SSA-Markt: FMO mandatiert für eine Tier 2-Anleihe - KfW senkt Fundingziel auf 65 Mrd. EUR


09.07.20 10:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - "Durch das Sondervermögen "Hessens gute Zukunft sichern" helfen wir nicht nur mit weiterem Geld für Gesundheitsschutz, den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie für unsere soziale und kulturelle Infrastruktur. Wir nutzen auch Chancen, die in der Krise liegen, modernisieren unser Land und investieren etwa in Digitalisierung und Klimaschutz. Das Sondervermögen wird bis 2023 finanzieren, was Hessen gestärkt und nachhaltig die Krise bestehen lässt. Insgesamt stehen dafür Kreditermächtigungen von bis zu EUR 12 Mrd. zur Verfügung. Wir denken damit über den Tellerrand des Jahres 2020 hinaus, denn das Virus wird sich nicht an Haushaltsjahre halten", sagte Hessens Finanzminister Michael Boddenberg, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Im Sondervermögen würden laut Boddenberg alle Corona-bedingten Maßnahmen des Landes bis Ende 2023 gebündelt und transparent ausgewiesen. Dazu gehörten bereits verausgabte Kosten beispielsweise für den Gesundheitsschutz, gesetzlich verpflichtende Zahlungen beispielsweise für Verdienstausfälle sowie konjunkturbelebende Maßnahmen für die hessische Wirtschaft. Den Weg eines Sondervermögens zur Bewältigung der finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise seien auch andere Bundesländer wie zum Beispiel Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern gegangen. Niedersachsens Kreditermächtigung solle im 2. Nachtrag bis zu EUR 7,8 Mrd. betragen, davon rund EUR 1,4 Mrd. im Rahmen der üblichen Konjunkturbereinigung nach den Regeln der Schuldenbremse. Für den darüber hinaus gehenden Betrag eröffne die Schuldenbremse angesichts der derzeitigen Notsituation Ausnahmemöglichkeiten vom grundsätzlichen Verbot der Neuverschuldung.

Während die Bundesländer nun mit einem Bruttosupply in Höhe von mehr als EUR 150 Mrd. den Markt versorgen würden, trete die KfW erheblich auf die Bremse. Sie habe im Rahmen der halbjährlichen Überprüfung des Refinanzierungsbedarfs ihr Emissionsziel für das laufende Jahr um EUR 10 Mrd. verringert. Dabei hätten zusätzliche Refinanzierungsquellen in diesem Jahr eine wesentliche Rolle gespielt, wie die Förderbank vergangene Woche mitgeteilt habe.

So habe die KfW erstmals im Rahmen von TLTRO-III EUR 13,4 Mrd. in Anspruch genommen. Weitere EUR 30 Mrd. sollten im laufenden Quartal dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) entstammen, welcher über den Bund refinanziert werde. Das neue Fundingziel betrage somit EUR 65 Mrd. und werde circa EUR 8 Mrd. an Green Bonds beinhalten. Insgesamt habe die KfW in den ersten sechs Monaten bereits 86 Emissionen an den internationalen Kapitalmärkten in 14 Währungen platziert und so rund EUR 36 Mrd. aufgenommen.

In einem Schritt, der nicht unerwartet gekommen sei, habe Fitch die Provinz Alberta einen Notch von AA auf AA- herabgestuft. Außerdem habe die Ratingagentur den Outlook von "stabil" auf "negativ" gesetzt. Die Herabstufung Albertas sei darauf zurückzuführen, dass Fitch davon ausgehe, dass die deutlich höhere Kreditaufnahme der Provinz während der von der Pandemie ausgelösten Wirtschaftskrise und in der darauffolgenden Erholung zu einer Schuldenlast im Verhältnis zum BIP führen werde, die mit einem AA-Rating nicht länger vereinbar sei. Da die Provinz weder formell das Ausmaß ihrer aktuellen fiskalischen Herausforderungen im Detail dargelegt habe noch konkrete Angaben über den Weg zu einer möglichen Erholung gemacht hätte, spiegele der negative Ausblick das Risiko wider, dass sich die identifizierten Stressfaktoren herauskristallisieren und zu einer weiteren Verschlechterung der Kreditqualität führen könnten.

Allerdings spiegele das Rating nach wie vor die weitreichenden, souveränen Befugnisse wider, die Alberta wie alle kanadischen Provinzen im Rahmen des kanadischen Föderalismus teile und die der Provinz einen enormen Spielraum für Flexibilität biete. Fitch glaube, dass diese Befugnisse genutzt würden, um den wahrscheinlichen Anstieg der langfristigen Verschuldung zu mildern. Der negative Ausblick basiere auf dem Potenzial, dass die identifizierten Risiken durch politische Maßnahmen, die von der Provinz bis zum Haushaltsjahr 2025, dem Zeitrahmen von Fitchs Szenario, voraussichtlich ergriffen würden, nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Fitch gehe davon aus, dass auch bei einer Rückkehr zum Wirtschaftswachstum erhebliche Revisionen des Finanzplans der Provinz erforderlich sein würden. Die Provinz müsse noch eine offizielle Aktualisierung ihrer Finanzen seit der Vorlage des Haushalts im Februar vorlegen. Die Analysten der NORD/LB würden darauf hinweisen, dass Premierminister Jason Kenney öffentlich erklärt habe, dass das Defizit -20,0 Mrd. Kanadische Dollar (CAD) erreichen könnte, was eine erhebliche Verschlechterung gegenüber der im Februar vorgelegten Haushaltsprognose von CAD -6,8 Mrd. bedeuten würde.

