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Schnell steigende Zinsen sind das größte Risiko für Anleger


04.01.22 11:23
DONNER & REUSCHEL AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2022 startet mit außergewöhnlichen vielen Unsicherheitsfaktoren für die globale konjunkturelle Entwicklung und damit auch für die Kapitalmärkte, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL AG.

Allen voran würden die Corona-Pandemie und die anhaltenden Lieferengpässe wichtige Belastungsfaktoren bleiben, die jedoch voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahres an Einfluss verlieren würden. Hinzu kämen geopolitische Risiken, vor allem der Ukraine-Konflikt sowie die Differenzen zwischen China und den USA. Für die Kapitalmärkte spiele jedoch vor allem die Zinsentwicklung eine entscheidende Rolle. Einerseits würden sich viele Notenbanken nach jahrelanger ultra-expansiver Geldpolitik in einer Wende mit bereits beschlossenen oder absehbaren Leitzinserhöhungen versuchen, etwa die Bank of England oder die US-Notenbank FED. Auch auf die EZB dürften im Laufe des Jahres vermehrt Forderungen nach ersten Leitzinsanhebungen zukommen. Andererseits müssten auch die Zinsen für Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten sowohl in den USA als auch in der Eurozone deutlich steigen - zumindest, wenn man die stark gestiegenen Inflationsraten betrachte. Doch gerade dieser volkswirtschaftliche Zusammenhang sei 2021 nahezu außer Kraft gesetzt gewesen.

Über die Gründe für die Entkopplung von Zinsen und Inflation könne nur spekuliert werden. Möglich sei, dass Anleger dem Argument nur temporär höherer Preissteigerungsraten Glauben schenken würden. Allerdings würden immer weniger Zentralbanker diese Ansicht vertreten. Auch könnte eine kommende Rezession eingepreist werden, die mit sinkenden Zinsen einhergehen würde. Angesichts der grundsätzlich positiven Aussichten für die globale Konjunktur sei diese Erwartung jedoch eher unwahrscheinlich. Damit bleibe die zentralbankinduzierte Nachfrage nach Anleihen aufgrund massiver Wertpapierkaufprogramme als Grund für gedeckelte Renditen. Doch abgesehen von der Bank of Japan würden die meisten Notenbanken ihre Kaufvolumina in den kommenden Monaten deutlich reduzieren. Zwar würden sie zumindest verbal versuchen, zu schnell steigende Zinsen zu verhindern. Trotzdem dürften die auslaufenden Anleihe-Kaufprogramme immer wieder Phasen stärkerer Renditeanstiege auslösen und an den von Niedrigzinsen verwöhnten Börsen zumindest für zwischenzeitliche Korrekturen sorgen. Grundsätzlich gestützt würden Aktien, Edelmetalle & Co. allerdings von voraussichtlich anhaltend negativen Realrenditen - da die Teuerungsraten sich auf erhöhten Niveaus einpendeln würden - und der Aussicht auf die Fortsetzung des dynamischen Nach-Corona-Aufschwungs im weiteren Jahresverlauf. (04.01.2022/alc/a/a)