SSA-Markt: Unterschiedliche Ideen zur Fortführung der PEPP-Flexibilität


01.07.21 09:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Im Gegensatz zum PSPP verfügt das PEPP mit Blick auf die Ankaufkriterien über höhere Freiheitsgrade, welche sich unter anderem in einer höheren Abweichung vom Kapitalschlüssel der EZB zeigen können, so Dr. Norman Rudschuck und Henning Walten von der NORD/LB.

Der Umgang mit genau jenen Abweichungen, welche die Analysten für ihren EZB-Tracker sowohl für das PSPP also auch für das PEPP berechnet hätten, seien nun einmal mehr Gegenstand der Diskussion von EZB-Offiziellen gewesen. So habe sich Fabio Panetta, seines Zeichens Mitglied des EZB-Direktoriums, positiv über die unter dem PEPP genutzte Flexibilität insbesondere mit Blick auf die Einhaltung der Kapitalschlüssel geäußert und sich dafür stark gemacht, dass nach einem Ende des PEPP (frühestens Ende März 2022) das PSPP mit einer solchen Flexibilität ausgestattet werden sollte, da sich die zwischenzeitliche Abweichung vom EZB-Kapitalschlüssel als sinnvolles Instrument erwiesen hätte.

Diese Überlegungen seien jedoch nicht ohne direkte Antwort geblieben. Aus dem EZB-Rat habe sich bspw. Bundesbankpräsident Jens Weidmann kritisch geäußert. Und auch Isabell Schnabel, wie Panetta Mitglied des EZB-Direktoriums, habe sich in der Vergangenheit dagegen ausgesprochen. Wenngleich die Analysten nach aktuellem Stand davon ausgehen würden, dass mit Beendigung des PEPP und damit der Einschätzung, dass die Corona-Krise vorüber sei, die Programme des APP in ihrer aktuellen Ausgestaltung fortgeführt würden, zeige die jüngste Diskussion, dass es zu diesem Thema durchaus entgegengesetzte Positionen im EZB-Kreis gebe und einen mögliche Debatten in den kommenden Monaten weiterhin begleiten dürften.

Der vierteljährliche Investorennewsletter der Rettungsschirme ESM und EFSF feiere die 40. Ausgabe und erscheine somit seit zehn Jahren ununterbrochen. Er habe auch Ende Q2 viele Informationen bereit gehalten: Ein Abschnitt des "Annual Report", auf den die Rettungsschirme besonders stolz seien, sei ihre Leistung als Investor im Bereich Umwelt, Soziales und Governance (ESG). Besonders hervorzuheben sei dort, dass die von den Vereinten Nationen unterstützten "Principles for Responsible Investment" unterzeichnet worden seien, die als führendes globales Netzwerk für Investoren anerkannt seien, die sich der Integration von ESG-Aspekten in ihre Anlagepraktiken widmen würden.

Das aktuelle ESG-Portfolio betrage mittlerweile EUR 4,5 Mrd. und habe sich seit dem Vorjahresbericht vervierfacht. Seit 2018 sogar verzehnfacht. Das Wachstum sei damit deutlich stärker als das Wachstum des ankaufbaren Marktsegmentes als solches, welches von EUR 171 Mrd. auf EUR 484 Mrd. angestiegen sei. Dies entspreche einem Faktor von 2,8 aufgrund der selbst auferlegten Regeln.

Planmäßig würden perspektivisch beide Player im dritten Quartal und für den weiteren Verlauf des Jahres am Primärmarkt mit Anleiheemissionen aktiv sein - in Summe in Q3 mit erheblich niedrigeren Werten als in Q2: Kumuliert nur noch EUR 4,0 Mrd. (davon EFSF mit EUR 2,0 Mrd. bzw. ESM mit EUR 2,0 Mrd.). Um EUR 500 Mio. sei das Fundingziel der EFSF niedriger als noch im letzten Quartalsnewsletter, da in Q2 mehr Funding habe eingeworben werden können. Das zweite Quartal sei planmäßig die Periode mit dem höchsten Funding in 2021 gewesen, wie aus nachstehender Tabelle hervorgehe. Im Gegensatz zu 2019 und früheren Jahren würden die Analysten aufgrund der Pandemie nicht mit vorzeitigen Rückzahlungen einzelner Eurostaaten rechnen, sodass der Fundingbedarf im Krisenmodus eher steigen als sinken dürfte.

In Q4 werde die EFSF dann planmäßig nicht mehr am Markt vertreten sein. Da der ESM das gesamte Jahr über jedes Quartal mit EUR 2 Mrd. an den Markt gekommen sei, würden die Analysten hier zudem genug Raum für weitere Transaktionen der Europäischen Union und ihr NGEU-Programm sehen. ESM/EFSF würden auch nur mit zwei Zeitfenstern im gesamten Quartal aufgrund der Sommerpause planen. Somit würden sie denken, es werde je Fenster ein Emittent an den Markt kommen. Zudem würden sie für den ESM noch die alljährliche USD-Transaktion erwarten.

Der wichtigste Primärmarktauftritt der vergangenen Tage dürfte jener der EU am gestrigen Dienstag gewesen sein. Im Rahmen des zweiten NGEU-Auftritts seien EUR 9 Mrd. für fünf Jahre (ISIN EU000A3KTGV8) sowie EUR 6 Mrd. für 30 Jahre (ISIN EU000A3KTGW6) eingesammelt worden. Die Orderbücher hätten einmal mehr deutlich über der Zuteilung gelegen. EUR 88 Mrd. seien es beim 5y-Bond gewesen; EUR 83 Mrd. bei der 30y-Transaktion. Das Pricing habe im Vergleich zur Guidance in beiden Fällen drei Basispunkte enger erfolgen können. Bereits vergangenen Mittwoch habe die Cassa Depositi e Prestiti (CDP) einen Social Bond (ISIN IT0005451197 / WKN A3KTCW) über EUR 500 Mio. mit einer Laufzeit von acht Jahren platziert. Der Bond sei zwölf Basispunkte über der Referenzanleihe (BTPS 3% 08/01/29) an den Markt gegangen.

Mit dem Land Brandenburg und der Rentenbank habe man zudem noch zwei Transaktionen aus Deutschland gesehen. Für jeweils zehn Jahre hätten EUR 1,0 Mrd. (RENTEN) (ISIN XS2359292955 / WKN A27DLN) bzw. EUR 500 Mio. (BRABUR) (ISIN DE000A289NQ8 / WKN A289NQ) den Besitzer gewechselt. Der Deal der Rentenbank sei zudem im grünen Format erfolgt. Einen großen Tap (EUR 1,25 Mrd.) habe man vom Land NRW (NRW 0% 04/02/24) gesehen, während die Council of Europe Development Bank ihre COE 0,375% 06/08/26 um EUR 100 Mio. aufgestockt habe. (Ausgabe vom 30.06.2021) (01.07.2021/alc/a/a)






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