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Senior Unsecured Bonds: Marktumfeld von Verbesserung des Sentiments geprägt


13.09.18 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Marktumfeld von Senior Unsecured Bonds war seit Monatsbeginn von einer Verbesserung des Sentiments geprägt, so die Analysten der Nord LB.

Eine Vielzahl von entlastenden Faktoren habe zu einer deutlichen Spread-Einengung des iTraxx Senior Financial um über 10bp geführt. Dazu beigetragen hätten beruhigende Äußerungen von italienischen Politikern zum Budget 2019 und auch die Entwicklungen zwischen UK und der EU in Fragen eines Brexit-Deals. Zudem scheinen die Währungsturbulenzen einiger Emerging Markets eher lokale Probleme zu sein, da derzeit keine globalen Ansteckungseffekte zu erkennen sind, so die Analysten der Nord LB. Erstaunlich, dass in diesem Umfeld der Primärmarkt für Senior Unsecured Bonds vergleichsweise wenige Neuemissionen zu bieten gehabt habe.

Ende August habe die belgische Euroclear Bank Preferred Bonds sowohl mit fixem Kupon (4Y; MS +23bp) als auch als Floater (2,5Y; 3mE +19bp) zu jeweils EUR 500 Mio. emittiert. Es handle sich um die zweite Emission von Preferred Bonds der Bank in diesem Jahr. Das Orderbuch sei bei dieser Dualen Tranche bis auf EUR 2,5 Mrd. angestiegen, mit einer leichten Investorenpräferenz für den kürzeren Bond. Mit 48% sei das Gros der Emission nach Deutschland/Österreich gefolgt von Frankreich (18%) und BeNeLux (10%) gegangen. Beim Investoren-Typ hätten sehr deutlich Fund Mangager (63%) dominiert.

Obwohl das Marktumfeld durchaus weitere Emissionen zugelassen habe, hätten sich die Emittenten Anfang September zurückgehalten und so sei es die Société Générale gewesen, die am 11. September mit einer Preferred-Emission das Primärmarktfenster erneut geöffnet habe. Der long 3Y-Senior im Volumen von EUR 2,0 Mrd. sei zu MS +30bp bei Investoren platziert worden (Orderbuch: EUR 3,0 Mrd.).

Es sei die dänische Sydbank gefolgt, die ihren ersten Non-preferred Senior im Volumen von EUR 500 Mio. emittiert habe. Das ursprüngliche IPT habe bei MS +120-125bp gelegen, doch das Orderbuch von über EUR 950 Mio. habe es dem Institut erlaubt, ein finales Pricing von MS +115bp durchzusetzen. Bei der geografischen Allokation hätten die Nordics mit 67% dominiert, gefolgt von UK/Irland mit 19%. Deutschland/Österreich und Frankreich hätten jeweils 5% der Emission auf die Bücher genommen. Mit Blick auf den Investoren-Typ sei der Löwenanteil von 60% an Asset Manager gegangen. Corporate Funds hätten 18% und Versicherer und Pension-Funds 11% erhalten.

Wie im Banco Santander Konzern üblich, würden die Tochtergesellschaften eigenständig emittieren und so habe die Santander Bank Polska (ehemals: Bank Zachodni WBK S.A.) ihren ersten Preferred Senior Bond im Volumen von EUR 500 Mio. zu MS +77bp (Orderbuch über EUR 750 Mio.) platziert. 30% der Emission seien im Heimatmarkt Polen verblieben, während die iberische Halbinsel 22% der Allokation auf sich gezogen habe und Deutschland/Österreich mit 19% gefolgt seien. Asset Manager seien mit 66% die mit Abstand bedeutendste Investorenklasse gewesen.

Trotz der politischen Lage in Italien und immer wieder aufkeimender Risikoaversion seitens der Investoren beurteile die Rating Agentur Scope den Trend in der Asset-Qualität italienischer Banken positiv. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang sei das positive Kreditumfeld sowie die Dynamik am Sekundärmarkt für Non-performing Exposures (NPEs). Vor allem bei Instituten aus der zweiten und dritten Reihe würden NPEs eine Altlast aus der Finanz- und Staatsschuldenkrise darstellen. Bereits seit 2015 habe sich der Trend bei den NPEs jedoch umgekehrt und so habe sich das Niveau vom Höchststand bei EUR 345 Mrd. auf EUR 258 Mrd. (per März 2018) reduziert. Etwa zwei Drittel des Abbaus sei in den letzten zwölf Monaten erfolgt. Die Dynamik des Trends liege Scope zufolge am positiven Kreditumfeld, das dazu führe, dass weniger Schuldner in den "Non-performing"-Status abrutschen würden.

Außerdem habe sich die Aktivität am Sekundärmarkt für NPE bereits in 2017 verdoppelt und könnte sich in 2018 nochmals verdoppeln. Sollte die italienische Regierung jedoch die zukünftige Finanzstabilität des Landes gefährden und würde das Wachstum sich abschwächen, so hätte dies wahrscheinlich zur Folge, dass der Abbau von NPE erschwert würde und es im Gegenzug sogar zum Aufbau neuer Problemkredite führen könnte.

In einer Veröffentlichung von Ende August untersuche der IWF die Resistenz von italienischem Privatvermögen gegenüber Finanzschocks. Im Ergebnis komme der Autor zu der Schlussfolgerung, dass im Falle eines Bail-in der Einfluss auf das Privatvermögen relativ gering sei. Die Auswirkungen auf die Sozialsysteme seien noch geringer, da ein Bail-in fast ausschließlich Personen am oberen Ende der Vermögensverteilung betreffe.

Der Grad der inländischen Aufnahme/Absorbierung eines Bail-ins sei sogar geringer als bei einem Bail-out, bei dem die Regierung faktisch Ressourcen an Ausländer transferiere und selbst die Hauptlast der Wertverluste trage. Die Kosten müssten die heimischen Steuerzahler tragen und somit betreffe ein Bail-out die komplette Bandbreite der Einkommens- und Vermögensverteilung. Dies gelte umso mehr vor dem Hintergrund der staatlichen Abhängigkeit von Steuern auf Einkommen und Konsum im Gegensatz zu Vermögenssteuern.

IWF Chefin Lagarde habe jüngst eine Liste über anhaltende Schwachstellen des globalen Finanzsystems präsentiert. Sie habe betont, dass insbesondere in Europa zu viele Banken schwach aufgestellt seien und mehr Kapital benötigen würden. Auf der anderen Seite sei die Größe und Komplexität der Institute (too-big-to-fail) weiterhin ein Problem. Sehr beunruhigend schätze sie auch den derzeitigen Druck aus der Finanzbranche auf die politischen Entscheidungsträger ein, die Nach-Krisenregulierung zu lockern.

Daten der Banca d‘Italia würden einen Rückgang der netto Problemkredite im Juli 2018 auf EUR 40,13 Mrd. von einem revidierten Vormonatswert von EUR 42,72 Mrd. zeigen. Bei den brutto Problemkrediten sei ein Rückgang von EUR 131,74 Mrd. im Juni auf EUR 127,48 Mrd. im Juli zu verzeichnen gewesen. Damit lägen die Problemkredite laut Italienischer Zentralbank auf dem niedrigsten Niveau seit Januar 2013. (13.09.2018/alc/a/a)