Russland: Noch zwei Leitzinsanhebungen auf dann 7,25% im laufenden Jahr erwartet


12.10.21 10:00
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die wirtschaftliche Dynamik im letzten Sommermonat ist, wie von den Einkaufsmanagerindices vorgezeichnet, eher schwach ausgefallen, berichten die Analysten der DekaBank im Kommentar zur russischen Wirtschaft.

Zwar hätten sich die Einzelhandelsumsätze nach dem Abklingen der Corona-Sommerwelle und beflügelt von den Einmalzahlungen für Haushalte mit Schulkindern im August gefestigt. Die Produktionsseite habe sich allerdings eher schwach gezeigt, nicht zuletzt wegen der niedrigen Erträge in der Landwirtschaft. Im September hätten sich die Stimmungsindikatoren sowohl im Verarbeitenden Gewerbe als auch im Dienstleistungssektor wieder erholen können, sodass die Zeichen für den Herbst etwas besser stünden. Der aktuelle Anstieg der COVID-19-Fälle bereite zwar etwas Sorgen, doch mögliche Lockdown-Maßnahmen dürften gering ausfallen und sich damit nur moderat auf die Konjunktur auswirken.

Die Geldpolitik dürfte sich von der gegenwärtigen Verlangsamung nicht verunsichern lassen, denn eine Rückkehr zum Trendwachstum ab der zweiten Jahreshälfte 2021 nach einer schnellen Aufholphase sei ohnehin Bestandteil der Zentralbankprojektionen. Nach den starken Leitzinsanhebungen im Sommer habe das geldpolitische Komitee das Tempo der Zinsanhebungen allerdings schon im September auf 25 Bp je Sitzung gedrosselt. Angesichts der anhaltenden Angebotsschocks und der nach wie vor hohen Inflationserwartungen erwarten die Analysten der DekaBank noch zwei Leitzinsanhebungen in diesem Jahr auf dann 7,25%.

Die Ergebnisse der Parlamentswahlen im September seien wenig überraschend gewesen, und "Vereintes Russland" habe sich als dominierende Partei behaupten können. Es habe zwar punktuell Proteste gegeben, wie erwartet sei es aber angesichts der Repressionen im Vorfeld der Wahl nicht zu Massenprotesten gekommen. In September sei im US-Kongress die Aufnahme von weitreichenden Sanktionen gegen Russland als Änderungen am Verteidigungsetat der USA für das Finanzjahr 2022 eingebracht worden: Das Verbot von Anleihehandel am Sekundärmarkt, persönliche Sanktionen gegen zahlreiche Oligarchen und weitere Sanktionen gegen Nord Stream 2. Es sei unwahrscheinlich, dass diese zum aktuellen Zeitpunkt verabschiedet würden, weil dies den USA wichtige Instrumente für weitere Verstöße seitens Russland nehmen würde. Die Initiative zeige allerdings den steigenden Druck auf US-Präsident Biden, seine Haltung gegenüber Russland zu verschärfen.

Nach dem ersten Lockdown 2020 seien die pandemiebedingten Beschränkungen in Russland im internationalen Vergleich gering ausgefallen, sodass die Corona-Pandemie für die Konjunkturentwicklung trotz der vergleichsweise geringen Impfquote von rund 30% eine kleinere Rolle spiele. Nachdem die Nachkrisenerholung abgeschlossen ist, erwarten die Analysten der DekaBank die Rückkehr zu niedrigem Wachstum, das aufgrund struktureller Probleme bereits vor der Krise zu verzeichnen war.

Das Risiko weiterer internationaler Sanktionen gegen Russland bleibe immanent. Russland habe sich aufgrund des seit Jahren herrschenden Sanktionsregimes mit dem Westen aber bereits auf eine mögliche Isolation vorbereitet. Deshalb dürften nach Einschätzung der Analysten erst "nukleare" Sanktionen wie z.B. ein Verbot von Ölexporten oder von US-Dollar-Transaktionen, Ausschluss aus internationalen Zahlungssystemen oder ein allgemeines Verbot zum Halten russischer Staatsanleihen durch US-Investoren deutliche Auswirkungen auf die Bonität des Landes haben, auch wenn sich die Eskalation der Beziehungen mit dem Westen bereits heute negativ auf die Wirtschaftsperspektiven auswirke. Solch harte Sanktionen seien derzeit nicht das Hauptszenario der Analysten. Die Ausstattung mit internationalen Reserven sei komfortabel. Dank der konservativen Fiskalpolitik der Vergangenheit verfüge Russland aber über fiskalische Puffer (ca. 12% des BIP) und könne sich auch "Wahlgeschenke" durchaus leisten. (Ausgabe vom 08.10.2021) (12.10.2021/alc/a/a)





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