SSA-Markt: Niederösterreich begibt erste EUR-Benchmark - Erneute Bochumer Stadtanleihe geplant


11.11.20 12:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Das Geschäftsjahr 2020 der KfW wird wenig überraschend maßgeblich von den Programmen der KfW-Coronahilfe geprägt, die im Auftrag der Bundesregierung und in enger Zusammenarbeit mit der deutschen Kreditwirtschaft umgesetzt wird, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Bis zum Ende Q3 seien laut Pressemitteilung etwa 90.000 Kreditanträge eingegangen. Ein Fördervolumen mit EUR 45,4 Mrd. sei zugesagt worden. Rund 97% der Anträge seien von KMU gekommen, 99% davon seien Kredite mit einem Volumen bis EUR 3 Mio. gewesen. Damit profitiere vor allem der deutsche Mittelstand von der KfW-Coronahilfe. 99% davon seien bereits abschließend bearbeitet worden.

"Die KfW hat ihre Förderleistung verdoppelt und wird damit in diesem Ausnahmejahr ein Rekordvolumen erreichen. Die aktuellen Förderzahlen spiegeln den enormen Kraftakt wider, den wir gemeinsam mit der Politik und der deutschen Kreditwirtschaft bisher geleistet haben, um die Wirtschaft im Kampf gegen die Folgen der Pandemie zu unterstützen. Dies gibt Anlass zur Zuversicht, allerdings nur dann, wenn unsere gesamte Gesellschaft sich an die von Bund und den Ländern beschlossenen Maßnahmen halte, um die Pandemie wirk-sam einzudämmen", habe Dr. Günther Bräunig, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, gesagt.

Zur Refinanzierung ihres Fördergeschäftes habe die KfW per 30.09.2020 langfristige Mittel im Gegenwert von EUR 57,25 Mrd. in 14 verschiedenen Währungen an den internationalen Kapitalmärkten aufgenommen. Für die Refinanzierung des Sonderprogrammes des Bundes stehe der KfW über den bundeseigenen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) eine neue Refinanzierungsquelle zur Verfügung, welche bis zu einer Höhe von maximal EUR 100 Mrd. in Anspruch genommen werden könne. Über das gesamte 3. Quartal sei in unterschiedlichen Tranchen erstmals eine Refinanzierung über den WSF in Höhe von EUR 28,18 Mrd. erfolgt. Die unterstützenden Rahmenbedingungen würden es der KfW laut Pressemitteilung ermöglichen, auch im 4. Quartal attraktive Refinanzierungsergebnisse in ihrer Heimatwährung (EUR) zu erzielen. In Abhängigkeit der Marktentwicklung werde dies durch Emissionen in Fremdwährungen ergänzt.

Die Ertragslage des KfW-Konzerns habe sich insgesamt deutlich verbessert, aber die Auswirkungen der Corona-Pandemie hätten unverändert großen Einfluss auf die Profitabilität. Zum 30.09.2020 bestünden weiterhin wesentliche Belastungen im Bewertungsergebnis, Teile der Belastungen aus dem ersten Halbjahr hätten jedoch aufgelöst werden können. Dies habe insbesondere die gebildeten Abschläge bei den Beteiligungsengagements betroffen. Die Risikovorsorge sei mit EUR -784 Mio. nahezu unverändert im Vergleich zum Vorquartal geblieben (30.06.2020: EUR -781 Mio.).

Demgegenüber stehe ein sehr gutes operatives Ergebnis, sodass der Konzern wieder in die Gewinnzone zurückkehre und einen Gewinn in Höhe von EUR 145 Mio. ausweise. Dieser liege pandemiebedingt jedoch deutlich unter dem Konzerngewinn des Vorjahres von EUR 1.245 Mio. Das Betriebsergebnis vor Bewertungen habe sich gegenüber dem Vorjahr mit EUR 1.426 Mio. um 10% verbessert, während das Bewertungsergebnis die Ertragslage mit rund EUR 1,3 Mrd. belastet habe. Von diesen EUR 1,3 Mrd. seien knapp EUR 1 Mrd. den Auswirkungen der Corona-Krise zuzurechnen. Die Bilanzsumme sei aufgrund der Auszahlungen im KfW-Sonderprogramm 2020 sowie einem Anstieg des Zentralbankguthabens in den ersten drei Quartalen auf EUR 554,7 Mrd. angestiegen (gegenüber EUR 506,0 Mrd. per 31.12.2019).

