Erweiterte Funktionen

SSA-Markt: EFSF reduziert Fundingziel, stellt aber Prefunding in Aussicht


10.01.18 13:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Hinter den Kapitalmärkten liegt - zumindest aus Sicht der SSAs - ein sehr aktives Jahr, so die Analysten der Nord LB.

In 2017 hätten die von den Analysten analysierten Emittenten immerhin EUR-Benchmarkanleihen in Höhe von EUR 187 Mrd. begeben, was einer deutlichen Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert entspreche. Für dieses Jahr hätten einige Emittenten bereits ihre Fundingziele vorgelegt, die in der Summe dafür sprechen würden, dass auch in 2018 von einer regen Betriebsamkeit am Primärmarkt auszugehen sei. Gleichwohl dürfte vor allem im Bereich der Supranationals eine moderate Gegenbewegung stattfinden. Nachdem die EFSF im vergangenen Jahr fast EUR 50 Mrd. eingeworben habe, wolle sie in diesem Jahr nur noch EUR 28 Mrd. an frischen Mitteln am Kapitalmarkt aufnehmen, was sich natürlich dämpfend auf die Primärmakttätigkeit der supranationalen Emittenten insgesamt auswirken werde. Der Wert von EUR 28 Mrd. liege aber dennoch EUR 6 Mrd. über den ursprünglichen Planungen.

Die EFSF habe sich aber entschieden, in diesem Jahr ein erhebliches Prefunding für eigentlich erst in 2019 erforderliche Mittel vorzunehmen. Sicherlich dürfte hier die Befürchtung steigender Refinanzierungskosten in einem Umfeld allmählicher geldpolitischer Normalisierung die entscheidende Rolle spielen. Der ESM plane für 2018 mit Primärmarkttransaktionen im Umfang von EUR 23 Mrd. - was in etwa einer Verdopplung des Vorjahreswertes entspreche. Zudem würden die Analysten beim ESM im Jahresverlauf die zweite Greenback-Anleihe und den langsamen, aber nachhaltigen Aufbau einer USD-Kurve erwarten. Den Emissionsauftakt der beiden Emittenten mache in dieser Woche die EFSF mit einer siebenjährigen EUR-Anleihe. Die Guidance habe bei Redaktionsschluss im Bereich von ms -14b gelegen.

Die EIB habe Ende des Jahres bereits darauf verwiesen, dass sich ihr Fundingbedarf in der Größenordnung des Vorjahres bewegen werde. 2017 habe die EIB knapp EUR 60 Mrd. an Primärmarktemissionen auf den Weg gebracht. Für dieses Jahr habe sie die Genehmigung für Emissionen bis zu EUR 65 Mrd. erhalten. Die Analysten würden davon ausgehen, dass die Marke von EUR 60 Mrd. auch in diesem Jahr die Zielgröße des Funding-Teams darstellen dürfte. Dabei werbe die EIB erfahrungsgemäß etwa zwei Drittel über Benchmarkanleihen und circa ein Drittel über Non-Benchmarks ein. Im vergangenen Jahr habe sie sich mit knapp 90% der begebenen Anleihenvolumina auf die Kernwährungen EUR, USD und GBP konzentriert. Auch an dieser Vorgehensweise sollte sich in 2018 nur wenig ändern.

Mit der KfW habe auch die größte deutsche Agency ein erneut hohes Fundingziel in Aussicht gestellt. Nachdem sie im vergangenen Jahr mit knapp EUR 78 Mrd. den höchsten Emissionsbetrag der letzten Jahre erreicht habe, plane die Förderbank für das laufende Jahr mit frischem Kapital in einer Größenordnung von EUR 70 bis 75 Mrd. Dabei komme 2018 mit einer Neuerung daher: Die KfW habe entschieden, das maximale Nominalvolumen einer EUR-Benchmarkanleihe auf EUR 6 Mrd. anzuheben und damit die Liquidität der entsprechenden Emissionen noch auszuweiten. In dieser Woche habe auch die KfW ihre erste EUR-Benchmarkemission des Jahres auf den Weg gebracht. Die zehnjährige Anleihe sei zu ms -18bp gepreist worden. Die Förderbank habe dabei EUR 5 Mrd. eingeworben, insgesamt hätten Orders über mehr als EUR 11 Mrd. vorgelegen.

