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Schroders Global Investor Study 2018: Lebenshaltungskosten im Ruhestand werden meist unterschätzt


03.07.18 11:00
Schroders

London (www.anleihencheck.de) - 15 Prozent der Ruheständler aus den Industriestaaten und den größten Schwellenländern beziehen kein ausreichendes Einkommen, um komfortabel leben zu können, so die Experten von Schroders.

Dies sei ein Ergebnis der Schroders Global Investor Study 2018, für die mehr als 22.000 Anleger aus 30 Ländern befragt worden seien.

Weltweit würden noch nicht im Ruhestand befindliche Befragte davon ausgehen, dass sie durchschnittlich 34 Prozent ihrer Ruhestandsbezüge für die Lebenshaltung ausgeben würden. Tatsächlich aber müssten Ruheständler dafür fast 50 Prozent ihrer Einkünfte aufwenden. Und auch in Deutschland ist dieser Irrglaube weit verbreitet: Die hierzulande befragten Personen erwarten, für die Lebenshaltung nur 38 Prozent ihrer Ruhestandsbezüge einsetzen zu müssen, wohingegen in der Realität 47 Prozent hierfür aufgebracht werden müssen, so die Experten von Schroders. Für andere Verwendungszwecke stünden somit weniger Mittel als geplant zur Verfügung.

Die Schroders Global Investor Study 2018 habe damit gezeigt, dass zwischen den Erwartungen und der finanziellen Realität des Lebens im Ruhestand eine erhebliche Lücke klaffe.

Weltweit betrachtet seien die Einkünfte von Ruheständlern niedriger, als Personen, die sich dem Rentenalter nähern würden, dies gegenwärtig erwarten würden.

Weniger als die Hälfte (43 Prozent) aller global befragten Ruheständler hätten eingeräumt, dass ein etwas höheres Einkommen hilfreich wäre, während 42 Prozent angegeben hätten, dass sie über ein ausreichendes Einkommen verfügen würden, um im Ruhestand komfortabel zu leben. 15 Prozent würden über kein ausreichendes Einkommen für einen komfortablen Ruhestand verfügen. In Deutschland hätten 48 Prozent der Ruheständler ein etwas höheres Einkommen als hilfreich bezeichnet, wohingegen von 44 Prozent das tatsächlich zur Verfügung stehende Einkommen als ausreichend empfunden werde. Nur 7 Prozent der deutschen Befragten habe angegeben, dass ihr Ruhestandseinkommen nicht für ein komfortables Leben ausreiche.

Personen ab einem Alter von 55 Jahren, die schon näher am Ruhestand seien, könnten eine böse Überraschung erleben, wenn sie sich zu viel von ihren Ruhestandsbezügen erwarten würden. Sie würden weltweit nämlich davon ausgehen, dass sie durchschnittlich 74 Prozent ihres aktuellen Gehalts benötigen würden, um im Ruhestand komfortabel zu leben. Bezogen auf Personen in Deutschland falle diese Zahl mit 67 Prozent ihres aktuellen Gehalts etwas geringer - und damit realistischer - aus.

Tatsächlich aber würden Ruheständler weltweit nur durchschnittlich 61 Prozent ihres letzten Jahresgehalts erhalten. Am größten sei der Abstand in Asien, wo Ruheständler auf 59 Prozent ihres letzten Gehalts kämen, während Personen, die kurz vor dem Ruhestand stünden, mit 76 Prozent rechnen würden.

Am geringsten sei die Lücke bei Anlegern in Europa. Hier würden Ruheständler 63 Prozent ihres letzten Gehalts erhalten, während Personen, die kurz vor dem Ruhestand stünden, davon ausgehen würden, dass sie 72 Prozent benötigen würden.

In Deutschland würden Ruheständler im Mittel 65 Prozent ihres letzten Gehalts als Ruhestandsbezug erhalten, wohingegen die kurz vor dem Ruhestand stehenden Personen denken würden, dass sie 67 Prozent benötigen würden. Somit würden die deutschen Befragten auch hier einen überdurchschnittlich hoch ausgeprägten Realitätssinn demonstrieren.

Gleichzeitig würden Ruheständler auf der ganzen Welt weiter erhebliche Beträge investieren und 19 Prozent ihrer gesamten Altersersparnisse für die Geldanlage nutzen. Demgegenüber würden Personen, die den Ruhestand noch vor sich hätten, davon ausgehen, dass sie lediglich 9 Prozent ihrer Ruhestandsersparnisse investieren würden.

Für Deutschland würden diese Zahlen ähnlich ausfallen: Hier würden die Ruhestandsanwärter erwarten, lediglich 7 Prozent ihrer Ersparnisse zu investieren, wohingegen die Ruheständler tatsächlich 16 Prozent ihrer Altersersparnisse anlegen würden. Dies deute darauf hin, dass sie sich der Rolle bewusst seien, die Anlagen bei der Vermehrung des Renteneinkommens spielen würden.

Charles Neus, Leiter Altersvorsorge-Lösungen bei der Schroder Investment Management GmbH: "Die Schroders Global Investor Study 2018 offenbart eine ganz erhebliche Differenz zwischen den Erwartungen der Menschen an ihren Lebensstandard nach Beendigung der Berufstätigkeit und den tatsächlichen Bedingungen - auch hier in Deutschland. Zwar beweisen die deutschen Befragten verglichen mit dem globalen Durchschnitt einen hohen Realitätssinn, jedoch zehren die Lebenskosten im Ruhestand auch hierzulande mehr Einkommen auf als gedacht. Die Folge: Für andere Verwendungen wie Freizeit oder Hobbys steht weniger Geld als erwartet zur Verfügung."

"Um dem entgegenzuwirken, ist rechtzeitiges Handeln erforderlich. Je früher man mit der Altersvorsorge anfängt, desto höher ist das für den Ruhestand zu erwartende Einkommen. Wir sind davon überzeugt, dass Investmentfonds hierbei nicht fehlen sollten, da insbesondere sie eine interessante Möglichkeit für Wertzuwächse bei überschaubarem Risiko bieten können, die einen finanziell sorgenfreien Ruhestand ermöglichen."

Lesley-Ann Morgan, Global Head of Retirement bei Schroders: "Überall auf der Welt unterschätzen die Menschen, welchen Teil ihrer Ruhestandsbezüge sie für die Lebenshaltung werden aufwenden müssen und wie viel Geld sie für ein komfortables Leben im Ruhestand benötigen. Gerade in der gegenwärtigen Phase niedriger Renditen und anziehender Inflation bedeutet dies eine nicht zu unterschätzende Gefahr für ihren Wohlstand."

"Es gibt dabei keine magische Formel. Um eine finanziell schwierige Situation im Ruhestand zu vermeiden, müssen die Menschen erkennen, dass sie so früh und so umfangreich wie möglich Vorsorge treffen sollten. Wenn man mit der Ersparnisbildung für den Ruhestand wartet, bis man auf 50 oder 60 zugeht, dürfte es zu spät sein, eine Lücke bei den Ersparnissen zu schließen."

"Vielleicht weil ihre Altersbezüge nicht reichen, legen Ruheständler unserer Studie zufolge weiter Geld an, und zwar in vielen Fällen mehr, als sie vor dem Ruhestand erwartet hatten." (03.07.2018/alc/a/a)