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SSA-Markt: Europäische Investitionsbank bleibt weltweit größter Investor für klimabezogene Projekte


07.11.19 09:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Von Januar bis Ende Oktober 2019 wurden Fälligkeiten im Rahmen der Ankaufprogramme reinvestiert, so Dr. Norman Rudschuck, CIIA bei NORD/LB.

Nun kämen zu den Bruttoinvestitionen (Status quo der Bilanzsumme erhalten) netto EUR 20 Mrd. pro Monat frisches Geld hinzu, um die Inflationsrate in der Eurozone nahe, aber unter 2% zu bringen. Allein im Oktober 2019 wurden im Rahmen des PSPP EUR 29,0 Mrd. fällig bzw. reinvestiert, EUR 32,8 Mrd. waren es im gesamten EAPP, so die Analysten der NORD/LB. Bis Jahresende würden geschätzt EUR 32 Mrd. (80% des EAPP seien in der Vergangenheit in das PSPP gewandert) in staatliche Anleihen bzw. staatsnahe Titel gespült, EUR 22 Mrd. zudem reinvestiert. Der Sekundärmarkt müsse also die Nachfrage in Höhe von EUR 54 Mrd. absorbieren.

Die Monate Januar (EUR 24,8 Mrd.), April (EUR 30,4 Mrd.) und Juli (EUR 28,7 Mrd.) würden im kommenden Jahr erhebliche PSPP-Fälligkeiten bereithalten. Kaum habe das Programm wieder begonnen, seien auch die Spielregeln für die Weihnachtszeit kommuniziert worden: Vom 19. bis 31. Dezember (inklusive) werde es keine Ankäufe geben, der 1. Januar sei ohnehin ein Feiertag, sodass die Käufe am 2. Januar 2020 wiederaufgenommen würden. Bis Jahresende werden wir uns im Rahmen dieser Publikation erneut mit dem PSPP auseinander setzen, so die Analysten der NORD/LB.

Die Europäische Investitionsbank (EIB) sei und bleibe der weltweit größte Investor für klimabezogene Projekte. Künftig wolle sie die Rolle einer spezialisierten Klimabank noch ausbauen. Ziel werde es laut Werner Hoyer, Präsident der EIB, im nächsten Jahrzehnt mindestens EUR 1.000 Mrd. in kohlenstoffarme Projekte zu investieren. Dazu würden bis 2025 mindestens 50% der EIB-Finanzen der ökologischen Nachhaltigkeit und dem Kampf gegen den Klimawandel gewidmet. Und bis Ende 2020 würden alle Finanzierungsaktivitäten auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens ausgerichtet. Derzeit finanzierte fossile Energieprojekte würden einfach auslaufen.

In einem Gastbeitrag habe Hoyer ferner ausgeführt, das Städte für über 70% der CO2-Emissionen verantwortlich seien, aber nur wenige Metropolen in den Entwicklungsländern über eine Einschätzung ihrer Kreditwürdigkeit verfügen würden. Darunter würden die Investitionen in saubere Massenverkehrsmittel, energieeffizientes Bauen und andere Projekte zur Emissionsminderung leiden. Um den Städten zu helfen, Kapital für solche Projekte zu beschaffen, könnten die Regierungen und öffentlichen Banken laut Hoyer viel mehr tun - z.B. über Initiativen wie den Globalen Konvent der Bürgermeister für Klima und Energie, den die EIB unterstütze.

Der Markt für grüne Anleihen umfasse derzeit - je nach Datenquelle - USD 136 Mrd. Verglichen mit allen weltweit ausstehenden Anleihen (USD 100 Billionen!) nenne Hoyer dies zurecht einen Tropfen auf den heißen Stein. Glücklicherweise gäbe es bereits eine wachsende Koalition privater Akteure, die sich über die Arbeit der Finanzierungsinitiative CFLI (Climate Finance Leadership Initiative) dem Kampf gegen den Klimawandel widme. Zudem müsse das Stromnetz modernisiert werden, was durch die Bereitstellung von Speicherkapazitäten möglich sei und über Preisnachlässe oder auch Steuererleichterungen zu erreichen sei, wie die Wind- und Solarenergie es gezeigt habe.

