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Russland: Sommerliche Erholung versus politische Spannungen


10.09.20 11:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Obgleich Russland durch die COVID-19-Pandemie sowohl von den Fallzahlen als auch von der Mortalität her hart getroffen wurde, dürfte es sich mit einem geschätzten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von circa fünf Prozent seit Jahresbeginn unter den Ländern wiederfinden, die wirtschaftlich vergleichsweise glimpflich davonkamen, so die Analysten von Postbank Research.

Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindices, die im August sowohl für die Industrie als auch für die Dienstleistungen positiv überrascht hätten und über die Expansionsschwelle von 50 Punkten angestiegen seien, würden auf eine weitere Erholung hindeuten. Die Inflationsrate halte sich um die von der Notenbank angepeilte Zielrate von vier Prozent herum, weshalb die Russische Zentralbank die Leitzinsen zunächst auf dem aktuellen Niveau von 4,25 Prozent belassen dürfte.

Trotz günstiger Fundamentaldaten befinde sich der Rubel aber seit drei Monaten in einem Abwärtstrend gegenüber dem Euro. Hier würden sicherlich die trotz der Erholung verglichen mit dem Vorjahr weiterhin recht niedrigen Ölpreise eine Rolle spielen. Und ebenso die 2020 bis dato geringere Nachfrage aus dem Ausland nach lokalen, in Rubel denominierten Anleihen. Aufgrund der wieder aufkeimenden Spannungen zwischen der EU und Russland sowie einer im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen möglicherweise steigenden Risikoaversion an den Märkten erscheine das Aufwertungspotenzial für den Rubel momentan gering. Möglicherweise würden erst 2021 die günstigen Fundamentaldaten den Rubel stützen. (10.09.2020/alc/a/a)