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Sechs Gründe für einen weiteren Anstieg der Renditen von Staatsanleihen


08.02.18 15:30
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unser Basisszenario für die Zinsmärkte geht von einer allmählichen Verschiebung nach oben aus, so Mark Holman, CEO TwentyFour Asset Management.

Aber es gebe einige Argumente dafür, dass die Prognose der Experten zu konstruktiv sei und die Bewegung nach oben deutlicher ausfallen könnte.

1. Die FED interpretiere ihr Inflationsmandat neu. Mittlerweile werde das Gerede hochrangiger FED-Beamter zu laut, um es zu ignorieren. Der Übergang zu einer angestrebten Inflationsspanne von 1,5% bis 2,5% oder ein durchschnittliches Ziel von 2% über einen Zeitraum von fünf Jahren würde am Markt so interpretiert, dass die FED zum gegenwärtigen Zeitpunkt inflationstoleranter sei. Das werde nach Ansicht der Experten zu einem Anstieg der Zinsstrukturkurve und zu höheren, längerfristigen Renditen führen.

2. Das Angebot an Treasuries steige im Jahr 2018 signifikant an. Die Prognosen für 2018 seien unterschiedlich, aber selbst die konservativsten würden von einem Angebot ausgehen, das mehr als doppelt so hoch sei wie das von 2017, und das schon ohne den Umstand, dass die FED in diesem Jahr ihre Bilanz ausweite. Die heutige 30-Jahre-Auktion mit einem Umfang von 15 Mrd. US-Dollar sei ein interessanter Test für den Markt.

3. Lediglich das vordere Ende der Treasury-Kurve stimme mit den Konjunkturprognosen und den Punktdiagrammen der FED überein. Der 2- bis 5-Jahres-Teil der Kurve müsse steiler werden.

4. Die US-Inflationsdaten hätten im vergangenen Jahr fünfmal unter den Erwartungen gelegen, beginnend mit den März-Daten, die im April veröffentlicht worden seien. Wenn diese beruhigenden Faktoren wegfallen würden, werde die Serie eher nach oben überraschen.

5. Für eine Rezession gebe es absolut keinen Hinweis. Vor dem breiten globalen Aufschwung schien irgendwo auf der Welt eine Rezession vor der Tür zu stehen, so die Experten von TwentyFour Asset Management. Damit seien lang laufende Anleihen als Anker ein bevorzugtes Instrument zum Schutz von Portfolios für den Fall gewesen, dass die Rezession eintreten sollte. Dieser Anker sei jetzt verschwunden, und die Wirtschaftsprognosen seien die optimistischsten seit der Finanzkrise.

6. Und nicht zuletzt: Der Markt für deutsche Bundesanleihen sei der am meisten überbewertete Rentenmarkt. Die Bund-Renditen würden zeigen, dass Draghi's schwer fassbares Inflationsziel nahezu unantastbar sei. Die Einigung der IG Metall, Deutschlands mächtigster Gewerkschaft, in dieser Woche, erinnere die Experten eindringlich daran, dass die Lohninflation auch in Deutschland auf dem Vormarsch sei.

Die deutschen Gewerkschaften würden zur pragmatischen Sorte gehören, die eher versuche, Arbeitsplätze in der Rezession zu schützen, anstatt die Inflation durch hohe Lohnabschlüsse zu bekämpfen. Aber in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief sei und sich die Geschäftsstimmung im Rausch befinde, sei aus Sicht der Gewerkschaften "Payback-time". Die IG Metall habe einen Abschluss über zwei Jahre mit einem Zuwachs von rund 4% pro Jahr vereinbart. Andere Gewerkschaften würden dem Beispiel der IG Metall folgen.

Trotz des Aufwärtstrends bei Renditen von Staatsanleihen in diesem Jahr und ihrem Reiz als risikofreie Assets würden die Experten es derzeit eher für ratsam halten, Engagements am kurzen Ende der Kurven zu halten, um Mark to Market-Verluste zu vermeiden, während sich die Zinskurven an das neue Umfeld anpassen würden. Das große Thema für die Märkte im Jahr 2018 sei zweifellos die "Reflation". (08.02.2018/alc/a/a)