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SSA-Markt: Primärmarkt nimmt Fahrt auf


05.09.18 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Der Primärmarkt hat sich endgültig aus der Sommerpause zurückgemeldet und zeigt sich in stabiler Verfassung, so die Analysten der Nord LB.

Über die Assetklassen hinweg seien zahlreiche Neuemissionen an den Markt gekommen. In der Coverage der Analysten seien die Emittenten indirekt sicherlich auch durch wieder anziehende Ankaufvolumina des Eurosystems unterstützt worden. In der letzten Woche seien auf Basis von Benchmarktransaktionen EUR 4,75 Mrd. an Kapital umgesetzt worden.

Der französische Staat habe die Entscheidung getroffen, ein staatliches Bank- und Versicherungsunternehmen aus La Poste zu gründen. La Poste werde mit dem Versicherer CNP Assurances verschmolzen. Auf diese Weise solle La Poste über ein diversifiziertes Geschäftsmodell verfügen und insbesondere die Abhängigkeit vom klassischen Versandgeschäft auflösen sowie die Versorgung mit Finanzdienstleistungen in ländlichen Gebieten sichern. Für den Merger werde als Vehikel die La Caisse des Dèpôts et Consignations (CDC) genutzt. So sei vorgesehen, dass CDC ihren Kapitalanteil an der CNP in Höhe von 41% auf La Poste übertrage. Hierdurch würde die CDC-Beteiligung an La Poste von 26% auf eine Mehrheit von 50 bis 60% steigen. La Poste übernehme im Gegenzug durch die Postbank den CDC-Anteil an CNP und werde aufgrund der Minderheitsanteile Mehrheitsaktionär von CNP.

Die letzten Details, vor allem wie mit den Minderheitsaktionären der CNP zu verfahren sei, stünden noch zur Klärung aus. Die Auswirkungen auf CDC würden sich in Grenzen halten. Durch den angedachten Assettausch samt Merger der Unternehmen würden sich die wirtschaftlichen Risiken aus den Beteiligungen der CDC nicht verschieben. Tendenziell könne die neue Beteiligung im Gegenteil positiv ausgelegt werden, da CDC höheren Einfluss auf das Einzelunternehmen habe, als es zuvor auf die beiden einzelnen Entities gehabt habe. Insofern erwarte man aus der veränderten Beteiligungsstruktur keine spürbaren Auswirkungen, was Spreads oder Kreditwürdigkeit angehe.

Die EAA (AAA/Aa1/AA-) blicke auf ein durchaus gelungenes erstes Halbjahr 2018 zurück. Der Portfolioabbau habe vorangeschritten und mit -12% im Vergleich zu Ende 2017 beziffert werden können. Der Bankbuchbestand betrage noch EUR 20,2 Mrd. Damit seien rund 87% des ehemaligen WestLB-Portfolios abgewickelt. Das Ergebnis sei mit EUR 1,6 Mio. nach Steuern weiterhin positiv. Insbesondere die gegenüber dem Vorjahr gesunkenen Verwaltungsaufwendungen um EUR 9 Mio. (-10%) hätten hierzu beigetragen. Gegenläufig sei der Effekt aus der Erhöhung der Risikovorsorge um EUR 44 Mio. gewesen. Weiterhin stehe ein Risikopuffer von knapp EUR 2 Mrd. zur Verfügung, der sich aus bereits vorhandener Risikovorsorge in Höhe von EUR 800 Mio., Eigenkapital von EUR 700 Mio. und einem Eigenkapitalziehungsrahmen von EUR 480 Mio. speise.
Nach Erachten der Analysten liege die EAA im Plan. Die Puffer seien derzeitig ausreichend, eine zusätzliche Ziehung von Eigenkapital erscheine unwahrscheinlich. Die Refinanzierungstätigkeit der EAA werde in der nächsten Zeit natürlicherweise abnehmen, was perspektivisch Auswirkungen auf die Liquidität der ausstehenden Bonds haben dürfte. Fundamental sollte sich keine Verschlechterung der Bewertung der Bonds einstellen. Ihre Bonds würden über einen Level 1-Status in der LCR und ein RW 0% verfügen.