Auch der Bund habe Ende des Jahres seine Emissionsplanung für 2018 bekannt gegeben. Demnach plane der Bund zur Finanzierung des Bundeshaushalts Emissionen in Höhe von EUR 183 Mrd. - verteilt auf Kapitalmarktpapiere in Höhe von EUR 147 Mrd. sowie Geldmarktinstrumente über EUR 36 Mrd. Damit weite der Bund seine Emissionen im Vergleich zum Vorjahr leicht aus. Der überwiegende Anteil dürfte für die Tilgung fälliger Anleihen verwendet werden. Die Höhe der Fälligkeiten gebe die Finanzagentur mit EUR 171,6 Mrd. an. Diese Planzahlen seien Ausdruck einer defensiven Vorgehensweise. Angesichts der komfortablen konjunkturellen Lage in Deutschland könnte die Finanzagentur - wie im Vorjahr bereits geschehen - den Emissionsbedarf unterjährig nach unten korrigieren und geplante Emissionen absagen.

Die angesprochene gute konjunkturelle Lage komme auch in der Entwicklung der öffentlichen Schulden in Deutschland zum Ausdruck. Zum Ende des dritten Quartals sei die öffentliche Hand mit EUR 1.978 Mrd. verschuldet gewesen. Dies entspreche immerhin einem Rückgang um knapp 3% gegenüber dem Vorjahreswert. Dabei habe sich die Verschuldung sämtlicher staatlichen Ebenen (Bund (-2,4%); Länder (-3,8%); Kommunen (-3,2%); Sozialversicherung (-9,8%)) verringert.

Die niederländische BNG habe gleich die ersten Handelstage für die Emission ihrer ersten EUR-Benchmarkanleihe des Jahres genutzt. Dabei habe sie EUR 500 Mio. zu ms -13bp eingeworben. Die zehnjährige Anleihe sei mit 47% zu großen Teilen in die Bücher von Banken gegangen, gefolgt von Assetmanagern (26%) und Zentralbanken (20%). Ein Blick auf die geographische Verteilung zeige, dass die Anleihe global für Investoren von Interesse gewesen sei. Knapp ein Drittel sei an Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegangen. Nach Skandinavien seien 19%, in die USA 18% und nach Asien 13% gegangen. Etwa 8% seien an Investoren aus den Benelux-Staaten gegangen.

Neben ihrer ersten öffentlichen EUR-Benchmarkanleihe habe die KfW zu Beginn des Jahres bereits EUR 1 Mrd. im PP-Stil begeben. Auch die NRW.Bank habe auf diesem Weg über zwei Transaktionen insgesamt bereits mehr als EUR 1 Mrd. eingeworben. Zudem stehe die EFSF - wie bereits erwähnt - in den Startlöchern (7y).

Aus Sicht der Bundesländer sei der Primärmarkt am Mittwoch vergangener Woche durch das Land Niedersachsen eröffnet worden. Bei der achtjährigen Anleihe hätten - aufgrund der guten Nachfrage - insgesamt EUR 750 Mio. bei ms -20bp begeben werden können. Insgesamt hätten Orders über mehr als EUR 850 Mio. vorgelegen. Mehr als 80% der Anleihe seien an Banken gegangen, gefolgt von Assetmanagern mit 10% und Zentralbanken (6%). Gut die Hälfte (54%) der Anleihe sei dabei in Bücher deutscher Investoren gewandert. (10.01.2018/alc/a/a)