Russland: Inflation auf Rekordtief


10.10.17 09:20
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsrate in Russland ist im Sinkflug: Die Teuerungsrate hat im September mit 3,0% gegenüber dem Vorjahr ein neues historisches Tief markiert und liegt deutlich unterhalb des Zentralbankziels von 4%, so die Analysten der DekaBank.

Die Preisentwicklung würde somit auf den ersten Blick eine aggressivere geldpolitische Lockerung rechtfertigen, denn die Wirtschaft könne bei der Erholung nach der Rezession in 2015-2016 durchaus noch etwas Unterstützung gebrauchen. Sowohl Industrieproduktion als auch die Einzelhandelsumsätze hätten im August gegenüber dem schwachen Juli zwar etwas zulegen können, doch dürfte die Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte aufgrund der nachlassenden Basiseffekte der Ölpreise geringer ausfallen als in der ersten.

Für das Gesamtjahr würden die Analysten eine BIP-Wachstumsrate von 1,8% erwarten. Auf den zweiten Blick - und aus Sicht der Russischen Zentralbank - sei aber durchaus mehr Vorsicht geboten. Denn zum einen seien die Rekordtiefs bei der Inflation auf die Lebensmittelpreise zurückzuführen, deren saisonales Muster dieses Jahr aufgrund der kalten Witterung im Juni etwas später eingesetzt habe. Das saisonale Tief werde nach Erwartung der Analysten im Oktober durchschritten, sodass die Inflation im ersten Quartal 2018 bereits wieder 4% erreichen dürfte. Und zum anderen seien die Inflationserwartungen in Russland nach mehreren Preisschocks der jüngsten Geschichte nach oben verzerrt, weshalb die Zentralbank besonders vorsichtig handeln wolle.

Im September hätten die Währungshüter den Leitzins um 50 BP auf 8,50% gesenkt. Die Analysten würden zwei weitere Zinssenkungen um je 25 BP dieses Jahr und eine Fortsetzung des vorsichtigen Lockerungskurses in 2018 erwarten, am Ende dessen der Leitzins nach Prognose der Analysten 7% erreichen werde.

Die Umsetzung notwendiger Reformen werde durch bevorstehende Wahlen und den mangelnden Willen der Machtinhaber erschwert. Die neuen US-Sanktionen würden Russlands wirtschaftliche Isolation verstärken, indem sie dem Privatisierungsprozess, der ohnehin sehr schleppend verlaufe, weitere Steine in den Weg legen würden.

Die wirtschaftliche Erholung und eine konservative Fiskalpolitik würden Russland auf ein Rating-Upgrade hoffen lassen. Derzeit vergebe nur Fitch ein Investment Grade, während S&P und Moody's Russland noch einen Notch darunter sehen würden. Die Ratings seien von soliden Staatsfinanzen und niedriger externer Verschuldung untermauert: Die Staatsverschuldung liege unter 15% des BIP und auch die Finanzierung des Defizits dürfte dank höherer Ölpreise und fiskalischer Reservefonds über die nächsten Jahre keine größeren Probleme bereiten. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven mittlerweile wieder bei über 400 Mrd. USD lägen.

Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Politisch richte sich der Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2018, bei der eine weitere Amtszeit für Putin sehr wahrscheinlich sei. Die Parlamentswahl 2016 habe die Regierungspartei mit einem Stimmenanteil von 54,2% bei geringer Wahlbeteiligung eindeutig für sich entschieden.

Der anlaufende Wahlkampf des oppositionellen Kandidaten Alexej Nawalny könne zwar für negative Schlagzeilen sorgen, weil die Demos seiner Anhänger häufig nicht genehmigt würden und mit Festnahmen enden würden. Die Popularität und auch die schiere Bekanntheit Nawalnys außerhalb der Metropolen seien jedoch niedrig, sodass er keine Chance auf einen Wahlsieg habe, selbst wenn er trotz der Vorstrafen als Präsidentschaftskandidat zugelassen werde. (Ausgabe vom 09.10.2017) (10.10.2017/alc/a/a)






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