Rohstoffe und Gold als Absicherung in Zeiten einer Inflation


15.07.21 14:00
WisdomTree Europe

London (www.anleihencheck.de) - Rohstoffe waren in der Vergangenheit ein guter Inflationsschutz, so Nitesh Shah, Director of Research, Europa, und Pierre Debru, Director, Research und Christopher Gannatti, Head of Research, Europa, WisdomTree.

Die Rohstoffpreise seien in Zeiten höherer Inflation typischerweise gestiegen. Auch Gold habe sich in der Vergangenheit als starker Inflationsschutz bewiesen. In den 1970er Jahren, als die Inflation besonders gestiegen sei, habe Gold als Absicherung gegen den zunehmenden Preisdruck gedient.

Rohstoffe würden ein höheres Inflations-Beta aufweisen als jede andere Anlageklasse, einschließlich Gold. Dennoch habe Gold ein sehr starkes Inflations-Beta, das um ein Vielfaches höher sei als das von Aktien. Dies deute darauf hin, dass Rohstoffpreise zwar der Inflation nach oben, aber auch nach unten folgen würden. Gold jedoch folge der Inflation tendenziell nur nach oben, was sich in einem insgesamt geringeren Beta niederschlage.

Mehrere Anlageklassen würden auf die "erwartete Inflation" reagieren. In dem Fall würden die Erwartungen oft durch die monetären Bedingungen und Beurteilungen über die Nachfragestärke in der Wirtschaft gebildet. Diese Erwartungen seien oft bedarfsorientiert. Eine Inflation könne jedoch auch durch angebotsseitige Schocks ausgelöst werden. Zum Beispiel habe der Cyberangriff auf die Colonial Pipeline im vergangenen Monat den Benzinpreis für die Verbraucher erhöht. Es gebe aber auch das Beispiel der anhaltenden Dürre in Brasilien, die die Lebensmittelpreise in die Höhe treibe. Die meisten Anlageklassen würden in der Regel viel weniger auf diese Art von Inflation reagieren. Die Rohstoffpreise stünden jedoch in direktem Zusammenhang mit vielen angebotsseitigen Schocks. Dies könne sie zu einer besseren Absicherung gegen die realisierte Inflation werden lassen. Diese Beispiele für angebotsseitige Schocks würden oft dazu neigen, die Margen der Unternehmen zu drücken, und sich daher eher negativ auf Aktien oder Unternehmensanleihen auswirken.

Gold schneide in Umgebungen mit hoher Inflation besser ab und der Zeitraum 2010 bis 2020 sei durch das Fehlen einer starken Inflation gekennzeichnet gewesen. Anleger müssten sich überlegen, ob die 2020er eher eine Fortsetzung der 2010er seien oder einem früheren historischen Paradigma ähneln würden.

Doch das beschreibe nur einen Teil des Bildes. Gold verhalte sich eher asymmetrisch: Wenn sich die Wirtschaft schlechter entwickle, schneide Gold in der Regel gut ab (z.B. nach einem Wirtschaftsschock). Auch Zeiten wirtschaftlicher Stärke, in denen die Inflation erhöht sei, würden sich positiv auf die Goldentwicklung auswirken. Gold performe weniger gut in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation (wie in Zeiten, in denen die Inflation nur moderat sei). Gold sei in Zeiten erhöhter Inflationsraten (über 2,5 Prozent) die Anlageklasse mit der besten Performance und habe in solchen Zeiten Rohstoffe überholt.

Hochinflationsszenarien seien positiv für den Goldpreis, unabhängig davon, ob die Inflationsrate steige oder falle. Rohstoffe hingegen würden tendenziell von einer steigenden Inflation profitieren. Wenn die Inflation ihren Höchststand überschritten habe, sei sie in der Regel nicht so förderlich für die Rohstoffpreise.

Die Experten von WisdomTree Europe würden zwar glauben, dass die Inflation nach dem enormen Basiseffekt der extrem niedrigen Energiepreise im letzten Jahr kurzfristig etwas nachlassen werde. Dennoch dürfte die Inflation alles andere als vorübergehend sein. Betrachte man die Details hinter den Werten für den Verbraucherpreisindex, scheine die Inflation breit abgestützt zu sein. Das Ausmaß des Geldmengenwachstums in Verbindung mit dem Nachholbedarf bei vielen Gütern und Dienstleistungen werde ein Rezept für eine anhaltende Preisinflation sein, auch wenn die außergewöhnlichen Basiseffekte vorbei seien. Die Inflation kann wieder steigen, auch nachdem die Basiseffekte hinter uns liegen, so die Experten von WisdomTree. Eine breite Palette von Rohstoffen und Gold seien wahrscheinlich wesentliche Vermögenswerte, um ein Portfolio vor Inflation zu schützen.

Das Portfolio jedes Anlegers habe seinen eigenen Charakter und seine eigene besondere Risikobereitschaft. Diejenigen, die sich Sorgen über den Beginn einer neuen Ära mit Risiken für den Anstieg der Fiat-Währung machen würden, würden wahrscheinlich mehr davon profitieren, mehr Gold oder sogar Bitcoin zu halten und sich von Fiat-Geldsystemen abzuwenden. Diejenigen jedoch, die einen Mangel an Schlüsselprodukten feststellen würden, die für das Wirtschaftswachstum von zentraler Bedeutung seien - diejenigen, die von der Anziehungskraft der wirtschaftlichen Nachfrage profitieren könnten - könnten auf einen breiteren Warenkorb von Rohstoffen zurückgreifen, die jeweils auf ihre eigenen einzigartigen Angebots-/Nachfrageüberlegungen reagieren würden. (15.07.2021/alc/a/a)





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