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Schwellenländer: Rentenmärkte weiterhin freundlich


10.07.20 11:00
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Staatsanleihen aus den Schwellenländern konnten im Juni ihre Erholungsbewegung fortsetzen, so die Experten von Union Investment.

Gemessen am J.P. Morgan EMBI Global Diversified-Index hätten die Hartwährungstitel im Monatsvergleich um 3,5 Prozent zugelegt. Die Risikoaufschläge (Spreads) hätten sich um 41 auf 474 Basispunkte eingeengt. Zum Vergleich: Corona-bedingt hätten sich die Spreads im März noch auf über 700 Basispunkte deutlich ausgeweitet. Die weiterhin expansiven Zentralbanken würden im Niedrigzinsumfeld die Suche nach Rendite antreiben, wovon die Anlageklasse profitiere. Das günstige Marktumfeld im Juni hätten auch außergewöhnlich viele Emittenten für die Platzierung neuer Anleihen genutzt.

Daneben würden sich die Schwellenländermärkte aber nach wie vor in einem Spannungsfeld zwischen einem massiven globalen Konjunktureinbruch und dem weiterhin schwelenden Öl-Handelskrieg innerhalb der OPEC+-Staaten bewegen. In Anbetracht der aktuellen Umstände gewinne daher die Länderselektion deutlich an Wert. In Ländern wie Libanon, Ecuador, Sambia und El Salvador stünden derzeit Restrukturierungen bzw. Umschuldungen im Raum. Argentinien befinde sich bereits in einem Restrukturierungsprogramm.

Mit Blick auf die Geldpolitik hätten unter anderem die Zentralbanken in Brasilien, Indonesien, Mexiko und Russland den jeweiligen geldpolitischen Schlüsselsatz reduziert. Die US-Notenbank FED habe auf ihrer jüngsten Sitzung hingegen keine Änderung bezüglich ihrer Leitzinsen beschlossen, werde aber weiterhin Wertpapiere erwerben. Außerdem habe US-Notenbankchef Powell unterstrichen, dass die FED zudem bereitstünde, jederzeit zu reagieren und im Bedarfsfall alle Instrumente nutzen würde, um eine nachhaltige Erholung sicherzustellen. Auch sei die Möglichkeit von Zinserhöhungen in den nächsten Jahren weitestgehend ausgeschlossen worden, wodurch das Niedrigzinsumfeld zementiert bleiben dürfte und gleichzeitig der Appetit nach Risikopapieren genährt werde.

Die Marktbewegung in den kommenden Wochen dürfte neben der Entwicklung der Neuinfektionszahlen und entsprechenden wirtschaftlichen und geldpolitischen Implikationen auch durch den Fortgang im Handelskonflikt zwischen den USA und China geprägt sein. (Ausgabe vom 08.07.2020) (10.07.2020/alc/a/a)