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Russland: Fortgesetzte Erholung und weitere Zinssenkung


15.11.17 09:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Russlands wirtschaftliche Erholung hat sich zuletzt minimal abgeschwächt; das Wachstum dürfte aber auch im dritten Quartal über 2% p.a. betragen haben, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Während die Industrieproduktion im September schwächer ausgefallen sei als erwartet, hätten die Einzelhandelsumsätze positiv überrascht. Die Inflationsrate sei auf ein Rekordtief gefallen und habe nur noch bei 3% p.a. gelegen. Die Notenbank habe Ende Oktober erwartungsgemäß den Leitzins um 0,25% auf 8,25% gesenkt und weitere schrittweise Lockerungen der Geldpolitik in Aussicht gestellt. Der Ölpreis habe im Oktober abermals kräftig angezogen; die Nordseesorte Brent habe dabei die Marke von 60 US-Dollar übersprungen. Neben verschärften Spannungen im Nahen und Mittleren Osten dürfte dazu auch die gemeinsame Erklärung Saudi Arabiens und Russlands beigetragen haben, die Förderbeschränkungen beim Öl möglicherweise über den März 2018 hinaus zu verlängern.

Überhaupt seien die letzten Wochen von hochkarätigen diplomatischen Aktivitäten mit erheblichen ökonomischen Potenzialen geprägt gewesen. Nach dem Staatsbesuch des saudischen Königs in Moskau habe in Teheran ein trilateraler Gipfel des Iran, Russlands und Aserbaidschans stattgefunden. Unter anderem seien milliardenschwere russische Investitionen in Öl- und Gasprojekte im Iran geplant.

Zudem solle eine russische Pipeline ("South Asian Stream") zwischen Indien, Pakistan und dem Iran gebaut werden. All diese Projekte könnten die eurasische Integration spürbar voranbringen, seit langem ein Kernstück der russischen Außen- und Wirtschaftspolitik. Trotz des kräftig anziehenden Ölpreises hätten sowohl der Rubel als auch der russische Aktienmarkt im Oktober leicht nachgegeben. Der Micex-Index sei dabei vor allem vom Einzelhandelskonzern Magnit belastet worden, dessen Aktienkurs nach enttäuschenden Unternehmenszahlen kräftig abgerutscht sei. (Ausgabe November 2017) (15.11.2017/alc/a/a)