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Russlands Zentralbank dürfte ihre lockere Geldpolitik beibehalten


15.10.20 11:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nach unseren Berechnungen erscheint der Russische Rubel, gemessen an Fundamentaldaten, aktuell günstig, so die Analysten von Postbank Research.

Bisher hätten jedoch vor allem geopolitische Risiken ein Hindernis für seine Stärke dargestellt. Allerdings habe sich das Sanktionsrisiko zuletzt verringert, denn das schlimmste Negativszenario - ein US-amerikanisches Verbot des Handels mit russischen Lokalwährungsanleihen - habe kaum Aussichten, bis zum Amtsantritt des nächsten US-Präsidenten im Januar an Bedeutung zu gewinnen. Zwar könnte sich ein möglicher Sieg Bidens bei den US-Präsidentschaftswahlen aufgrund der kämpferischen außenpolitischen Linie des Kandidaten negativ auf den Rubel auswirken. Es erscheine allerdings unwahrscheinlich, dass die Beziehungen zu Russland beziehungsweise Sanktionen von einer neuen US-Administration sofort als hohe Priorität eingestuft werden würden. Was die Wirtschaft betreffe, so habe die russische Regierung trotz steigender COVID-19-Inzidenz eine zweite Abschottung ausgeschlossen, während die Mobilitätsdaten nach wie vor sowohl über dem G10- als auch über dem Schwellenländerdurchschnitt liegen würden. Das Land sollte daher seinen relativen Wachstumsvorteil bis zum Jahresende beibehalten.

An der geldpolitischen Front werde erwartet, dass Russlands Zentralbank auf ihrer Sitzung kommende Woche ihre lockere Geldpolitik beibehalte. Allerdings hätten sich die Aussichten auf weitere Leitzinssenkungen angesichts des Preisanstiegs bei den währungssensitiven Komponenten des zur Inflationsberechnung verwendeten Warenkorbs verringert. Obwohl die Volatilität rund um die US-Wahlen Anfang November wieder ansteigen dürfte, könnte der Rubel in den kommenden Monaten an Stärke gewinnen. (15.10.2020/alc/a/a)