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Schwellenländeranleihen: Kampf gegen den Gegenwind des US-Dollar


06.10.21 12:30
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Der Anstieg des US-Dollar, die restriktive Haltung der Zentralbanken und eine gewisse Risikoaversion haben dazu geführt, dass die Lokalwährungsanleihen der Schwellenländer (EM) unter Druck geraten sind, so die Experten von State Street Global Advisors in ihrem aktuellen "SPDR Strategie Espresso".

Betrachte man den Bloomberg EM Local Currency Liquid Index, so habe es nur wenige Länder gegeben, die im September positive Renditen erzielt hätten: China - da sich die inländischen Wachstumsindikatoren verlangsamt hätten, Indonesien - dank der bereits weiten Spreads zu Staatsanleihen und der relativ zahmen Inflation und Russland - da die Gaspreise in die Höhe geschnellt seien und den Russischen Rubel gestützt hätten.

Es bestehe die Befürchtung, dass das Zurückfahren der Ankäufe von Vermögenswerten durch die US-Notenbank (FED) und letztlich steigende Zinsen US-Dollar-Anlagen begünstigen würden und Kapitalflüsse in Schwellenländeranleihen einschränken könnten. Aus Sicht der Renditedifferenz hätten sich die Spreads jedoch gegen den US-Dollar entwickelt. In Bezug auf die Differenz der Rendite zwischen dem Bloomberg EM Local Currency Liquid Index und dem Bloomberg US Treasury Index hätten sich die Spreads deutlich ausgeweitet und seien so hoch wie seit Ende 2016 nicht mehr (abgesehen von dem Anstieg der Spreads während der COVID-Krise). Angetrieben durch die Straffung der Politik der Zentralbanken der Schwellenländer habe der Spread Ende September nur fünf Basispunkte unter seinem Fünfjahresdurchschnitt gelegen.

Im März 2021 seien die Renditen von Schwellenländeranleihen in lokaler Währung ähnlich negativ ausgefallen, da die Renditen von Staatsanleihen und der US-Dollar in die Höhe geschnellt seien. Der negative Trend habe jedoch nicht angehalten und in den folgenden zwei Monaten seien positive Renditen erzielt worden, da sich die Währung erholt habe. Die jüngste Erholung des US-Dollar habe dazu geführt, dass er gegenüber dem Währungskorb, aus dem sich der Bloomberg EM Local Currency Liquid Index zusammensetze, um 7,6 Prozent überbewertet sei. Es könnte mehrere Auslöser für eine Erholung der Schwellenländerwährungen geben: Eine Lösung des Problems der US-Schuldenobergrenze, eine vorsichtigere Haltung der FED oder eine positive Lösung der Evergrande-Probleme in China - all dies könnte zu einer besseren Unterstützung für risikoreichere Vermögenswerte führen.

Wie wir in dem kürzlich erschienenen Artikel "Emerging Market Debt: Unfulfilled Potenzial", dargelegt haben, preisen die Märkte für Schwellenländeranleihen bereits ein hohes Maß an Straffung in der Renditekurve ein, so die Experten von State Street Global Advisors. Die Renditen seien derzeit im Vergleich zu US-Treasuries hoch, weil der Straffungszyklus der Zentralbanken der Schwellenländer bereits in vollem Gange sei. Die Steigung des null bis zweijährigen Teils der Kurve sei wieder am steilsten, was darauf hindeute, dass ein hohes Maß an Straffung bereits im Markt eingepreist sei. Möglicherweise werde dies von den Zentralbanken nicht bestätigt: Die PriceStats®-Inflationsmessung scheine sich für mehrere wichtige Schwellenländer wie Brasilien, Südkorea und Südafrika stabilisiert zu haben.

Die OECD prognostiziere eine Verlangsamung des globalen Wachstums von 5,7 Prozent im Jahr 2021 auf 4,5 Prozent im Jahr 2022. Diese Verlangsamung sei in den aufstrebenden Volkswirtschaften besonders ausgeprägt, wobei die Türkei mit einem Rückgang von 8,4 auf 3,1 Prozent, Brasilien mit einem Rückgang von 5,2 auf 2,3 Prozent und Südafrika mit einem Rückgang von 4,6 auf 2,5 Prozent am stärksten betroffen seien. Das langsamere Wachstum und die Wende in der Inflationsdynamik würden darauf hindeuten, dass der Druck auf die Zentralbanken der aufstrebenden Volkswirtschaften, ihre Geldpolitik weiter zu straffen, nachlassen könnte. Es sei bemerkenswert, dass der 12-Wochen-Durchschnitt der Zentralbanken, die die Zinssätze angehoben hätten, im Vergleich zu denen, die sie gesenkt hätten, zu sinken beginne (was zum Teil auf die jüngste Senkung der türkischen Zinssätze zurückzuführen sei).

Insgesamt habe der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen und des US-Dollar die Schwellenländeranleihen erneut belastet. Die längerfristigen Aussichten scheinen jedoch besser zu sein, so die Experten von State Street Global Advisors. Renditen für Schwellenländeranleihen würden im Vergleich zu den entwickelten Märkten attraktiv bleiben und die lokalen Währungen gegenüber dem US-Dollar seien wieder günstig.

Auch wenn der Zinserhöhungszyklus für die Zentralbanken der Schwellenländer noch nicht abgeschlossen sei, dürften das schwächere Wachstum und die schwächere Inflation den Druck auf Zinserhöhungen allmählich mindern. Eine straffere Politik sei bereits in den Anleihemärkten eingepreist und könnte sich als günstig für die Anleihen der lokalen Märkte erweisen. (06.10.2021/alc/a/a)