Während die Mühlen in Brüssel manchmal etwas langsamer mahlen würden, sei es in der Causa Condor sehr zügig gegangen: Der Ferienflieger dürfe (vorerst) weiterfliegen. Die EU-Kommission habe den staatlichen Überbrückungskredit für die deutsche Flugsparte des insolventen Thomas Cook-Konzerns kürzlich bewilligt. Die vorgesehenen EUR 380 Mio. der KfW würden den Wettbewerb in der EU nicht übermäßig verzerren, habe die Brüsseler Behörde mitgeteilt. Das Unternehmen müsse die Beihilfe innerhalb von sechs Monaten zurückzahlen oder ein schlüssiges Konzept zur Fortführung des Betriebs vorlegen. Letzteres sei Air Berlin nicht gelungen, jedoch die vollständige Rückzahlung in Höhe von EUR 150 Mio. an die KfW. Die bisher profitable Condor sei mit der Pleite der britischen Mutter (Thomas Cook) ebenfalls in Schwierigkeiten geraten.

Vielfach sei bereits über die Neuordnung des Länderfinanzausgleichs sowie die Schuldenbremse berichtet worden, so auch von den Analysten der NORD/LB. Für die Kommunen gebe es noch ein wichtigeres Thema: Die Grundsteuer habe nach einem Gerichtsurteil bis zum Jahresende neu geregelt werden müssen, weil die zur Berechnung herangezogenen Einheitswerte veraltet seien. Sie sei mit mehr als EUR 14 Mrd. pro Jahr eine der größten Einnahmequellen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) habe daraufhin ein Gesetz vorgelegt, das für viel Diskussion gesorgt habe. Sein so genanntes wertabhängiges Modell sehe vor, dass der Wert des Bodens und die durchschnittliche Miete bei der Berechnung der Steuer in Zukunft eine Rolle spielen würden. Eine Grundgesetzänderung sei wegen der so genannten Länder-Öffnungsklausel nötig gewesen, für die sich insbesondere Bayern eingesetzt habe. Das letzte Wort über die Höhe der Grundsteuer hätten jetzt die Kommunen, die individuelle Hebesätze festlegen würden. Die Kommunen hätten sich zu einer aufkommensneutralen Reform bekannt. Der Bundesrat solle nach Angaben einer Sprecherin am 8. November über die Grundsteuer-Reform entscheiden.

Die EU werde als Emittent in den kommenden Tagen am Markt erwartet. In Aussicht gestellt seien EUR 150 Mio. Bereits weiter und größer sei die Investitionsbank des Landes Brandenburg, ILB, mit ihrem Deal: Angekündigt gewesen seien EUR 250 Mio. (WNG) mit einer zehnjährigen Laufzeit. Die Bücher hätten sich schnell bis auf über EUR 330 Mio. gefüllt, sodass die Sub-Benchmark bei ms +4 Bp habe gepreist werden können. Vergleichbare Förderbanken lägen wenige Basispunkte niedriger, sodass eine gewisse Illiquiditätsprämie impliziert werden könne. Die ILB sei eine der wenigen Emittenten, die nicht auf der Ankaufliste des Eurosystems stehe und 2018 erstmalig mit EUR 100 Mio. den Kapitalmarkt angezapft habe. Auch die KfW sei sehr schnell mit ihrem Tap gewesen: EUR 1 Mrd. sei für eine grüne 2027er Laufzeit zu ms -14 Bp eingeworben worden. EUR 350 Mio. seien es hingegen für die MuniFin in einer 2026er Laufzeit zu ms -4 Bp gewesen. Nennenswert sei zudem noch der Tap der World Bank für ihren Ocean Awareness Bond, wenngleich dieser in Norwegischen Kronen denominiert sei.

Die ersten neuen Ankäufe im Rahmen des reaktivierten PSPP hätten für ein moderates Tightening bei den Agencies gesorgt. Grundsätzlich seien die letzten Neuemissionen noch liquide und in Size vorhanden. Die Analysten der NORD/LB würden davon ausgehen, dass die Spreads noch weiter leicht reinlaufen könnten, dieses Potenzial aber begrenzt sei. (Ausgabe 44 vom 06.11.2019) (07.11.2019/alc/a/a)