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Russland: Schnellere und tiefere geldpolitische Lockerung erwartet


07.11.19 09:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Nach einer Leitzinssenkung um 50 Basispunkte auf der MPC-Sitzung vom 25. Oktober sind die Aussichten auf eine weitere geldpolitische Lockerung in Russland optimistischer geworden, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Der Schritt überraschte uns nicht, da sich die Anzeichen verdichteten, dass die Russische Zentralbank (CBR) bereit war, einen kühneren Schnitt zu liefern, so die Analysten der RBI. In ihren revidierten Prognosen würden die Analysten eine stärkere Lockerung der Geldpolitik (GP) aufgrund mehrerer Faktoren erwarten. Erstens war die Desinflation schneller als von der Regulierungsbehörde erwartet, die CBR-Prognosen liegen nun näher bei unseren: Wir erwarten, dass die Gesamtinflation bis Ende 2019 weiter auf rund 3,5% und in Q1/2020 weiter in Richtung 3% sinkt, bevor sie in den folgenden Quartalen allmählich zum offiziellen 4%-Ziel zurückkehrt, so die Analysten der RBI. Darüber hinaus bleibe das globale Zentralbankumfeld insgesamt positiv, obwohl sich die Risiken für langsamere/weniger tiefe Zinssenkungen in den USA nach der FOMC-Sitzung vom 30. Oktober erhöht hätten. Unser Basisszenario sah bis Q1/2020 einen Rückgang des Leitzinses um 50 BP vor, wir überprüfen aber derzeit unsere Prognosen, so die Analysten der RBI.

Eine weitere positive Entwicklung sei jedoch darin zu sehen, dass die Einschätzung der CBR zu externen Risiken (Handelskrieg, mögliche Sanktionen gegen den OFZ-Markt, etc.) offenbar moderater geworden sei. Nach Meinung der Analysten der RBI sollte dies eine weitere Zinssenkung im Dezember ermöglichen. Schließlich habe die russische Regierung kürzlich die Pläne für die Ausgaben des Nationalen Wohlfahrtsfonds für 2020 geklärt: Sie würden nicht erheblich (nur 400 Mrd. Russische Rubel) und daher für die Politik der CBR vernachlässigbar sein. Zusammenfassend würden die Analysten der RBI nun einen Leitzins von 6,25% für Ende 2019 und eine weitere Senkung in Q1/2020 auf 6% erwarten. Forward Rate Agreements (FRAs) würden derzeit einen ähnlichen Zinsverlauf preisen. (Ausgabe vom 06.11.2019) (07.11.2019/alc/a/a)