Die schwedische Kommuninvest (-/Aaa/AAA) habe seine Kreditvergabe im ersten Halbjahr 2018 um 7% auf SEK 331,4 Mio. deutlich erhöht. Der Kommunalfinanzierer begründe diesen signifikanten Anstieg mit starkem Bevölkerungswachstum, Urbanisierung und demographischem Wandel. Der operative Ertrag sei zwar um SEK 132,4 Mio. allerdings durch nicht realisierte Bewertungseffekte gesunken. Bereinigt sei der operative Profit auf SEK 305,0 Mio. gestiegen. Das Eigenkapital habe sich in der Folge um SEK 298,1 Mio. auf SEK 7.908,9 Mio. erhöht. Da das Eigenkapital ausschließlich aus hartem Kernkapital bestehe, lägen alle Eigenkapitalquoten bei 161,3% (212,4% im Vorjahr). Aktuell liege die Leverage Ratio bei schwachen 1,7%. Kommuninvest gebe an, dass sie die erforderliche Kennzahl von 3% erreichen würden, wenn die Leverage Ratio bindend werde, womit die Analysten nicht vor Ende 2019 rechnen würden.

Zusätzlich scheine die Leverage Ratio insbesondere Kommunalfinazierer tendenziell zu benachteiligen, da in der LR bislang keine Berücksichtigung des geringen Risikoexposures erfolge. Aus diesem Grund würden Capital Tier 1 Ratio und LR deutlich auseinanderfallen. Die deutlich gestiegene Kreditvergabe würden die Analysten unkritisch sehen. Nach wie vor bestehe das Kreditportfolio zu 71% aus schwedischen Kommunen oder kommunalen Immobilienunternehmen, sodass von einer sehr hohen Bonität ausgegangen werden könne. Insgesamt würden die Analysten die Entwicklung der Kommuninvest neutral sehen. Kommunivest habe EUR 1,13 Mrd. Bonds in Euro-denominiert ausstehend. Die Bonds seien in der LCR als Level 1 klassifiziert und hätten auf CRR-Basis ein Risikogewicht von 0%.

Das Land Niedersachsen sei der letzte Emittent gewesen, der in der Coverage der Analysten gestern auf die Schirme gekommen sei: Der Debütbond über 15 Jahre mit einem Volumen von EUR 750 Mio. sei zu ms -4bp gepriced worden, was einem Tightening von 2bp ggü. der Guidance entsprochen habe. Das Orderbuch habe mit über EUR 1,1 Mrd. in einem sehr ordentlichen Rahmen gelegen. Bereits in der letzten Woche seien die regelmäßigen Gäste KfW und ESM am Markt aktiv gewesen.

Insbesondere der ESM habe im Vergleich zur EFSF noch einiges an Funding einzuwerben. Nach der Transaktion (Dual Tranche 10Y & Tap ESM 1,85 01/55) sei der ESM für dieses Quartal durch, für Q4 stünden noch EUR 5,5 Mrd. zu funden an. Der neue Bond über EUR 3,25 Mrd. sei zu ms -11bp gepriced worden, die Guidance habe bei ms -9bp gelegen. Die Anleihe habe Orders über EUR 8 Mrd. angezogen. Man habe eine NIP von gut 2bp kalkuliert. Der Tap sei mit einem finalen Volumen von EUR 750 Mio., einem Orderbuch von EUR 1,7 Mrd. und einem finalen Pricing von ms +16bp ebenfalls gut verlaufen. Für heute erwarte man eine Aufstockung der NRW 1,65% 2/2038 in Höhe von mindestens EUR 250 Mio. Dies sei noch einmal eine fünf Jahre längere Laufzeit als bei der NIESA.

Eine weitere ruhige Handelswoche liegt hinter uns, es gab keine nennenswerten Umsätze, so die Analysten der Nord LB. Das Spreadniveau sei insgesamt einigermaßen stabil gewesen. Die längste bisherige Laufzeit aus Niedersachsen sollte 2028 fällig werden. Folglich sei die NIESA 2033 sehr interessant gewesen, vor allem zu ms -2bp. Bei ms -4bp sei sie marktgerecht gepriced. (05.09.2018/alc/a/a)