Plus von vier Prozent aus dem Handel gegangen. Großabnehmer wie Deutschland würden noch Jahre brauchen, bis man auf Gaslieferungen aus Russland verzichten könne. Dies sei wohl frühestens 2024 möglich. In Österreich könnte es sogar bis 2027 dauern. Beide Länder würden aber weiterhin in Euro an die Gazprombank bezahlen, die dann die Zahlungen in Rubel konvertiere. So habe sich eine gesichtswahrende Lösung für beide Parteien gefunden.

Die geopolitischen Spannungen zwischen Russland und dem Euroraum hätten auch für eine weitere Abwertung des Euro gesorgt. Gegenüber dem US-Dollar nähere sich die Gemeinschaftswährung zunehmend der Parität. Zuletzt habe ein Euro bereits weniger als 1,05 US-Dollar gekostet.

Die Preise für Erdgas dürften also vorerst hoch bleiben. Am Donnerstag seien die Inflationszahlen für Deutschland im April veröffentlicht worden. Dabei habe der Rückgang beim Öl die gestiegenen Preise von Gas und Lebensmitteln nicht kompensieren können und die Teuerungsrate sei, entgegen den Erwartungen der Analysten, nochmals leicht angestiegen. Gegenüber dem Vorjahresmonat habe sich der Warenkorb um 7,4 Prozent verteuert. Dies sei der größte Anstieg seit mehr als 40 Jahren.

Nach EU-harmonisierter Berechnung habe die Teuerung sogar 7,8 Prozent betragen. Dies sei zugleich der Höchstwert während der Ölkrise 1973 gewesen. Für noch höhere Werte müsse man dann schon zurück in die 50er-Jahre gehen. Auch in Frankreich seien die Preise stärker als erwartet gestiegen, während es in Spanien zu einem deutlichen Rückgang gekommen sei. Kurz vor dem Wochenende seien dann auch die Zahlen für den gesamten Euroraum veröffentlicht worden. Die Verbraucherpreise hätten, wie schon im Vormonat, um 7,5 Prozent im Jahresvergleich angezogen.

In der vergangenen Woche seien auch die ersten BIP-Daten veröffentlicht worden. In den USA sei es dabei zu einem überraschenden Rückgang im ersten Quartal von annualisierten -1,4 Prozent gekommen. Was auf den ersten Blick wie ein Vorbote einer drohenden Rezession erscheine, stelle sich bei näherer Betrachtung als ein doch recht robuster Datenpunkt heraus. Für den Rückgang sei vor allem ein negativer Außenbeitrag verantwortlich. Die Vereinigten Staaten hätten also deutlich mehr Waren importiert als in andere Länder exportiert. Dafür sei insbesondere die hohe inländische Nachfrage des ausgabefreudigen US-Konsumenten verantwortlich. Viele Firmen würden daher ihr Lager aufstocken. Der Datenpunkt dürfte daher die US-Notenbank in ihrem Vorhaben, die Leitzinsen in diesem Jahr noch deutlich zu erhöhen, eher bestärkt haben.

Die deutsche Wirtschaft sei mit einem leichten Plus in das Jahr 2022 gestartet. Gegenüber dem Vorquartal habe das Wachstum 0,2 Prozent betragen, wofür vor allem höhere Investitionen verantwortlich gewesen seien. Trotz der erneuten Corona-Welle und des Kriegsausbruchs in der Ukraine sei es nicht zu einem zweiten Rückgang in Folge gekommen. Eine technische Rezession sei damit also ausgeblieben. Hiervon würden Ökonomen sprechen, wenn die Wirtschaftsleistung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen rückläufig sei. Der Krieg in der Ukraine und die hohen Preise würden aber nicht auf eine kräftige Erholung im Rest des Jahres hoffen lassen. (Ausgabe vom 29.04.2022) (02.05.2022/alc/a/a)





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