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Rückenwind für Hochzinsanleihen auch 2022


22.11.21 11:52
Legal & General IM

London (www.anleihencheck.de) - Der globale Hochzinsmarkt hat drei gute Jahre hinter sich, und die Renditenaufschläge liegen im historischen Vergleich rund um das 1. Quartil, so die Experten von Legal & General Investment Management.

Anleger würden sich besorgt fragen, ob die Spreads groß genug seien, um das bevorstehende Risiko aufzufangen. Martin Reeves, Head of Global High Yield, und Volker Kurr, Head of Europe Institutional bei Legal & General Investment Management (LGIM), seien zuversichtlich:

Die Spreads würden zwar niedrig sein mögen, seien aber aus Sicht der Experten gerechtfertigt, und sie würden für 2022 mit attraktiven Erträgen rechnen. Dafür gebe es mehrere Gründe:

Erstens: Die Experten würden davon ausgehen, dass sich die Fundamentaldaten der Anleihen weiter verbessern würden, und das allein rechtfertige Spreads in der Gegend des aktuellen Niveaus - wobei natürlich Potenzial für eine weitere Verengung bestehe. Ähnlich wie 2021 werde auch 2022 die Risikoprämie verdient werden müssen. Die Experten würden mit Volatilität rechnen. Anleger sollten sich nicht vom Kurs abbringen lassen und bei Rückschlägen am Markt zukaufen.

Zweitens: Die Experten würden für 2022 mehr Heraufstufungen als je zuvor erwarten. Sie könnten so massiv ausfallen, dass der globale Markt für hochverzinsliche Anleihen sogar schrumpfen könnte. Dies sei ein starkes technisches Argument für Long-Anleger. Anleger, denen es gelinge, ein paar dieser Aufsteiger mitzunehmen, würden einen entsprechenden Alpha-Beitrag realisieren, denn ein Großteil der endgültigen Verengung der Credit-Spreads finde in den Monaten nach der Heraufstufung auf Investment Grade statt.

Drittens: Die Experten würden mit nur wenigen Fallen Angels rechnen, also Emittenten, die ihre gute Bonität verlieren und auf ein High-Yield-Rating herabgestuft würden. Diese wenigen sollten jedoch Chancen bieten. Ein Bereich, der sich 2022 deutlich erholen dürfte, seien chinesische Immobilien. Die Geschichte zeige, dass Anleger zwar Fehler machen könnten, aber selten verschwinde ein Sektor ganz und gar, vor allem, wenn es sich um eine Schlüsselbranche für eine Volkswirtschaft handele.

Ein typischer Fehler sei es, Emotionen zu erliegen und wegen Preisdrucks eine Branche zu Tiefstkursen abzustoßen. Der Ausstieg werde dann zur selbst erfüllenden Prophezeiung, und die Märkte würden abstürzen. Neue Investoren würden nach und nach übernehmen, und sofern die Wirtschaft in einer Branche grundsätzlich stark sei, würden sich die Anleihen erholen, selbst wenn es zu Umstrukturierungen komme.

Es bleibe eine letzte Sorge: Die Inflation und ihre Auswirkungen auf die Renditekurven. Da Hochzinsanleihen aktuell niedrig stünden, sei die Duration weniger anfällig für Zinsschwankungen als im Investment Grade. Außerdem seien die Kupons im Vergleich zu den aktuellen Anleiherenditen immer noch sehr hoch. Selbst wenn die Renditen steigen sollten, würden sie wahrscheinlich nicht die aktuellen Kuponhöhen erreichen, sodass die Unternehmen immer noch in der Lage sein würden, sich zu refinanzieren und ihre Cash-Zinskosten zu senken. (22.11.2021/alc/a/a)