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Russland: Eine letzte Zinssenkung möglich


07.10.20 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Bei der Zinssitzung im September beschloss die russische Notenbank (CBR), den Leitzins unverändert bei 4,25% zu belassen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Während sie dabei einen leicht taubenhaften Ton an den Tag gelegt habe, habe die CBR jedoch gleichzeitig auf erhöhte Risiken hingewiesen. Grundsätzlich habe sie indessen bestätigt, die Möglichkeit einer weiteren Leitzinssenkung auch künftig prüfen zu wollen, sollten sich die Rahmenbedingungen weiterhin in Einklang mit ihrem Basisszenario entwickeln. Das Basisszenario der CBR sollte - zumindest bezüglich der Inflationsprognose von 3,7 bis 4,2% p.a. für Ende 2020 - mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten. Bislang würden die übrigen fundamentalwirtschaftlichen Entwicklungen ebenfalls zu den Grundannahmen der CBR passen. Alles in Allem könne die CBR den Zinssatz entweder senken oder auf dem aktuellen Niveau halten, da die möglichen Folgen der mannigfaltigen Risiken nicht leicht abzuschätzen seien (z.B. wie stark mögliche Sanktionen bzw. eine zweite Corona-Welle auf den RUB-Wechselkurs sein könnten).

Vielleicht aus diesem Grund sei die CBR in den neuen "Richtlinien für die Geldpolitik" auch zu Szenarien übergegangen, in denen der Ölpreis nicht mehr überwiegend ausschlaggebend sei (zwei der vier Szenarien würden ähnliche Ölpreisannahmen enthalten, die jedoch nach Verständnis der Analysten unterschiedliche geldpolitische Reaktionen erfordern würden). Sie würden es vorziehen, an ihrem Basisszenario einer letzten Leitzinssenkung um 25 BP (4% bis Ende 2020) festzuhalten. Wenn die Risiken nicht gravierend eintreten würden, werde die CBR mehr Argumente für eine Lockerung haben. Um den Zinssatz unverändert zu lassen, müsste man nach Meinung der Analysten eine deutlichere Abschwächung des Rubels (USD/RUB über 85) und/ oder eine entschiedenere Absicht des Westens zu Sanktionen sehen. Abgesehen davon sei eine Abwertung der RUB auf das derzeitige Niveau keine Veränderung für die CBR und ihr Basisszenario. (Ausgabe vom 06.10.2020) (07.10.2020/alc/a/a)