Rumänien wird wohl den Leitzins bei 1,75% belassen


04.08.17 11:15
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die National Bank von Rumänien will heute über die Höhe der Leitzinsen entscheiden, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Anfang Juli hätten die Währungshüter den seit Mai 2015 geltenden Schlüsselzins von 1,75% unverändert belassen. Dabei habe man die Entscheidung besonders im Blick auf die um Nahrungsmittel und Kraftstoffe bereinigte Kerninflation "Core2" getroffen, die in den Vormonaten sukzessive von 0,5% auf 1,6% angezogen habe. Durch Senkungen der Umsatzsteuer würden die allgemeinen Verbraucherpreise derzeit jedoch mit erheblich geringeren Jahresraten (0,9%) steigen. Auf der Konjunkturseite halte der Aufschwung an und Rumänien besitze eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in der EU. Nach spürbaren Lohnzuwächsen sei vor allem der private Konsum Wachstumsträger. Dadurch erwarte die Zentralbank bis Ende 2018 Preissteigerungen auf 3,1% und somit Werte über dem Inflationsziel von 2,5% hinaus.

Vor diesem Hintergrund wären Zinserhöhungen denkbar, wie die Mehrheit der Marktteilnehmer rechnen die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt heute jedoch mit unveränderten Leitzinsen. Zudem würden die Notenbanker eine abwartende Geldpolitik offenbar auch wegen der unsicheren fiskalpolitischen Entwicklung favorisieren. In Rumänien seien die Etatziele gefährdet: Die Neuverschuldung drohe im laufenden Jahr auf 3,5% des BIP anzusteigen und 2018 bei 3,7% zu liegen. Nach einem Defizit von 0,8% im Jahr 2015 habe der Vergleichswert im vergangen Jahr noch auf der kritischen Marke von 3% gelegen. Spielraum für eine derartige Zinspolitik erhalte die Nationalbank durch die erwähnte geringe Teuerung bei den Verbraucherpreisen. Anhebungen der Leitzinsen erwarten die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Ihre Prognose per Ende 2018 laute für den Schlüsselsatz auf 2,25%. (04.08.2017/alc/a/a)