SSA-Markt: Prefunding führt zu ruhigem Primärmarkt


09.05.18 11:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die geringe Aktivität am Primärmarkt im SSA-Segment scheint allmählich nachhaltig zu werden, so Norman Rudschuck, CIIA, und Thomas Scholz von der Nord LB.

So passt es auch, dass der April mit EUR 43,97 Mrd. auf Basis unserer Erhebungen nur sehr knapp nicht der schwächste Monat des Jahres war, das Emissionsvolumen betreffend (Februar: EUR 43,92 Mrd.), so die Analysten der Nord LB. Der Mai startete ebenfalls schwach, an den bisherigen Handelstagen wurde in unserer Coverage eine EUR-Benchmarktransaktion durchgeführt, so die Analysten der Nord LB. Die Analysten würden davon ausgehen, dass bei einigen Emittenten ein signifikantes Prefunding zu Beginn des Jahres stattgefunden habe und nun der Markt, auch aufgrund mehrerer Feiertage und möglicher politischer Entscheidungen hervorgerufener Unsicherheit, intensiv nach opportunistischen Emissionsfenstern analysiert werde. So gesehen werfe das mögliche Ende des EAPP seine Schatten voraus.

Die KfW (ISIN DE000A2LQHT2 / WKN A2LQHT) habe über ihr Green Bond-Programm in 2018 berichtet. Drei Emissionen seien unter dem Label "Green Bonds - Made by KfW" an den Markt gebracht worden: Die SEK 1 Mrd. KfW 0,46 01/23, die SEK 5 Mrd. KfW 1 3/8 02/28 sowie ein Schuldscheindarlehen in Höhe von EUR 2 Mio. Insgesamt würden sich die Cashflows aus diesen Transaktionen auf umgerechnet EUR 612 Mio. belaufen.

Die KfW führe aus, dass sich alle Finanzierungen auf das Programm "Renewable Energies-Standard" beziehen würden, die Auszahlungen würden EUR 439 Mio. betragen. 100% der Auszahlungen seien durch Green Bonds finanziert worden. Auf Basis dessen hätten die Emissionen 489,600 Tonnen CO2-Einsparungen nach sich gezogen. Die Auszahlungen hätten sich zu 98% auf Wind (87%) und Solarenergie (11%) bezogen, die restlichen 2% hätten sich auf in Biogas, Wasserkraft und andere erneuerbare Energien geteilt. Regional betrachtet seien 60% des Kapitals in Deutschland investiert worden, 29% in Frankreich, 6% in Irland sowie 2% in den Niederlanden. Der Rest sei in kleinere Projekte geflossen, u.a. in UK.

Der ESM (European Stability Mechanism) plane in den kommenden Monaten einen USD-Bond zu begeben. Laut Kalin Anev Janse (Member of the Board) halte man sich hierbei an die entsprechende Ankündigung, ein- bis zweimal im Jahr den USD-Bondmarkt zu bedienen. Er schätze, dass die Emission eher am kurzen Ende der Kurve (2-5Y) an den Markt kommen dürfte, und ergänze: "We legally can issue in other currencies but we have strategically decided to issue in euros and dollars." Der einzige bisher begebene USD-Bond sei der ESM 2,125 11/22, der aktuell bei rund ms +8 Bp handle. Insgesamt würden EFSF und ESM planen gemeinsam EUR 46 Mrd. in 2018 zu begeben.

Mexico's National Exterior Commerce Bank (Bancomext) habe kürzlich bekannt gegeben, dass sie eine Finanzierung über EUR 100 Mio. von der Europäischen Investitionsbank (EIB) erhalte, um mexikanische Exporteure zu stützen. Die Finanzierung sei einem Agreement vom 21. April gefolgt, in dem grundsätzliche Handels- und Investitionsabsprachen zwischen EU und Mexiko vereinbart worden seien.