Vergangene Woche haben wir mit dem österreichischen Bundesland Niederösterreich einen neuen Benchmark-Emittenten am Markt gesehen, welchen wir kurz separat beleuchten wollen, so die Analysten der NORD/LB. Preisliche Einordnung: Der Bond (ISIN AT0000A2KVP9 / WKN A284V5) sei für 15 Jahre zu ms +11 Bp an den Markt gekommen. Die Guidance habe bei ms +16 Bp area gelegen. HAMBRG sei Ende Oktober zu ms +2 Bp gekommen und habe gestern bei ms +3 Bp gehandelt. NRW sei früher im Oktober zu ms +7 Bp in der identischen Laufzeit gekommen und habe gestern bei ms +2 Bp gehandelt.

Dementsprechend mit Pick-up versehen, habe das Orderbuch NIEDOE, so der Bloombergticker, bei über EUR 2,5 Mrd. gelegen. Es drehe sich dabei um das größte Bundesland Österreichs mit dem zweithöchsten Bevölkerungsanteil (1,7 Mio., 19%). Es umschließe die Bundeshauptstadt Wien (134,9 km Grenze), welche einen 21%igen Bevölkerungsanteil habe. Kartographisch wäre es ungefähr mit Brandenburg vergleichbar, welches Berlin umschließe. Damit würden hier 40% der österreichischen Population leben und arbeiten. 41% des österreichischen BIP würden in Niederösterreich (16%) und Wien (25%) erwirtschaftet. Auch bei den Unternehmensgründungen liege die Emittentin auf Rang zwei hinter der Hauptstadt. Laut Prognosen handle es sich um die Region mit dem höchsten erwarteten Bevölkerungszuwachs bis 2100. Dies möge neben der zentralen Lage und der modernen Bildungs-, Forschungs- und Verkehrsinfrastruktur (Donau) auch an der höchsten Kaufkraft liegen. Die Ratings würden Aa1 (stabil) und AAu (neg.) bei Moody's bzw. S&P lauten. Dies sei leicht schlechter als die Republik Österreich (Aa1 bzw. AA+, jeweils stabil).

Das institutionelle Rahmenwerk garantiere einen privilegierten und gesetzlich verankerten Zugang zur Österreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Wir sehen einen implementierten mittel- bis langfristigen Finanzausgleichsmechanismus gepaart mit einem innerstaatlich verankerten Stabilitätspakt sowie Ausgaben- und Schuldenbremsen, so die Analysten der NORD/LB. Aufgrund der derzeit grassierenden Pandemie steige der Nettofinanzierungssaldo in allen Bundesländern. Somit komme es laut Voranschlag 2020 (vor Covid-19 genehmigt) zu einem negativen Nettofinanzierungssaldo. Der ursprünglich geplante Finanzierungsbedarf werde sich durch Effekte wie geringere Einnahmen, antizyklische Investitionen und Gegensteuerungsmaßnahmen deutlich erhöhen.

Derzeit befinde sich ein Ausgleich für Mehrbelastungen seitens des Bundes zugunsten der Länder in Verhandlung und könnte mittelfristig entlastend wirken. In einer Post-Corona-Phase würden alle Bundesländer erneut ihre Stabilitätsbeiträge zum gesamtstaatlichen Gleichgewicht zu leisten haben. Das Land Niederösterreich bekenne sich im Budgetprogramm 2020 bis 2024 zur Konsolidierung. Spreadtechnisch biete die NIEDOE eine Alternative zu anderen österreichischen SSA-Emittenten, jedoch vor allem aufgrund der Laufzeit. Zusätzlich haben wir HYNOE (Covered Bonds) abgetragen, so die Analysten der NORD/LB.

