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Schwankungen am Rentenmarkt halten an


01.12.17 10:15
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Sind Sie auch schon in Hochstimmung? Dabei bezieht sich Daniel Schär, CFA bei der Weberbank, weniger auf die bevorstehende Vorweihnachtszeit als auf die Frühindikatoren zur Wirtschaftsentwicklung.

Die Umfragen unter den Einkaufsmanagern der internationalen Industrie- und Dienstleistungsunternehmen seien unisono positiv geprägt und würden ein weiterhin freundliches Wirtschaftsumfeld andeuten. Dieses sei in dieser Woche durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt worden, die für 2018 das stärkste Wachstum der Weltwirtschaft seit 2010 prognostiziere. Für Deutschland sei die Wachstumsprognose auf 2,2 Prozent angehoben worden. Das sei zwar weniger, als Indikatoren wie der ifo-Index aufgrund des euphorischen Niveaus erwarten lassen würden, aber ein solider Wachstumspfad, mit dem es sich gut auskommen lasse.

Wäre die deutsche Regierungsbildung nicht so schwierig, könnten sich die Politiker freuen. Selten seien in den letzten Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gut gewesen wie aktuell. Der Arbeitsmarkt sei auf Vollbeschäftigungsniveau, und in bestimmten Regionen und Branchen würden die Arbeitskräfte langsam rar. Zuletzt sei das deutsche Wachstum stark durch den florierenden Konsum gestützt gewesen. Im Jahr 2018 könnte sich ein Wechsel der Zugpferde andeuten. Es gebe zunehmend erfreuliche Signale aus dem Exportsektor, und damit einhergehend sollte die Investitionsbereitschaft der Unternehmen steigen.

Zum begehrtesten Anlageobjekt des Jahres scheine aber die Cyberwährung Bitcoin zu avancierten. Man habe den Eindruck, je mehr darüber in den Medien gesprochen und geschrieben werde, desto stärker steige der Preis. Der Handel sei schwierig und intransparent. Es gebe nur wenige an Wertpapierbörsen gehandelte Finanzprodukte auf das Konstrukt. Seit Jahresbeginn habe die Währung zwischenzeitlich 1.000 Prozent dazugewonnen. Beim Blick auf den exponenziellen Kursverlauf fühle man sich an eine klassische Spekulationsblase erinnert. Vorsicht sei geboten, da die Schwankung sehr hoch sei. Den Regierungen und Notenbanken der Welt sei der Erfolg der nicht beliebig vervielfältigbaren Kryptowährungen ein Dorn im Auge. Sollten hier Restriktionen oder Verbote erlassen werden, könne schnell das Kartenhaus in sich zusammenfallen. Sollten Investoren darüber nachdenken, dann sollten sie entsprechend mit Bedacht agieren!

Die Aktienmärkte hätten eine Verschnaufpause eingelegt. Nachdem zu Beginn des Novembers noch neue Höchststände an den Börsen erreicht worden seien, hätten in den zurückliegenden Wochen viele Anleger das insgesamt freundliche Umfeld genutzt, um Kursgewinne mitzunehmen. Vor allem Technologie-Unternehmen, die zu den Börsenlieblingen in diesem Jahr gehört hätten, seien unter Druck gewesen.

Die Analysten der Weberbank erwarten jedoch keine ausgeprägte Trendwende an den Aktienbörsen, da das monetäre und auch das wirtschaftliche Umfeld positiv bleiben. Für das Jahr 2018 würden die Analysten von Steigerungen der Unternehmensgewinne in den Industrienationen in Höhe von 10 bis 15 Prozent ausgehen. Wenn die Bewertungsniveaus konstant bleiben sollten, könne man daraus weiteres Potenzial für die Aktien ableiten. Besonders positiv steche seit einiger Zeit Japan heraus. Die Verschuldung der Unternehmen sei im internationalen Vergleich gering, die Liquiditätsbereitstellung der Notenbank konstant hoch und die Gewinne könnten sich noch dynamischer als in Europa oder den USA entwickeln. Als Beimischung stelle Japan somit eine interessante Ergänzung in einem internationalen Aktienportfolio dar.

Die positive volkswirtschaftliche Entwicklung im Euroraum mache es der Europäischen Zentralbank zunehmend schwerer, ihren expansiven Kurs beizubehalten. Die südeuropäischen "Problemländer" der letzten Jahre würden sich erholen, und die Arbeitslosenquote im Euroraum sei mit 8,9% auf dem niedrigsten Niveau seit 2008. Die bereits geplante Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe ab Januar 2018 sei ein erster Schritt zur Normalisierung, dem aber im kommenden Jahr weitere folgen müssten. Erste Zinserhöhungen seien in Europa im kommenden Jahr jedoch nicht zu erwarten. Die Schwankungen am Rentenmarkt sollten nach Meinung der Analysten der Weberbank verhältnismäßig hoch bleiben. Die Analysten würden daher weiterhin eine konservative Positionierung durch festverzinsliche Papiere mit kurzen bis mittleren Restlaufzeiten präferieren. (01.12.2017/alc/a/a)