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Russische Corporate Eurobonds bleiben gefragt


04.01.18 08:30
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Risikoprämien der Emerging Markets (EM) Credit-Märkte haben sich im Laufe des Jahres relativ heterogen zueinander entwickelt, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI) in ihrer aktuellen Finanzanalyse "Strategie Österreich & CEE Q1/2018".

All diese Märkte (Lateinamerika, Asien, Osteuropa, Afrika) hätten sich jedoch weitestgehend im Sog der sinkenden Spreads der etablierten Märkte entwickelt. Die erhöhte Risikoaversion an den High-Yield Credit-Märkten in der Eurozone und den USA ab Ende Oktober 2017 seien zudem nicht von allen EM Credit-Märkten mitgemacht worden. Hierzu zähle in erster Linie der russische Corporate Eurobond Markt, der nach Meinung der Analysten - obwohl relativ teuer bewertet - von den Rückschlägen nahezu unberührt geblieben sei. Sie würden dies in erster Linie darauf zurückführen, dass der russische Unternehmenssektor überproportional stark von der Ölpreisentwicklung abhänge und sich diese auch in den Herbst- und Wintermonaten nicht abgeflacht habe.

Gleichzeitig sei es zu einer moderaten Abkopplung des RUB/USD-Wechselkurses von der Ölpreisentwicklung gekommen. So habe der RUB gegenüber dem USD nicht mit der starken Dynamik aufgewertet, die der Ölpreis in den vergangenen Monaten vorgezeichnet habe, was positive Effekte auf den ölexportierenden russischen Unternehmenssektor gehabt habe. Das fundamentale Konjunkturbild präsentiere sich für Russland bzw. für die Osteuropa-Region durchwegs gläubigerfreundlich.

Die regionenspezifischen Economic Suprise Indices hätten zwar zuletzt ein etwas weniger positives Überraschungsmomentum signalisiert, trotzdem übertreffe die Mehrzahl der Wirtschaftsindikatoren seit Jahresbeginn die Analystenerwartungen. So werde die fundamentale Entwicklung des nicht-ölpreisorientierten Unternehmenssektors von soliden Einzelhandelsumsätzen und auch Autoabsatzzahlen gestützt und das Konsumentenvertrauen ist in Richtung der guten Niveaus von 2013/14 unterwegs.

Negativ sei jedoch anzumerken, dass die Industrieproduktion ihren positiven Trend nicht mehr habe fortsetzen können, und auch die Neubauaktivitäten sowie die Investitionen in neue Produktionskapazitäten würden sich praktisch bei nahezu Null befinden. Dies möge auch daran liegen, dass das Kreditwachstum des Non-Financial Sektors relativ zum Kreditwachstum der Haushalte im Jahresvergleich deutlich schwächer ausgeprägt sei (d.h. positive Konjunkturindikatoren in Bezug auf Daten der private Haushalte, schwächere Indikatoren mit unmittelbaren Bezug zum Unternehmenssektor).

Die Volkswirtschafts-Experten für Russland würden jedoch für das nächste Jahr ein Wirtschaftswachstum zwischen 1,5% und 2% erwarten, wobei sich die Erholung des privaten Konsums fortsetzen und ein Anstieg der Investitionstätigkeit von 4% prognostiziert werde. Die größten Gefahren für eine Korrektur am russischen Corporate Eurobond Markt seien nach Meinung der Analysten ein signifikanter Rückgang des Ölpreises sowie die (welche Modelle oder Vergleichsmaßstäbe man auch bemüht) extrem teuren Bewertungen gegenüber risikoäquivalenten EM Credit-Märkten. Dies könnte früher oder später zu einer Reallokation von Gläubigergeldern führen. Die Wahrscheinlichkeit des Eintretens beider Risikofaktoren würden sie momentan als äußerst gering beurteilen, weshalb sie für das kommende Quartal von einer Seitwärtsbewegung der Spreads am russischen Credit-Markt ausgehen würden. (Ausgabe Q1/2018) (04.01.2018/alc/a/a)