Eine Modernisierung des Handelsvertrags zwischen EU und Mexiko aus dem Jahre 2000 sei seit Juni 2016 in Arbeit. Diese Initiative hänge auch mit dem Versuch Mexikos zusammen, seine Exportwirtschaft weniger abhängig von den USA zu gestalten, da US-Präsident Trump die Bedingungen des nordamerikanischen Handelsabkommen NAFTA, das die Länder Mexiko, die USA und Kanada umfasse, zumindest infrage stelle und möglicherweise auf eine für Mexiko nachteilige Neuverhandlung setze.

Das Rating der Kreditfazilität EFSF (AA/Aa1/AA) sei von Moody's bestätigt worden, allerdings sei der Outlook auf "positiv" angehoben worden. Zentrale Begründung sei die Anhebung des Ausblicks des Ratings des französischen Staats von "neutral" auf "positiv". Die gleiche Begründung habe für die Anhebung des Ausblicks des ESM (AAA/Aa1/-) gegolten. Zudem habe Fitch das Rating der italienischen Agency Cassa Depositi e Prestiti (CDEP; BBB/Baa2/BBB) bestätigt. Fitch sehe eine starke Verbindung zum italienischen Staat und stufe die Bonds der CDEP insofern äquivalent zu italienischen Staatsanleihen ein. Der Outlook verbleibe bei stabil. Ebenso habe Fitch das Rating der SNCF Reseau (RESFER, (AA/Aa2/AA) überprüft, der Ausblick bleibe stabil. Nach den Kriterien von Fitch gelte die Agency als sehr stark mit dem französischen Staat verbunden. Fitch gehe daher von hoher Unterstützungsbereitschaft aus. Das Standalone Rating von SNCF sehe die Ratingagentur bei B.

In der vergangenen Handelswoche sei der Primärmarkt wiederum zurückhaltend geblieben. Ein Highlight habe die KfW gesetzt. Die größte deutsche Agency habe einen Jumbo (EUR 1 Mrd.) mit einer Laufzeit von 15 Jahren begeben. Obwohl der Bond direkt am Morgen nach dem Maifeiertag auf die Bildschirme gekommen sei, sei das Pricing bei ms -18 Bp gefixt worden. Die Guidance habe bei ms -17 area gelegen. Die Orderbücher seien mit EUR 2,75 Mrd. deutlich überzeichnet gewesen. Die KfW habe mit diesem Bond eine Lücke in ihrer Benchmark EUR-Kurve im Bereich 14 bis 17 Jahren Laufzeit geschlossen.

Gestern sei zudem das Land Berlin aktiv geworden. Die Hauptstadt habe EUR 250 Mio. für zwei Jahre in einer Floating Rate Note emittiert. Das finale Pricing habe bei 3ME -21 Bp gelegen, was auch der Guidance entsprochen habe. Ebenfalls gestern habe die EIB einen ECoop-Tap in Höhe von EUR 250 Mio. zu ms -28 Bp in ihrem 0,875% 9/2024er Bond durchgeführt. Für kommende Woche habe sich der ESM mit einem "Request for proposal" angekündigt. Die Analysten der Nord LB erwarten eine Aufnahme von mindestens EUR 1 Mrd.

Die aktuellen Feiertage in Europa hätten den Sekundärmarkt für Supras & Agencies deutlich illiquider gemacht und der Primärmarkt sei gänzlich ruhig. Trotz des fehlenden Supplies sehen die Analysten der Nord LB aktuell aber immer weniger Interesse von Investoren. So dürfte der SSA-Markt tendenziell eher wider gehen. Im Segment Bundesländer würden sich die Emittenten weitgehend zurückhalten. Im Sekundärmarkt seien Nachfrage und damit auch die Umsätze zurückgegangen. Lediglich im mittleren Laufzeitbereich habe es kleinere Umsätze gekommen. Aufgrund der Zurückhaltung im Primärmarkt sei das Spreadniveau unverändert. (09.05.2018/alc/a/a)





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