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Russland: BIP-Wachstum nur mittelmäßig, Zinssenkung folgt


15.06.17 15:10
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das erste Quartal verlief in Russland wie erwartet unspektakulär: Die Wirtschaft blieb auf Erholungskurs, allerdings mit einer nur leicht höheren Wachstumsrate von 0,5% yoy nach 0,3% im Vorquartal, so die Analysten der DekaBank.

Details würden Mitte des Monats erwartet, dürften aber vor allem den nachlassenden Abwärtsdruck im Einzel- und Großhandel aufzeigen, während der Industriesektor ein gemischtes Bild abgegeben haben dürfte. Nicht zuletzt würden sich hier auch die in Kooperation mit OPEC durchgeführten Kürzungen der Ölproduktion negativ ausgewirkt haben. Diese würden unter anderem auch den Rubel stärken, wodurch die Rubel-Einnahmen der Dollar-notierten Ölexporte sinken würden. Die Verlängerung der Vereinbarung bis Anfang nächsten Jahres sei demnach nur bedingt positiv für Russland, allerdings immer noch vorteilhafter als ein erneuter Absturz der Ölpreise.

Die Inflation halte sich derweil fast schon hartnäckig über dem Inflationsziel von 4% yoy - auch im Mai sei das Ziel mit 4,1% wieder knapp verfehlt worden. Schuld hieran seien vor allem die anziehenden Nahrungsmittelpreise gewesen. Nichtsdestotrotz helfe der stärkere Rubel aber, den Inflationsdruck unter Kontrolle zu halten. So sei die Kernrate im Mai stärker als erwartet auf 3,8% yoy von 4,1% im Vormonat gefallen und habe damit einen neuen Tiefstand erreicht.

Ebenso hätten die normalerweise recht volatilen Inflationserwartungen ihren Abwärtstrend mittlerweile seit drei Monaten fortgesetzt. Genug Grund also für die Zentralbank, um ihren Zinssenkungszyklus im Juni fortzusetzen. Die NBR dürfte dabei sowohl einen 25 BP als auch einen 50 BP Schritt in Erwägung ziehen. Auf der einen Seite betone Zentralbankchefin Nabiullina immer wieder, dass sie einen graduellen Kurs vorziehe. Auf der anderen Seite würden die realen Zinsen auch nach der kumulativen 75 BP-Senkung dieses Jahr weiterhin hoch bleiben, sodass ein weiterer 50 BP Schritt sinnvoll erscheine. Allerdings dürfte die NBR dann ihr Tempo in der zweiten Jahreshälfte nach unten anpassen.

Gleichzeitig habe die Regierung ihr Budgetziel für dieses Jahr von 3,2% des BIP auf 2,1% nach unten angepasst. Das ambitioniertere Ziel solle in erster Linie dank einer Anhebung des budgetierten Ölpreises von 40 USD pro Barrel auf 45,6 USD erreicht werden. Die überschüssigen Einnahmen seien zuvor "zur Seite gelegt" worden, sollten nun aber doch zumindest zum Teil direkt in das Budget miteinfließen.

Anziehende Investitionen, privater Konsum und der weitestgehend stabile Ölpreis würden die Wirtschaft auf Wachstumskurs halten. Die Fiskal- und Geldpolitik würden konservativ bleiben. Die Umsetzung notwendiger Reformen werde durch bevorstehende Wahlen erschwert.

Die wirtschaftliche Erholung und eine konservative Fiskalpolitik würden Russland auf ein Rating-Upgrade hoffen lassen. Derzeit vergebe nur Fitch ein Investment Grade, während S&P und Moody's Russland noch einen Notch darunter sehen würden. Die Ratings seien von soliden Staatsfinanzen und niedriger externer Verschuldung untermauert: Die Staatsverschuldung liege unter 15% des BIP und auch die Finanzierung des Defizits dürfte dank höherer Ölpreise und fiskalischer Reservefonds über die nächsten Jahre keine größeren Probleme bereiten. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven mittlerweile wieder bei über 400 Mrd. USD lägen.

Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Politisch richte sich der Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2018, bei der eine weitere Amtszeit für Putin wahrscheinlich sei. Die Parlamentswahl 2016 habe die Regierungspartei mit einem Stimmenanteil von 54,2% bei geringer Wahlbeteiligung eindeutig für sich entschieden. (Ausgabe vom 14.06.2017) (15.06.2017/alc/a/a)