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Schwellenländeranleihen: Diese Themen werden 2021 wichtig


14.01.21 11:11
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2020 ist nun Vergangenheit und die meisten Menschen sind froh darüber, so die Experten von M&G Investments.

Welche Lehren Anleiheinvestoren in Schwellenländern aus dem Marktverhalten des Krisenjahres für den neuen Zeitabschnitt ziehen könnten, habe Gregory Smith, Spezialist für Emerging Markets Bonds bei M&G Investments, in sieben Punkten zusammengefasst.

Wir sind in ein Jahr gestartet, in dem drei Viertel aller Anleihen aus Industrieländern inflationsbereinigt mit negativen Renditen gehandelt werden, so die Experten von M&G Investments. Das sei ein Impuls für Investitionen in Papiere aus Schwellenländern - aber nicht der einzige. Es gebe eine ganze Reihe von Themen, die 2021 über den Erfolg der Anlageklasse entscheiden würden:

1. Virus und Impfstoffe - Ein Wirtschaftsaufschwung der zwei Geschwindigkeiten

Die ostasiatischen Volkswirtschaften, insbesondere China, hätten sich im Jahr 2020 speziell im Vergleich zu Europa und den USA widerstandsfähig gezeigt. Während die weltweite Produktion im Laufe des Jahres eingebrochen sei, sei die chinesische gewachsen. Die Konjunktur der Schwellenländer sei insgesamt weniger stark geschrumpft als die der Industrieländer und sollte sich im Jahr 2021 auch besser erholen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass weitere Wellen der Pandemie entweder vermieden oder durch Impfungen abgemildert würden. Was bleibe, sei eine gewisse Ungewissheit darüber, welche Konjunkturmaßnahmen oder unterstützenden politischen Eingriffe notwendig seien, um die Erholung voranzutreiben. Eine plötzliche Rücknahme von Maßnahmen oder eine übereilte Rückkehr zur Normalisierung der Politik könnten die Fortschritte wieder zerstören.

2. Sprudelnde Konjunktur und niedrige Zinssätze

Ab Mai 2020 hätten niedrige Zinsen und die verbesserte Stimmung der Anleger die Risikoaufschläge von Schwellenländeranleihen fast wieder auf ihre Jahresanfangsniveaus gedrückt.

Die positive Einschätzung des Jahres 2021 beruhe jedoch überwiegend auf der Ansicht, dass die Zinsen weltweit noch länger niedrig bleiben würden und die großzügige Geldpolitik der Zentralbanken zusammen mit weiteren fiskalischen Stimulierungsmaßnahmen so weitergehe. Sollten diese Stimuli nachlassen, würde das die Marktstimmung 2021 jedoch belasten.

3. Hochverzinsliche Schwellenländeranleihen würden Rückstand aufholen

Die Spreads von Schwellenländeranleihen mit Investment-Grade-Qualität hätten sich von ihren Höchstständen im März und April 2020 verengt und sich rasch wieder dem Stand vor der Pandemie genähert. Anders bei High Yield Bonds: Sie hätten von der Erholung im Mai profitiert, aber ihre Risikoaufschläge lägen immer noch weit über denen vom Jahresbeginn.

Grund dafür sei die Ungewissheit über mögliche verzögerte Auswirkungen des Virus auf die Kreditfähigkeit der so genannten Frontier-Länder. Die Experten von M&G Investments würden glauben, dass hochverzinsliche Schwellenländeranleihen im Jahr 2021 besser abschneiden würden als im zurückliegenden. Allerdings sei hier ein kritischer Blick auf die Qualität des jeweiligen Emittenten besonders wichtig, weil die meisten Länder nun höher verschuldet seien. In den Augen der Experten von M&G Investments lägen die Spreads bei EM-Hochzinsanleihen weiterhin auf einem attraktiven Niveau.

4. Bleibende tiefe Schuldennarben

Im vergangenen Jahr seien die Staatsschulden weltweit angestiegen. Ein Großteil der Schwellenländer habe sich Liquidität im Inland und in lokaler Währung beschafft. Auf Anfrage hätten aber auch Notkredite in harter Währung zur Verfügung gestanden - beispielsweise vom IWF. Narben seien aber dennoch geblieben: Die Ratings von sechs Staaten seien 2020 zurückgenommen worden, dazu hätten Argentinien, Libanon oder Ecuador gehört. Für Anleger stelle sich die Frage, ob die Liste noch länger werde.

Die Experten von M&G Investments würden allerdings nicht glauben, dass Schwellenländer vor einer systemischen Schuldenkrise stünden, denn Risiken und Marktzugang seien je nach Land sehr unterschiedlich. Brasilien und Mexiko etwa hätten im Jahr 2020 hohe Haushaltsdefizite, aber während Brasilien seine Staatsverschuldung bei etwa 103 Prozent des BIP stabilisieren dürfte, werde sich der Wert in Mexiko schätzungsweise auf 65 Prozent einpendeln. Etliche Länder würden bei einer Erholung ihre Liquiditätssorgen daher schnell abschütteln können, während es für andere problematisch werde.

5. US-Dollar werde etwas schwächer

Ein klarer Ausgang der US-Wahlen sowie die Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen das Corona-Virus seien auch für Schwellenländeranleihen positiv gewesen. Dazu seien bessere Wirtschaftsdaten im dritten Quartal 2020 gekommen. Trotz der Pandemie habe es 2020 Rekordzuflüsse aus dem Ausland in lokale chinesische Anleihen gegeben, nachdem diese in den globalen Anleiheindex aufgenommen worden seien. Die Experten von M&G Investments würden glauben, dass sich dieser Trend fortsetzen und für mehr Nachfrage sorgen werde, die eher zulasten von Anlagen in Industrieländern gehe.

Eine weitere Abschwächung des US-Dollar im Jahr 2021 sei wahrscheinlich und das sollte die Lokalwährungen der Schwellenländer beflügeln. Nach wie vor würden die Experten von M&G Investments einige Schwellenländerwährungen für unterbewertet halten.

6. Öl und OPEC-Vereinbarungen

Die Zukunft des Ölpreises bleibe unsicher. Für die Stimmung bei der OPEC werde entscheidend sein, wie schnell sich die Weltwirtschafte entwickle und was aus den Spannungen zwischen den westlichen Ländern und dem Iran werde.

Ölexporteure ohne große finanzielle Puffer wie z.B. Oman, Barain oder Angola würden kurzfristig Reformen brauchen, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen wiederherzustellen. Das gelte auch für reichere Golfstaaten, aber hier dränge die Zeit nicht so. Ihr Anteil an den Indices für Schwellenländeranleihen dürfte auch in diesem Jahr wieder zunehmen.

7. Keine Abkühlung politscher Krisenherde in Sicht

Die US-Außenpolitik werde in Zukunft eine andere sein als unter Trump, aber die globale politische Landschaft habe sich gegenüber Obama-Zeiten verändert. Nationen wie Saudi-Arabien, die Türkei und Russland könnten es schwerer haben, während Länder wie Mexiko profitieren dürften.

Ein zentrales Thema bleibe die Beziehung zwischen den USA und China. Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Spannungen abschwächen würden, da China wachse und die globale Hegemonie der USA bedrohe. Anleger in Schwellenländerbonds müssten die Politik im Nahen Osten ebenso beobachten, wie anstehende Wahlen, etwa in Peru, Chile und Ecuador. (14.01.2021/alc/a/a)