SSA-Markt: Die Performance geht weiter


07.05.20 10:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In diesen turbulenten Zeiten wollen wir uns etwas ausführlicher dem Hort der Stabilität im hohen Norden widmen: Der Investitionsbank Schleswig-Holstein, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Die IB.SH habe die Entwicklung im Norden im Jahr 2019 mit EUR 2,3 Mrd. (gegenüber Vorjahr: EUR +0,1 Mrd.) Fördermitteln stark unterstützt. Die Bilanzsumme der IB.SH betrage EUR 20,6 Mrd. (2018: EUR 20,0 Mrd.). Der Zinsüberschuss sei auf EUR 132 Mio. gestiegen (+9 Mio.). Die Aufwendungen seien infolge von Zuführungen zu Pensionsrückstellungen sowie steigender Kosten für die Umsetzung aufsichtsrechtlicher Vorgaben und für die Weiterentwicklung der Digitalisierung gestiegen. In Summe seien die Aufwendungen auf EUR 72 Mio. gestiegen (+3 Mio.). Das Ergebnis vor Risiko und Bewertung sei damit auf EUR 77 Mio. gestiegen (+8 Mio.).

Es werde laut Pressemitteilung mit Ausnahme des Jahresüberschusses von EUR 3 Mio. nahezu vollständig für Maßnahmen zur Stärkung der aufsichtsrechtlich geforderten Eigenmittel und der Risikotragfähigkeit eingesetzt. Die Gesamtkapitalquote betrage solide 20,0% (2018: 19,5%). Die relevanten Geschäftsbereiche waren bzw. sind Wohnungsbauförderung (sozial und bezahlbar), Wirtschafts- und Kommunalförderung, Städtebau und Wohnquartierentwicklung sowie Arbeitsmarkt- und Strukturförderung, so die Analysten der NORD/LB.

"Unternehmen der Wohnungswirtschaft und der gewerblichen Wirtschaft sowie die Kommunen nutzen unsere langfristigen Darlehen, um unter anderem in Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu investieren. So werden durch die 2019 geförderten energetischen Maßnahmen im Rahmen der Sozialen Wohnraumförderung jährlich rund 2.600 Tonnen CO2 eingespart. Dafür müssten 208.000 Bäume gepflanzt werden. Das entspricht einer Neuwaldbildung von rund 200 Hektar. Breitband-Förderdarlehen der IB.SH tragen außerdem dazu bei, dass das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung in Schleswig-Holstein bis 2025 erreichbar erscheint", habe der IB.SH-Vorstandsvorsitzende Erk Westermann-Lammers bei der Vorstellung der Bilanz 2019 gesagt.

Einen (mittlerweile überholten) Ausblick hätten die Kieler auch geliefert: Für 2020 sei allgemein ein abgeschwächtes Wirtschaftswachstum auf weiterhin hohem Niveau erwartet worden. Die Auswirkungen des Austritts Großbritanniens aus der EU und der möglichen Corona-Pandemie seien im März noch nicht genau abschätzbar gewesen. Als Förderinstitut stehe die IB.SH für Unternehmen bereit, die wegen der Ausbreitung des Corona-Virus Unterstützung brauchen würden. Bei weiterhin niedrigen Zinsen werde die ausgeprägte Nachfrage nach Förderfinanzierungen mit langen Laufzeiten und langen Zinsbindungen anhalten.

Die Bedeutung der Nachhaltigkeit werde im Finanzsektor weiter steigen. Dabei werde "sustainable finance" eines der Schlagworte sein. Die Nachprüfbarkeit der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit werde in Zukunft einen wichtigen Stellenwert bei Beratungen und Finanzierungen haben.

Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, bleibe eine große gesellschaftliche Aufgabe. Benötigt würden weiterhin vor allem zusätzliche Baulandflächen, die vielfach fehlen würden. Schleswig-Holstein habe bundesweit das höchste Durchschnittsalter von KMU-Inhabern. Zur Lösung dieser vorherrschenden Nachfolge-Problematik würden die Aktivitäten im Netzwerk aller Beteiligten weiter intensiviert. Digitalisierung und Nachhaltigkeit (Green Deal der EU) würden auch eine bedeutende Rolle in der kommenden EU-Strukturfonds-Periode 2021 bis 2027 haben.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) habe vergangenen Donnerstag einige neue Beschlüsse gefasst, die im Kampf gegen die schwerste Wirtschaftskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg helfen sollten. Diese würden wahrscheinlich aber nicht ausreichen, sodass die EZB aus Sicht der Analysten der NORD/LB in Kürze noch einmal werde nachlegen müssen.

