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Schweiz: SNB stemmt sich weiter gegen Aufwertungsdruck


15.06.17 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute beschlossen, ihre Geldpolitik unverändert expansiv fortzuführen, so die Analysten der Nord LB.

Bei den Leitzinsen habe es keine Änderungen gegeben. So verharre das Zielband für den 3-Monats-Libor zwischen -1,25% und -0,25%. Der Zins auf Sichteinlagen bei der SNB - die über einen gewissen Schwellenwert hinausgehen würden - bleibe weiterhin bei -0,75%. Dies entspreche den einhelligen Erwartungen der zuvor von Bloomberg befragten Analysten.

Die neue bedingte Inflationsprognose der SNB sei nur marginal angepasst worden. Für das laufende Jahr würden die Währungshüter wie bisher mit einer durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate in Höhe von 0,3% rechnen. Mit einer Prognose von 0,3% bzw. 1,0% für 2018 und 2019 erwarte die SNB zudem weiterhin eine sehr langsame Normalisierung an der Preisfront. Nach wie vor bleibe zur Stabilisierung des Preisniveaus sowie zur Abmilderung des Aufwertungsdrucks auf den Franken eine Unterstützung durch die expansive Geldpolitik notwendig.

Nach der nur mäßigen wirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Halbjahr 2016 habe die konjunkturelle Dynamik in der Schweiz im ersten Quartal 2017 zwar wieder etwas zugenommen. Die SNB bleibe jedoch trotz der verbesserten globalen Konjunktur bei ihrer vorsichtig optimistischen Wachstumsprognose, nicht zuletzt wegen der anhaltenden Belastungen durch den hohen Außenwert des Frankens. Für 2017 würden die Notenbanker eine Expansionsrate von rund 1,5% erwarten, auch die Prognose der Analysten von 1,4% liege in diesem Bereich.

Die SNB habe in ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung erneut betont, dass sie den Franken nach wie vor als "deutlich überbewertet" ansehe. Daher sei man weiter am Devisenmarkt aktiv, wobei die Notenbank "die gesamte Währungssituation" berücksichtigen wolle. Die Negativzinsen und die Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen sollten Anlagen in Schweizer Franken unattraktiver machen und so den Aufwertungsdruck für den Schweizer Franken vermindern.

Der Hinweis auf das gesamte Wechselkursgefüge signalisiere, dass nicht nur das Austauschverhältnis zum Euro die Geldpolitik der SNB bestimme. Nicht zuletzt die anhaltende Straffung der Geldpolitik in den USA - das FOMC der FED habe erst gestern wie erwartet eine weitere Zinserhöhung um 0,25% beschlossen - könnte perspektivisch zu einem abnehmenden Aufwertungsdruck beitragen.

Der Schweizer Franken habe mit der Wahl Emmanuel Macrons deutlich abgewertet, der Euro notiere aktuell aber wieder unter der Marke von 1,0900 CHF je EUR. Der Franken bleibe als klassische Safe-Haven-Währung anfällig für Verschärfungen der politischen Risikosituation - nicht nur in der Eurozone. Das monetäre Umfeld für die Schweizer Währungshüter präsentiere sich herausfordernd. Die EZB habe vergangene Woche zwar ihre Kommunikation etwas gestrafft, der geringe Inflationsdruck lasse jedoch einen sehr langsamen Exit-Fahrplan erwarten. Die US-Notenbank habe ihrerseits zwar wie erwartet gestern eine weitere leichte Zinserhöhung beschlossen. Insgesamt bleibe der Druck auf den Franken aber hoch, nicht zuletzt wegen der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Italien vor den nächsten Parlamentswahlen.

Wie erwartet setze die SNB ihre expansive Geldpolitik unverändert fort. Mit den Negativzinsen und der Bereitschaft zu weiteren Devisenmarktinterventionen würden sich die Schweizer Währungshüter gegen den Aufwertungsdruck des Frankens stemmen. Die sukzessive Normalisierung der US-Geldpolitik und die jüngsten Adjustierungen der EZB-Kommunikation würden zusätzliche Maßnahmen der SNB derzeit nicht notwendig machen. Andererseits belege die relativ stabile Zinsdifferenz zur Eurozone, dass der Franken anhaltend unter Druck stehe. Bis weit ins Jahr 2019 hinein würden die Analysten derzeit eine Zinserhöhung der SNB für ausgeschlossen halten - nicht zuletzt wegen der schleppenden Inflationsentwicklung. (15.06.2017/alc/a/a)