Erweiterte Funktionen

Russland: Stärkere Zinssenkungen unterstützen hauptsächlich Staatsfinanzierung


14.05.20 10:45
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Am 24. April senkte die Zentralbank Russlands (CBR) den Leitzins um 50 BP auf 5,50% und entsprach damit den Markterwartungen, die zuvor durch tröstende Kommentare der Regulierungsbehörde in diese Richtung gelenkt worden waren, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Gouverneurin Nabiullina habe zudem gesagt, dass auch eine 100 BP-Zinssenkung in Betracht gezogen worden sei, und dies könnte auf der nächsten Sitzung am 19. Juni erneut diskutiert werden. Es sei unmissverständlich, dass eine beschleunigte geldpolitische Lockerung angestrebt werde. Die Analysten der RBI hätten ihre Leitzinsprognose angepasst und würden nun einen Leitzins von 4,50% bis Ende 2020 (minus 50 BP bis Juni) erwarten.

Die Analysten der RBI würden glauben, dass die Pandemie die wirtschaftlichen Verflechtungen dramatisch verändert habe. Anders als in den Jahren 2015 bis 2019 würden die Menschen nicht in der Lage sein, eine Verschlechterung des verfügbaren Einkommens durch größere Kreditaufnahmen auszugleichen, da das Kreditrisiko im Bankensystem zunehme. Infolgedessen werde die niedrigere Verbrauchernachfrage die Inflationsbeschleunigung unterdrücken, sodass die RUB (Russischer Rubel)-Abwertung weniger stark inflationär wirken sollte. Obwohl das dritte Konjunkturpaket (RUB 800 Mrd.) aufgrund eines größeren Anteils an Direktzahlungen einen gewissen inflationären Effekt haben könnte, würden die Analysten der RBI nicht glauben, dass es ausreichen werde, den aktuell taubenhaften Krisenmodus der Regulierungsbehörde zu ändern.

Trotz der insgesamt schwächeren orthodoxen Wirkung der Leitzinssenkungen auf die Wirtschaft werde ein niedrigerer Leitzins für den Staat günstig sein, um auf dem OFZ-Markt Mittel zur teilweisen Deckung des Haushaltsdefizits zu lukrieren. Außerdem könne eine größere Zinsmarge (für neue Kredite) dem Bankensystem bis zu einem gewissen Grad helfen, das erhöhte Kreditrisiko bei alten Krediten auszugleichen. Darüber hinaus sei die prognostizierte kurzfristige RUB-Schwäche für die russischen Exporte positiv. Ein zu niedriger Leitzins könnte jedoch übermäßige Kapitalabflüsse auslösen, was für die Regulierungsbehörde nicht akzeptabel wäre. (14.05.2020/alc/a/a)