Die Stadt Bochum habe 2016 zum ersten Mal eine eigene Stadtanleihe aufgelegt. Anleger hätten sich damals bei einer Laufzeit von zehn Jahren eine Verzinsung von 1% pro Jahr sichern können. "Ein solcher Zinssatz ist ein hervorragendes Ergebnis, das auch die Haushalte zukünftiger Jahre entlastet", habe Manfred Busch damals gesagt. Nicht auszudenken, wie euphorisch der Kämmerer heute wäre. Nun habe die Stadt erneut ein Konsortium für einen Deal mandatiert. Mindestens EUR 150 Mio. würden bei einer Laufzeit von zehn bis zwölf Jahren angestrebt. Die damalige Anleihe sollte ein Volumen von EUR 100 Mio. umfassen. Aufgrund der guten Nachfrage sei sie auf EUR 115 Mio. erweitert worden. Rund 10% des Anleihevolumens seien 2016 auf internationale Geldgeber entfallen.

Bochum sei auch Ende 2018 bei der länderübergreifenden ersten deutschen Städteanleihe dabei gewesen (EUR 50 Mio. der EUR 200 Mio. des Tickers DEUSTD). Auch bei den etablierten NRW-Gemeinschaftsanleihen (NRWGK) sei Bochum vertreten gewesen. "Der kommunale Bereich ist momentan für Investoren interessanter denn je. Die Bonität der Kommunen steht außer Frage. Anleger müssen sich also keine Gedanken machen, ob ihr Geld sicher ist. Und dann wissen die Investoren natürlich auch die vergleichsweise gute Verzinsung der Anleihe zu schätzen", sei zu lesen gewesen. "Wir hätten auch selbst Partner für Schuldscheindarlehen suchen können. Aber uns fehlen die notwendigen diversifizierten Kontakte zu potenziellen Geldgebern - und wir haben mit den ersten Kapitalanleihen gute Erfahrungen gemacht. Deshalb war es richtig und wichtig, auch jetzt wieder Banken als Vermittler einzuschalten", habe der jetzige Ruheständler betont. "Natürlich ist der Aufwand bei einer Anleihe deutlich höher als bei einem Kommunalkredit. Aber gerade Großstädte sind gut beraten, ihre Finanzierung auf mehrere Beine zu stellen."

Weiteren Anlass zur Hoffnung bezüglich der Spreads bzw. Renditen habe die Meldung beim Durchbruch eines Corona-Impfstoffes gegeben. Die Aktienmärkte hätten euphorisch reagiert, auch 10Y Bunds würden nun deutlich höher rentieren. Wir denken jedoch nicht, dass die EZB unmittelbar ihre Arbeit einstellen, ihren Instrumentenkasten beiseitelegen und im Dezember tatenlos sein wird, so die Analysten der NORD/LB. Eher werde die EZB die Zeit nutzen, das genaue Volumen zur PEPP-Aufstockung zu eruieren. Bereits letzte Woche habe die EFSF ein RfP an ihren Bankenkreis versendet. Da nur noch EUR 1 Mrd. zu refinanzieren gewesen sei in 2020, sei mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Tap auszugehen gewesen - so sei es dann auch gekommen.

EUR 1 Mrd. in der 2035er Fälligkeit seien geprintet worden. Der Deal habe sowohl 2 Bp gegenüber der Guidance eintighten als auch mit dem Orderbuch in Höhe von EUR 12,3 Mrd. überzeugen können. Eine Bid-to-Cover-Ratio von 12,3x wäre auch für die EU bereits ein voller Erfolg gewesen. Die EU habe sich für fünf (EUR 8 Mrd.) und 30 Jahre (EUR 6 Mrd.) entschieden. Die Preise hätten bei ms -9 Bp bzw. ms +21 Bp gelegen. Die Orderbücher hätten EUR 85 Mrd. bzw. EUR 55 Mrd. erreicht, sodass die Bonds gegenüber der Guidance zwei bzw. drei Basispunkte hätten reinziehen können. Das Baskenland habe zudem EUR 600 Mio. 9 Bp über der spanischen 10Y-Referenzanleihe eingesammelt. Gegenüber den IPT seien 5 Bp Tightening drin gewesen bei einem Orderbuch von EUR 1,9 Mrd.

Keine Benchmark habe das Land Niedersachsen gebracht, jedoch einen Tap in Höhe von EUR 100 Mio. in ihrer 2028er Laufzeit zu ms -5 Bp. HESSEN erwäge zeitnah einen Tap über mindestens EUR 250 Mio. ihrer 2030er Laufzeit. (Ausgabe 43 vom 11.11.2020) (11.11.2020/alc/a/a)





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