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SNB hält an Negativzins und Interventionen fest


01.08.17 12:00
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Aufgrund der guten Vorgaben aus Europa und klarer Wachstumssignale von den wichtigsten Frühindikatoren ist für das zweite Quartal von einer weiteren leichten Beschleunigung des Konjunkturaufschwungs auszugehen, berichten die Analysten der Nord LB.

Bis zum ersten Quartal sei die Konjunkturerholung auf Basis der provisorischen BIP-Quartalsschätzungen des SECO erstaunlich schwach verlaufen, insbesondere vor dem Hintergrund der hohen Werte bei den wichtigsten umfragebasierten Indikatoren. Der zwischenzeitliche Rückgang im Mai habe sich als eine vorübergehende Abschwächung herausgestellt. Im Berichtsmonat Juli habe das KOF Konjunkturbarometer mit 106,8 Punkten wieder weit oberhalb des langjährigen Mittelwerts gelegen. Auf ein besonders kräftiges Wachstum in der Industrie deute aktuell der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe hin. Im Juni sei der PMI auf 60,1 Punkte gesprungen und habe damit den höchsten Stand seit Anfang 2011 erreicht.

Mit seiner Rede in Sintra habe EZB-Präsident Mario Draghi rhetorisch die Tür für eine allmähliche Rückführung der sehr expansiven Geldpolitik geöffnet. Die Reaktion an den Zins- und Devisenmärkten sei eindeutig gewesen: Steigende Bundrenditen und ein festerer Euro würden belegen, dass einige Marktteilnehmer offenbar bis zuletzt noch nicht wirklich an einen Ausstieg der EZB hätten glauben wollen. Trotz des leichten Zurückruderns Draghis auf der letzten EZB-Pressekonferenz seien sowohl die Euro-Stärke als auch die Ausweitung des Zinsspreads zur Schweiz tendenziell erhalten geblieben. Dies helfe auch der Schweizer Nationalbank (SNB): Ende Juli sei der EUR/CHF-Kurs über 1,1350 CHF gesprungen und habe damit den höchsten Stand seit dem Ende der Mindestkurspolitik Anfang 2015 markiert. Im aktuell laufenden Risk-on-Modus habe der CHF auch gegenüber anderen Währungen teils deutlich an Wert verloren.

Überschießende Reaktionen seien an den Devisenmärkten keine Seltenheit. Einen echten Anlass für die Bewegungen in der letzten Juliwoche im Sinne neuer Informationen seien auch diesmal nicht ersichtlich gewesen. Zwar habe sich SNB-Präsident Thomas Jordan in einer Rede nochmal eindeutig zum Negativzins sowie zu den fallweisen Devisenmarktinterventionen bekannt. Schließlich könnte der Schweizer Franken als klassische Safe-Haven-Währung bei Abnahme der Risikoneigung wieder aufwerten. Temporäre politische Unsicherheit drohe zumindest im Vorfeld der Wahlen in Italien wieder aufzuflackern. Insofern würden die jüngsten Marktentwicklungen zwar eine Verschnaufpause für die SNB bedeuten, sie tue aber gut daran, an ihrem Policy-Mix festzuhalten. (Ausgabe August 2017) (01.08.2017/alc/a/a)