SSA-Segment: Spärliche Neuemissionen


03.11.21 11:51
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die EU hat durchaus unerwartet ihr Fundingziel für das NGEU-Programm für 2021 von EUR 80 Mrd. auf EUR 71 Mrd. heruntergenommen, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Damit werde es dieses Jahr keine Kapitalmarktaktivitäten für NGEU mehr geben. Diese Entscheidung sei laut Pressemitteilung vor dem Hintergrund einer aktualisierten Bewertung des Bedarfs im Rahmen des NGEU-Instruments getroffen worden. Auf dieser Grundlage beabsichtige die Kommission nicht, bis zum Jahresende weitere EU-Anleiheemissionen durchzuführen. Die Auktionen von EU-Bills würden wie angekündigt fortgesetzt. Zudem werde die Kommission ihr Refinanzierungsziel für H1/2022 in ihrem nächsten Plan mitteilen, den sie im Dezember veröffentlichen werde.

Viele von uns erinnern sich noch an die Auktionen der UMTS-Lizenzen im Jahre 2000, so die Analysten der NORD/LB. Die Bundesnetzagentur habe dabei Lizenzen von Frequenzblöcken für eine Nutzung durch das Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) an zugelassene Mobilfunkanbieter versteigert. Die Einnahmen (umgerechnet aus D-Mark damals circa EUR 50,8 Mrd.) seien in den Staatshaushalt geflossen. Die Mobilfunkbetreiber hätten die erworbenen Lizenzen in den Folgejahren abschreiben und somit Gewinn und Steuerlast verringern können. Dies habe damals viel Geld in die Kassen des Fiskus gespült. 2010 seien nur noch EUR 438 Mrd. erzielt worden.

Warum würden die Analysten der NORD/LB das aufwärmen? Die Justiz-Auktion des Landes NRW habe 215 Bitcoins versteigert, die sie aus Straftaten beschlagnahmt habe. Es seien Preise über dem Marktwert gezahlt worden und der Landeskasse zugutegekommen. Die NRW-Justiz besitze noch andere Kryptowährungen wie Litecoin, Ethereum oder Ripple. Nordrhein-Westfalen betreibe das bundesweit einzige, zentrale Online-Auktionsportal der deutschen Justiz. Hier würden sich aus rechtlichen Gründen Bitcoins neben gestohlene Fahrräder gesellen. Damit kein Hacker die Datenpakete abgreife, seien die digitalen Schlüssel analog gesichert - in versiegelten Umschlägen auf Papier. Wirke bizarr, helfe aber der Landeskasse. Die Datenpakete selbst würden dank Blockchain-Technologie als nicht kopier- und fälschbar gelten.

Hamburg und Schleswig-Holstein würden ihren Rettungsfonds für die HSH Nordbank im kommenden Jahr auflösen. "Die noch bestehenden Rest-schulden werden jetzt auf die Länderhaushalte direkt übertragen", habe Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nach einer gemeinsamen Sitzung der Landesregierungen von Hamburg und Schleswig-Holstein gesagt. Nach Angaben von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) kämen auf jedes Land EUR 1,5 Mrd. zu. Die Schulden würden noch im HSH Finanzfonds AöR stecken. Die solle bis August aufgelöst werden. EUR 7 Mrd. seien bereits getilgt worden.

So vielfältig die Themen im SSA-Segment seien, so spärlich seien derzeit die Neuemissionen. Man habe nur zwei Benchmarkdeals identifizieren können, welche jeweils gegenüber der Guidance im Preisfindungsprozess einen Basispunkt habe reinziehen können. Dabei sei der Deal der Rentenbank (9y) (ISIN XS2405489092 / WKN nicht bekannt) leicht überzeichnet gewesen, das Buch bei Sachsen-Anhalt (5y) (ISIN DE000A3MP7P2 / WKN A3MP7P) sei sogar auf EUR 2,8 Mrd. gekommen. Frische Mandatierungen habe es keine gegeben, sodass selbst ein Private Placement der EU in Höhe von EUR 90 Mio. hier kurz Erwähnung finde. Programm: Macrofinancial Assistance (MFA). Ohne frische NGEU-Benchmarks bis Jahresende sind das fast schon Refinanzierungsperlen in unseren Augen der EU, so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe 34 vom 03.11.2021) (03.11.2021/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Werte im Artikel
101,33 plus
+0,31%
100,71 plus
+0,13%