Die 1970 gegründete Nederlandse Financierings-Maatschappij voor Ontwikkelingslanden (FMO) sei die Entwicklungsförderbank der Niederlande. Die NEDFIN, so der Ticker, finanziere Unternehmen, Projekte und Finanzinstitute aus Entwicklungs- und Schwellenländern, wobei ein spezieller Fokus auf der Förderung von Finanzinstituten und dem Energiesektor liege. Seit 2011 würden zudem Agribusiness, Ernährungswirtschaft und Wasser einen strategischen Sektor der FMO bilden. Nun habe sie für eine Tier 2-Anleihe mandatiert, um ihre Kapitalbasis mit EUR 175 bis 250 Mio. zu stärken. Die Struktur laute auf 10.5NC5.5. Es werde ein AA+ (Fitch-Rating) für den Bond erwartet. Der Emittent selbst sei AAA geratet.

Es tummelt sich ein neuer Emittent am Markt (Ticker: INVFOE), welchen wir nicht als SSA in unserer Coverage sehen, so die Analysten der NORD/LB. Vor allem der Zweck des Unternehmens begründe dies (Interessenskonflikt): Gegenstand des Unternehmens sei der Erwerb, das Halten sowie das Verwalten - jeweils einschließlich der Aufnahmen von Finanzmitteln und dem Abschluss derivativer Sicherungsinstrumente - einer Beteiligung an der Norddeutschen Landesbank - Girozentrale (NORD/LB) - sowie an der Fürstenberg Holding GmbH einschließlich jeweils ihrer Rechtsnachfolger im Interesse des Landes Niedersachsen, ohne dass hierdurch erlaubnispflichtige Bankgeschäfte oder Finanzdienstleistungen erbracht würden.

Zudem sei die Gesellschaft laut Firmenzweck berechtigt, weitere Beteiligungen an Unternehmen im Interesse des Landes Niedersachsen zu erwerben, zu halten und zu verwalten, jeweils einschließlich der Aufnahmen von Finanzmitteln und dem Abschluss derivativer Sicherungsinstrumente. Gegenstand des Unternehmens sei darüber hinaus das Halten und Verwalten eigenen Vermögens. Der Emittent habe EUR 1,2 Mrd. in einer Dual Tranche aufgenommen.

In einer Handelswoche, in der eine 15-jährige Portugal Orders in Höhe von mehr als EUR 41 Mrd. in die Bücher ziehe, sei bei zehnfacher Überzeichnung mehr als nur geringfügig Platz für weitere Primärmarkttransaktionen gewesen. Größter Deal der Woche war wie von uns erwartet eine Transaktion aus Luxemburg, namentlich die EFSF, so die Analysten der NORD/LB. EUR 4 Mrd. hätten nach IPT bei -8 Bp zu ms -10 Bp für fünf Jahre geprintet werden können. Damit würden noch EUR 1 Mrd. für die EFSF und EUR 3 Mrd. für den ESM in diesem Quartal offen bleiben. Das nächste Fenster öffne sich in zwei Wochen.

Ansonsten seien mal wieder, oh Wunder, die deutschen Bundesländer höchst aktiv gewesen. Dies verwundere nach den neuesten Kreditermächtigungen umso weniger. Thüringen (ISIN DE000A3E4423 / WKN A3E442) sei für 15 Jahre zu ms +8 Bp mit EUR 500 Mio. am Start gewesen. Baden-Württemberg (ISIN DE000A14JZL1 / WKN A14JZL) habe zwölf Jahre gewählt und den Deal mit EUR 1 Mrd. in trockene Tücher gebracht. Die Freie und Hansestadt Hamburg habe ihre 2049er Anleihe zu ms +26 Bp mit EUR 250 Mio. (WNG) getapt. Interessant sei, dass alle drei Länder sowohl unterschiedliche Laufzeiten als auch unterschiedliche Größenordnungen bevorzugt hätten. So sei fast für jeden Geschmack etwas dabei gewesen, denn Rheinland-Pfalz (ISIN DE000RLP1197 / WKN RLP119) habe sich ebenfalls in den Reigen gesellt und EUR 750 Mio. in einem zweijährigen Floater begeben.

Erst die dritte Benchmark in diesem Jahr sei von der BNG gekommen. Sie habe ebenfalls das 15-jährige Segment (wie THRGN) gewählt und EUR 1 Mrd. zu ms +13 Bp eingesammelt. Hier spiegele sich das Risikogewicht der Niederländer in Höhe von 20% wider.

Eine Nachhaltigkeitsanleihe (ISIN FR0013523677 / WKN A28ZTS) habe es auch in dieser Woche gegeben, hierfür habe die AFL verantwortlich gezeichnet. EUR 500 Mio. seien für sieben Jahre 35 Basispunkte oberhalb der französischen Kurve eingesammelt worden. Zudem stünden drei Benchmark-Deals in der Pipeline: Konkret seien es NIESA (vier Jahre) und die ASFING (Dual Tranche über sieben und 15 Jahre). Etwas nebulöser sei hingegen der weltweite Investorencall der EU für den 15. Juli. Hier könnte es um bis zu EUR 100 Mrd. in den kommenden 18 Monaten gehen. Das Geschehen werden wir mit größter Aufmerksamkeit verfolgen, immerhin geht es um die Bekämpfung der Pandemie und das daraus resultierende SURE-Programm, so die Analysten der NORD/LB. (Ausgabe 27 vom 08.07.2020) (09.07.2020/alc/a/a)





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