Bei den meisten Instrumenten seien keine Änderungen vorgenommen worden. So seien die Leitzinsen unverändert geblieben - vorrangig zu nennen seien hier der Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00% und der Satz der Einlagefazilität bei -0,50%. Auch die Rahmendaten für die Anleiheankäufe seien zumindest auf der regulären Aprilsitzung - wie von den Analysten der NORD/LB erwartet - nicht angepasst worden. Das Ankaufvolumen für das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) bleibe zunächst bei EUR 750 Mrd. und auch die bisherige Ankaufgeschwindigkeit des EAPP sei beibehalten worden. Unterstützung für den Bankensektor solle die erneute Verbesserung der TLTRO III-Konditionen liefern. Die zweite wesentliche Neuerung durch die Beschlüsse der EZB sei die Auflage neuer nicht-zielgerichteter längerfristiger Refinanzierungsoperationen (pandemic emergency longer-term refinancing operations, PELTROs).

Die wichtigste Botschaft der EZB im Rahmen der gefällten Beschlüsse sei für das SSA-Segment, dass sowohl Dauer als auch Umfang des PEPP bei Bedarf ausgeweitet werden könnten. Dies sei sicher nicht nur ein "Easing Bias", sondern dürfte bereits bei der nächsten Sitzung entsprechende Beschlüsse nach sich ziehen. Die Analysten der NORD/LB würden erwarten, dass das PEPP um mindestens weitere EUR 500 Mrd. und auch zeitlich nennenswert über den Jahreswechsel 2020/21 hinaus ausgedehnt werde. Ohnehin sei das PEPP bis Ende der Krise terminiert und nicht auf 2020 beschränkt. Auch auf der Zinsseite sei das letzte Wort noch nicht gesprochen, allerdings sei der Nutzen weiterer Zinssenkungen weitaus geringer als ein wirklich überzeugendes PEPP.

Das Bundesverfassungsgericht habe am 5. Mai den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB als teilweise verfassungswidrig eingestuft. Bundesregierung und Bundestag hätten darauf hinwirken müssen, dass die EZB ihre Beschlüsse auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüfe, heiße es in der Begründung. Nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Merkel weise das Urteil auf Grenzen der EZB hin. Die Entscheidung sei auch institutionell von Bedeutung, denn das Gericht stelle sich bis zu einem gewissen Grad gegen den Europäischen Gerichtshof. Der EuGH habe die Anleihekäufe zuletzt noch als rechtens eingestuft - drastischer ausgedrückt: Er habe einen Freifahrtschein erteilt. Bundesbankchef Weidmann, der zudem Mitglied im EZB-Rat sei, habe betont, die Währungshüter hätten nun eine Frist von drei Monaten, ihre Abwägungen der Verhältnismäßigkeit des Programms darzulegen.

Besagter Rat habe noch vorgestern Abend in einer Sondersitzung getagt und die Folgen des Urteils beraten. Die Pressemitteilung im Nachgang habe zu den kürzesten und schwammigsten Veröffentlichungen jemals gehört. Das frischaufgelegte PEPP sei nicht Gegenstand der Klage gewesen, könnte nun aber auch in das Visier von Eilanträgen geraten. Oder die EZB weiche aus dem PSPP noch stärker auf das PEPP aus, bis sich die Details hinter verschlossenen Türen geklärt hätten. Eine verbotene Staatsfinanzierung sei in Karlsruhe hingegen nicht festgestellt worden.

Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg Anfang der Woche berichtet habe, werde es diese Woche seitens der EU-Kommission keinen Vorschlag für die Ausgestaltung des geplanten Recovery Funds geben. Die Marktteilnehmer möchten wissen, wie viel die EU für zusätzliche Stimuli bereitstellen werde, aber die für die Entwicklung zuständige Institution sage, dass darüber noch verhandle werde. Ursula von der Leyen habe ein Ergebnis bis Mitte Mai in Aussicht gestellt.

