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Risikoprämien am Staatsanleihemarkt könnten weiter sinken


08.07.20 10:45
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Entwicklungen in Bezug auf Covid-19, die vom Markt momentan weitgehend ignoriert werden, geben durchaus Anlass zur Sorge und veranlassen uns, hinsichtlich unserer Aktien-Positionierung mit noch etwas größerer Vorsicht zu agieren, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Hinzu komme, dass in den nächsten Wochen im Zuge der Berichtssaison für die Ergebnisse des abgelaufenen zweiten Quartals mit einer Welle an negativen Unternehmensmeldungen zu rechnen sei, wobei die signifikanten Rückgänge bei der Gewinnentwicklung nicht weiter überraschen würden. Nach der starken Erholung der Aktienkurse der letzten Wochen und Monate sei der Markt korrekturanfällig geworden und die Quartalsberichte könnten Auslöser für einen Rückschlag sein.

Der positive Grundtenor am Markt sei in den letzten Monaten sehr stark von den geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gestützt gewesen. Was die Finanzmärkte betreffe, sei es vor allem die Geldpolitik gewesen, die zur Erholung geführt habe. Mit Aktienmärkten und riskanten Segmenten des Anleihemarktes, die ihre Verluste größtenteils egalisiert hätten, gelte für die Notenbanken jetzt einmal "Mission accomplished" und die Motivation für weitere Maßnahmen dürfte bis auf weiteres gering sein. Somit trete dieser, zuletzt wesentliche, Unterstützungsfaktor in den Hintergrund, zumal Finanzmärkte ja bekanntlich weniger auf den Status quo achten würden, als vielmehr von der Veränderung beeinflusst würden. Erst wenn die Märkte neuerlich unter Druck kommen sollten, etwa weil der Süden der USA die steigenden Fallzahlen nicht in den Griff bekomme, würden die Notenbanken wohl wieder einschreiten.

Innerhalb des europäischen Staatsanleiheuniversums bevorzugen wir europäische Peripherieanleihen gegenüber europäischen Kernländern (vor allem Deutschland und Frankreich), so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. In Summe gehe Ingrid Szeiler davon aus, dass die Risikoprämien am Staatsanleihemarkt - entgegen der fundamentalen Verfassung der meisten Staaten - vorerst weiter sinken würden.

Die Spreads von Unternehmensanleihen seien relativ zum Vormonat gesunken. Entgegen der schwachen wirtschaftlichen Lage, die steigende Ausfallsraten erwarten lasse, seien Unternehmensanleihen stark gesucht gewesen. So wie Staaten würden derzeit auch Unternehmen überdurchschnittlich viele Anleihen emittieren. Die Netto-Emissionserlöse würden zum Großteil in die Liquiditätsreserven fließen, was aus Gläubigersicht kurzfristig positiv zu werten sei.

Trotz recht deutlich gesunkener Risikoprämien und einer guten Ertragsentwicklung, erachte Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, - relativ betrachtet - Schwellenländer-Hartwährungsanleihen unverändert als eine der attraktiveren Assetklassen in diesem Umfeld. Zudem sehe Szeiler einen Großteil der durch Covid-19 ausgelösten fundamentalen Probleme hier bereits eingepreist.

Die internationalen Aktienmärkte hätten ihre Erholung in den letzten Wochen unbeirrt fortgesetzt. Umfangreiche Fiskalpakete und geldpolitische Maßnahmen in Kombination mit der Aussicht auf eine voranschreitende Normalisierung des Wirtschaftslebens würden die Investoren aktuell sämtliche Risikofaktoren ausblenden lassen. Wir sehen kurzfristig zu viel Zuversicht eingepreist (vs. der erwarteten Verbesserung der Fundamentalfaktoren) und sind daher etwas vorsichtiger positioniert als zuletzt, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, weiter.

Durch die Emerging Markets gehe ein regionaler Riss, der sich am besten anhand der Gewinnentwicklung veranschaulichen lasse: In Asien würden nur leichte Rückgänge bei den Unternehmensgewinnen registriert, während in Lateinamerika und in den europäischen Schwellenländern dramatische Einbrüche zu verzeichnen seien. Auch hinsichtlich Covid-19 seien regional klar unterschiedliche Entwicklungen zu erkennen. Wobei die ruhige Entwicklung in Asien hervorzuheben sei, was dort die wirtschaftliche Erholung vorantreibe und zu positiven Auswirkungen auf asiatische Schwellenländer-Aktien führe.

In einem freundlichen Kapitalmarktumfeld hätten sich auch die Rohstoffpreise von ihren Tiefstständen erholen können. Zuletzt hätten besonders die zyklischeren Industriemetalle und Energierohstoffe zulegen können. Aber auch der "defensivere" Edelmetallbereich profitiere unvermindert von starken Zuflüssen in Goldprodukten. Wir erwarten mittelfristig weitere Angebotsrücknahmen und damit eine Unterstützung für die Preisentwicklung, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG. (08.07.2020/alc/a/a)