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Russland: Inflationsrate liegt mit 7,5% fast doppelt so hoch wie das Inflationsziel der Notenbank


02.11.21 11:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die niedrige Impfbereitschaft in Russlands Bevölkerung fordert einen immer höheren Tribut, so die Analysten von Raiffeisen Capital Management in einer aktuellen Ausgabe des "emreport".

Die Zahl der Neuinfektionen erreiche ebenso neue Höchstwerte wie die Zahl der Toten - erstmals seien zuletzt über eintausend Menschen an einem Tag am neuen Coronavirus gestorben. Präsident Putin habe die erste Novemberwoche zu einer arbeitsfreien Woche erklärt - eine Art Lockdown. Das sei natürlich Gift für die Volkswirtschaft und könnte die Notenbank dazu bewegen, ihre Zinsanhebungen zu verlangsamen. Zugleich liege die Inflationsrate mit aktuell rund 7,5% fast doppelt so hoch wie das Inflationsziel der Notenbank. Die Währungshüter würden sich also in einer echten Zwickmühle befinden.

Die Europäische Union habe unterdessen angesichts stark gestiegener Erdgaspreise und drohender Versorgungsengpässe Russland aufgefordert, zusätzliches Gas zu liefern. Nach Jahren eskalierender Spannungen und immer neuer EU-Sanktionen sehe Russland, wenig überraschend, aber keine Veranlassung, solche Zusatzlieferungen ohne Gegenleistung anzubieten, zumal man auch in Russland selbst bereits unter steigenden Gaspreisen und gesunkenen Vorräten leide.

Eine rasche, unwiderrufliche Genehmigung von Nordstream2 wäre vermutlich eine solche Gegenleistung. Ob die Europäische Union dazu bereit sei, bleibe abzuwarten. Nachdem die aktuellen Gasengpässe in der Europäischen Union aber in erster Linie durch den Ausfall bzw. die Nichtverfügbarkeit von nicht-russischen Gaslieferungen entstanden seien, ließe sich die Genehmigung der Pipeline wohl schwerlich mit der Begründung einer "Gefährdung der Energiesicherheit" verweigern.

Unterdessen habe die Partei "Einiges Russland" bei den Parlamentswahlen eine komfortable Mehrheit errungen. Sie habe erheblich besser abgeschnitten als in den meisten Umfragen vor der Wahl prognostiziert. Einige Vorwürfe von Wahlbetrug seien laut geworden; entsprechende Aufrufe zu Protesten hätten aber keine Resonanz in der Bevölkerung gefunden. Die Aktienkurse in Moskau hätten trotz der drastisch verschlechterten Covid-19- Situation im September und in der ersten Oktoberhälfte kräftig zugelegt, beflügelt unter anderem von den weiter steigenden Preisen für Öl und Gas. Um fast 9% sei der Aktienindex in Moskau geklettert, in Rubel gerechnet. In USD habe das Plus in diesen sechs Wochen sogar über 12% betragen. (Ausgabe Oktober 2021) (02.11.2021/alc/a/a)