Russische Zentralbank bleibt trotz Inflationstief vorsichtig


13.11.17 11:45
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die monatlichen Indikatoren deuten darauf hin, dass sich das Wachstumstempo der russischen Wirtschaft im dritten Quartal verlangsamt hat, nachdem die erste Jahreshälfte vom starken Aufholwachstum im Bereich von jeweils 0,7% gegenüber dem Vorquartal geprägt war, so die Analysten der DekaBank.

Im September habe sich der Bergbausektor überraschend negativ gezeigt, das Verarbeitende Gewerbe sei allerdings stark genug gewesen, um insgesamt für einen Zuwachs der Industrieproduktion um 0,9% yoy zu sorgen. Die Einzelhandelsumsätze hätten weiter von der Verbesserung der realen Einkommen profitieren können und seien um 3,1% yoy gewachsen. Die Oktober- Einkaufsmanagerindices seien sowohl für Verarbeitendes Gewerbe (von 51,9 auf 51,1) als auch für den Dienstleistungssektor (von 55,2 auf 53,9) zurückgegangen, würden also auch zu Beginn des vierten Quartals keine anziehenden Wachstumsraten erwarten lassen.

Da die Wirtschaft zwar wachse, aber nicht boome, werde die Kritik an der Zentralbank laut, die die Leitzinsen trotz des starken Inflationsrückgangs - im Oktober habe die Teuerungsrate mit 2,7% ein neues historisches Tief erreicht - nur zögerlich senke, sodass die Realzinsen nach wie vor hoch bleiben würden. Von Kritikern lasse sich die Russische Zentralbank allerdings wenig beeindrucken, weil das Inflationstief aus ihrer Sicht temporärer Natur sei und die Inflationserwartungen der Bevölkerung nach wie vor bei nahezu 10% lägen.

Ende Oktober hätten die Währungshüter den Leitzins um 25 Bp auf 8,25% gesenkt. Die Analysten der DekaBank erwarten eine weitere Zinssenkung um je 25 Bp dieses Jahr und eine Fortsetzung des vorsichtigen Lockerungskurses in 2018, am Ende dessen der Leitzins nach ihrer Prognose 7% erreichen wird. Der Expansionsgrad der Geldpolitik bleibe somit verhalten. Auch von der Fiskalpolitik kämen nicht viele Impulse für die Konjunktur, da diese eher auf den Wiederaufbau der Fiskalpolster ausgerichtet sei. Das Wirtschaftswachstum sollte sich somit in diesem und im kommenden Jahr auf einem moderaten Niveau von 1,8% bzw. 1,9% bewegen.

Der zu Erhöhung des Potenzialwachstums dringend notwendige Reformprozess werde durch den mangelnden Willen der Machtinhaber behindert. Die neuen US-Sanktionen würden Russlands wirtschaftliche Isolation verstärken, indem sie den Privatisierungen, die ohnehin sehr schleppend verlaufen würden, weitere Steine in den Weg legen würden, und den Import technologischer Innovationen erschweren würden.

Die wirtschaftliche Erholung und eine konservative Fiskalpolitik würden Russland auf ein Rating-Upgrade hoffen lassen. Derzeit vergebe nur Fitch ein Investment Grade, während S&P und Moody's Russland noch eine Stufe darunter sähen. Die Ratings seien von soliden Staatsfinanzen (Staatsverschuldung ca. 12% des BIP) und niedriger externer Verschuldung untermauert.

Die neue fiskalische Regel, nach der der Budgetplanung der Ölpreis von 40 USD/Fass zugrunde gelegt werde und aus Mehreinnahmen der Reservefonds aufgestockt werde, bedeute eine sehr konservative Budgetplanung. Die Auslandsverschuldung des Privatsektors sei in den vergangenen Jahren deutlich gesunken und auch die Kapitalabflüsse hätten abgenommen, sodass die Währungsreserven mittlerweile wieder bei deutlich über 400 Mrd. USD lägen.

Mittelfristig seien die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen sowie die Dynamik der Öl- und Gaspreise für das russische Rating entscheidend. Politisch richte sich der Blick auf die Präsidentschaftswahlen 2018, bei der eine weitere Amtszeit für Putin nahezu sicher sei. Der anlaufende Wahlkampf der oppositionellen Kandidaten wie Alexej Nawalny oder Xenia Sobtschak könne zwar für negative Schlagzeilen sorgen. Ihre Beliebtheit - und auch die schiere Bekanntheit - außerhalb der Metropolen seien jedoch niedrig, sodass sie keine Chance auf einen Wahlsieg hätten, selbst wenn Nawalny trotz der Vorstrafen als Präsidentschaftskandidat zugelassen werde. (Ausgabe vom 09.11.2017) (13.11.2017/alc/a/a)