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Sind aufgekommene Stagflationssorgen berechtigt?


02.11.21 10:45
ALTE LEIPZIGER Trust

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Dominierten im September noch Sorgen um China, das bevorstehende Tapering und die davonlaufenden Energiepreise die Anlegerstimmung, so haben ab Anfang Oktober mit Beginn der bislang sehr positiven Berichtssaison die Börsenampeln wieder auf grün geschaltet, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Die Anleger hätten ihren Optimismus wiedergefunden. In der letzten Oktoberwoche seien die Aktienmärkte dann schon erneut auf oder in die Nähe ihrer Allzeithochs geklettert.

Vor allem die US-Börsen hätten die Anlegerherzen erfreut. Sowohl der Dow Jones Industrial als auch der Standard & Poor's 500-lndex hätten mit 35.892 bzw. 4.598 Punkten bis dato noch nie gesehene Kursniveaus erzielt.

Bislang hätten 83% der im S&P 500 gelisteten Unternehmen, die jüngst bereits berichtet hätten, die Gewinnerwartungen schlagen können.

Trotz Klagen über anziehende Rohstoff- und Zulieferkosten könnten derzeit viele Unternehmen offenbar ihre Preise anheben, was sich in kräftig steigenden Unternehmensgewinnen ausdrücke. Allerdings bleibe der Ausblick vielfach weiter vage, was bei Index-Rekordniveaus wie in den USA eher eine anstehende Konsolidierung implizieren könnte. Dem positiven Trend beim Dow habe der Technologieindex NASDAQ Composite in nichts nachgestanden. Er habe mit 15.452 Punkten ein Rekordhoch markiert. Getrieben worden seien die Indices vor allem von der laufenden Berichtssaison, die größtenteils sehr robuste Quartalszahlen hervorgebracht habe.

Die unverändert sehr expansive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) treibe die Kurse ebenso wie der Mangel an Anlagealternativen. Hinzu seien zeitweise sinkende Renditen an den Anleihemärkten gekommen, die den Aktienmärkten in die Karten gespielt hätten. Steigende Preise für Energie etc. würden an den Börsen derzeit ebenso weitgehend ausgeblendet wie ein voraussichtlich etwas schwächeres Wachstum im Schlussquartal infolge von Lieferengpässen und Fachkräftemangel.

Der deutsche Aktienindex (DAX 40) sei zwar Anfang Oktober kurzzeitig unter die 15.000er-Marke abgetaucht (14.813), habe sich dann aber wieder rasch davon absetzen können und Ende des Monats deutlich fester bei 15.725 Zählern notiert, womit die zwischenzeitliche Korrektur offenkundig ihr Ende gefunden habe. Bei seiner jüngsten Kletterpartie habe der DAX 40 die Kursspitzen von August und September dieses Jahrs bei 16.000 Punkten allerdings noch nicht wieder erreicht.

Ein solcher Anstieg aber wäre notwendig, damit aus den gesamten Kursschwankungen seit April nicht doch noch eine obere Kurswende entstehe. Deren entscheidende Untergrenze liege zwischen 14.800 und 15.000 Punkten. Die stärkere Entwicklung der US-Börsen und die Mehrheit der aufwärts gerichteten Einzeltrends im Index würden aber durchaus dafür sprechen, dass der DAX 40 seinen langfristigen Aufwärtstrend fortsetzen könnte.

Fundamental würde dazu passen, dass die Inflation in den kommenden Monaten zwar weiter um 5% tendiere, danach sollte sich aber eine Entspannung abzeichnen.

Vor allem nicht mehr weiter steigende Rohstoff- und Energiepreise und eine sich wieder verstetigende Versorgung der Industrie mit elektronischen Bauteilen sollten dazu beitragen, dass sich die Preissteigerung wieder in Richtung 2,5% bis 3% abflache.

Im Oktober seien die negativen Auswirkungen der größtenteils wegen Corona gestörten Lieferketten auf die Produktion offensichtlicher geworden und die Zuversicht der Unternehmen sei zurückhaltender als in den Monaten zuvor gewesen. Weiter hätten die vor allem aufgrund von Sonderfaktoren hervorgerufenen und stark steigenden Energiepreise die Stimmung der Konsumenten gedrückt und die Inflation deutlich anziehen lassen. Stagflationssorgen würden die Runde machen.

Auch wenn im vierten Quartal 2021 das Wirtschaftswachstum an Dynamik verlieren sollte und in einigen Regionen stagniert oder gar sinkt und die Inflationsraten nochmals anziehen sollten, scheinen diese Sorgen übertrieben, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust. Zwar dürfte es im kommenden Winter regional erneut zu Corona-bedingten Lieferkettenproblemen kommen, generell sollten sich aber viele dieser Engpässe bis Mitte 2022 auflösen und es den Unternehmen ermöglichen, die gefüllten Auftragsbücher abzuarbeiten. Weiter dürften die zwischenzeitlich sprunghaft gestiegenen Preise für viele Rohstoffe und Vorleistungsgüter wieder nach unten korrigieren.

Anhaltend aufwärts gerichtete Inflationserwartungen seien der entscheidende Faktor für gestiegene Bund-Renditen. Die Realrenditen im Euro-Raum würden sich jedoch weiter auf äußerst niedrigem Niveau befinden. 2022 sollte die näher rückende geldpolitische Normalisierung bei einer Beruhigung der Inflationserwartungen zu moderat steigenden Realrenditen und zu einem höheren Niveau der Bund-Renditen führen. Das weitere Aufwärtspotenzial sollte allerdings lediglich moderat sein.

Die im Oktober deutlich gestiegenen Leitzinserwartungen in den USA und im Euro-Raum scheinen übertrieben, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust. Die hiervon getriebenen Renditeanstiege am kurzen Ende der Treasury- und der Bund-Kurve dürften vor diesem Hintergrund vorerst ausgereizt sein. (Ausgabe November 2021) (02.11.2021/alc/a/a)