Schweiz: Inflation niedriger als im Euroraum - SNB wartet auf EZB


03.05.22 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Ukrainekonflikt belastet das wirtschaftliche Geschehen in der Schweiz bisher nur geringfügig, Auswirkungen des Krieges spiegeln sich bislang nur begrenzt in den Konjunkturindikatoren, so die Analysten der Nord LB.

So sei das KOF Konjunkturbarometer im April wieder auf 101,7 Punkte gestiegen und kehre damit über den Durchschnittswert von 100 Punkten zurück. Der Indikator belege also bislang eine solide konjunkturelle Dynamik. Der Schweizer Bundesrat habe in den vergangenen Wochen mit schnellen Entscheidungen die Sanktionspakete der EU gegen Russland mitgetragen und sich so solidarisch mit dem Westen gezeigt. Dies habe der Debatte über anhaltend höhere Inflation zusätzlichen Zündstoff geliefert, auch wenn diese im März mit 2,4% Y/Y sehr deutlich unter der Preissteigerungsrate der Eurozone gelegen habe. Ökonomen würden Sorgen über eine Verfestigung hoher Inflationserwartungen äußern, schließlich hätten in der Vergangenheit hohe Rohstoff- und insbesondere Ölpreise entsprechende Effekte gehabt.

Eine Umfrage des KOF unter Schweizer Unternehmen habe ergeben, dass diese im Schnitt mit einem weiteren Anstieg der Teuerungsrate auf 2,75% Y/Y rechnen würden. Die schlechte Stimmung und hohe Inflation in Nachbarländern dürfte sich perspektivisch auch negativ auf die kleine und exportorientierte Volkswirtschaft auswirken. Die Nachfrage nach Schweizer Exporten gehe zurück, während zugleich importierte Güter und Zwischenprodukte teurer würden. Letztere würden auf Unternehmen und Konsumenten weiteren Preisdruck ausüben. Trotz dieser Belastungsfaktoren sei die Schweiz aber bisher gut durch die Ukrainekrise gekommen und die wirtschaftlichen Aussichten würden im Vergleich zur Eurozone derzeit etwas positiver erscheinen.

Der Anstieg der Inflation, verstärkt durch die russische Aggression in der Ukraine und die Sanktionen des Westens, habe bei vielen Ökonomen die Forderung nach einer restriktiveren Geldpolitik befeuert. Der SNB-Leitzins liege weiterhin bei -0,75%. Die Analysten würden hier erst eine Anhebung als Reaktion auf neue geldpolitische Signale der EZB erwarten, um weiteren Aufwertungsdruck beim Franken zu verhindern. Da die EZB aber in ihrer Kommunikation zunehmend hawkisher werde, rücke auch in der Schweiz erstmals seit der Einführung von Negativzinsen Ende 2014 eine Zinsanhebung in greifbare Nähe. Der Franken erhalte derweil konstante Zuflüsse und bewege sich mit zuletzt 1,02 EUR in CHF nahe an der Parität zum Euro. Eine zusätzliche Eskalation des Konflikts in Osteuropa dürfte weitere Safe-Haven-Anleger anziehen und dazu führen, dass die Parität beider Währungen getestet werde. (Ausgabe Mai 2022) (03.05.2022/alc/a/a)




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