Die staatliche französische Eisenbahngesellschaft SNCF, eine der größten französischen Agencies und mitten im Umbruch, schätze, dass ihr durch die Corona-Krise bisher mindestens EUR 2 Mrd. Umsatz entgehen würden. Stellenabbau und staatliche Beihilfen könnten notwendig werden, wenn sich die Transportflaute noch länger hinzöge, habe SNCF-Chef Jean-Pierre Farandou am Samstag im Radio gesagt. Die öffentlichen Verkehrsbetriebe hätten natürlich auch in Frankreich ihr Angebot reduziert, nachdem Mitte März beschlossen worden sei, nicht unbedingt notwendige Fahrten einzuschränken. Zwar werde die Sperre ab dem 11. Mai schrittweise aufgehoben, aber es sei unklar, wann der Zugverkehr wieder normalisiert werde.

Die Schwierigkeiten der SNCF seien ein weiterer Schlag gegen die französischen Staatsfinanzen. In Frankreich dürfte das Bruttoinlandsprodukt zudem stärker sinken als in Deutschland. Die Krise könnte sich in Verkäufen von Vermögenswerten der SNCF niederschlagen, die zuvor gesagt habe, es sei noch zu früh, um zu wissen, wie sich Covid-19 auf ihre Gesamtfinanzen auswirken werde. SNCF, das ab dem 11. Mai mehr als 50% der normalen Kapazität wiederherstellen wolle, sei 2019 nach CADES der zweitgrößte französische SSA-Emittent gewesen mit Blick auf ausstehende Volumina (Risikogewicht 20%).

Auch in dieser Handelswoche würden wieder die deutschen Namen dominieren. Den Reigen habe Bayern mit einer siebenjährigen Sub-Benchmark (ms +8 Bp) eröffnet. Ebenfalls ein seltener Gast am Primärmarkt im Benchmarkformat sei die WIBank. Mit dem Deal dieser Handelswoche (sieben Jahre, ms +16 Bp) hätten die Hessen nun sechs Anleihen im Volumen von mindestens EUR 500 Mio. ausstehend. Auch das Saarland habe parat gestanden, um EUR 500 Mio. für sieben Jahre einzusammeln. Die Saarbrücker hätten dies zu ms +11 Bp gemacht. Die erste Guidance habe bei ms +14 Bp area gelegen und das Orderbuch habe mehr als EUR 2 Mrd. betragen.

Einen Tap habe das Land Niedersachsen zu verzeichnen gehabt (2022er Laufzeit, ms +2 Bp). Die EIB nutze ebenfalls eine Aufstockung einer 2036er ECOOP-Anleihe (ms +6 Bp). ICO und Hessen hätten am Dienstagnachmittag mandatiert, sodass die Analysten der NORD/LB mit zeitnaher Preisung am Mittwoch rechnen würden. Die Spanier würden drei oder fünf Jahre anstreben und aufgrund der Pandemie einen Social Bond planen. Dazu würden sie diverse Investorencalls anbieten, welche zeitgleich zur Mandatierung gestartet seien. Hessen suche Investoren im zehnjährigen Segment.

Die Performance im SSA-Markt gehe weiter - nach wie vor getrieben durch die Ankäufe im Rahmen des PSPP und PEPP. Bestes Beispiel dafür sei die EIB 06/27 von letzter Woche, die bei ms +6 Bp emittiert worden sei (6 Bp NIP) und am 5. Mai bei ms -7 Bp gehandelt habe. Auch EFSF und KfW seien weiterhin sehr gefragt, andere Namen wie ESM und RENTEN seien nur leicht tighter. In der vergangenen Woche habe es zudem reichlich Neuemissionen der Länder gegeben, die vom Markt durchweg sehr gut aufgenommen worden seien. Wie berichtet, seien Thüringen, NRW und Saarland jeweils mit Landesschatzanweisungen gekommen. Zusätzlich habe es eine neue Anleihe der hessischen WI Bank gegeben. Bemerkenswert sei, dass außer NRW die anderen Emittenten eher selten am Markt seien. Alle Anleihen würden im Sekundärmarkt mindestens auf Reoffer-Level notieren. In diesem Zusammenhang und aufgrund der deutlich verbesserten Refinanzierungsmöglichkeiten bei der EZB hätten sich auch die Spreads sekundär deutlich eingeengt. (Ausgabe 18 vom 06.05.2020) (07.05.2020/alc/a/a)





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