Risikobereitschaft nimmt ab - Anleger suchen Schutz in qualitativ hochwertigen Staatsanleihen


03.08.18 10:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Bank von England hat trotz aller Brexit-Sorgen und der schwächelnden Industrie den Leitzins um 25 BP auf 0,75% erhöht, berichten die Analysten der Helaba.

Allerdings werde der Schritt nur als Anpassung einer immer noch sehr expansiven Geldpolitik gesehen und nicht als der Beginn eines neuen Zyklus. Bis Mitte 2021 würden zudem nur ein bis zwei weitere Zinsschritte in Aussicht gestellt, um die Inflation in Zaum zu halten.

Dennoch hätten mit Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie zunehmenden Zinssorgen die Aktienkurse den Rückzug angetreten. In den Vereinigten Staaten könne die der Apple-Euphorie geschuldete gute Laune bei Tech-Werten heute Schlimmeres verhindern.

Konsequenterweise hätten Anleger Schutz in den sicheren Häfen qualitativ hochwertiger Staatsanleihen gesucht. Bundesanleihen hätten sich im Handelsverlauf mit abnehmender Risikobereitschaft von den Verlusten des Vortages teilweise erholen können. Der Zinsabstand zwischen 10- und 30-jährigen Bundesanleihen habe bei 65 BP verharrt. 10-jährige Bonds aus Belgien (0,79%) und Frankreich (0,78%) hätten nach der Auktion in Frankreich gegen Bunds 2,5 bzw. 2 BP verloren. Bei der Aufstockung von Anleihen mit Fälligkeiten 04/2029, 05/2031 und 05/2036 seien knapp 6,4 Mrd. Euro zugeteilt worden. Die längste Laufzeit habe auf die geringste Nachfrage getroffen (b/c 1,3), sei aber bei der Zuteilung mit knapp 2,4 Mrd. Euro stattlich bedacht worden.

Die Rentenmärkten der EU-Peripherie könnten sich dem extremen Renditeanstieg italienischer Staatsanleihen nicht entziehen. Investoren würden sich in großem Stil von BTPs trennen. Fehlende Spar- und Reformbereitschaft sowie zunehmend eurokritische Töne würden im Vorfeld der Haushaltsdebatte viele Anleger abschrecken. Die Versteigerung von SPGBs mit Fälligkeiten 01/2021, 07/2023 und 07/2028 sei auf den erhöhten Renditeniveaus und noch vor Beginn des Ausverkaufs in Italien erfolgreich verlaufen. Das spanische Schatzamt habe 3,965 Mrd. Euro erlöst, stärkste Nachfrage (b/c 3,38) bei geringstem Zuteilungsvolumen (655,5 Mrd. Euro) hätten mittlere Laufzeiten verzeichnet. Der Risikoabstand 10-jähriger spanischer (1,45%) und portugiesischer Staatstitel (1,79%) habe sich gegenüber vergleichbaren Bundesanleihen um 4 bzw. 6 BP ausgeweitet, italienische Bonds (2,90%) hätten am Ende 18 BP höher als Bunds rentiert. Noch schlechter sei es 5-jährigen Titeln (2,04%) ergangen, die über 22 BP verloren hätten. Abgesehen von den Primärmarktaktivitäten seien die Umsätze in der Kasse unterdurchschnittlich geblieben.

Am US-Bondmarkt seien die Renditen im Vorfeld des heutigen Arbeitsmarktberichtes nicht weiter gestiegen. Die Auftragseingänge bei der Industrie (0,7%) hätten im Rahmen der Erwartungen gelegen. Der Abstand zwischen 5- und 30-jährigen Treasuries habe sich um einen BP auf 26,5 BP ausgeweitet. In Fernost würden sich Treasuries angesichts nur geringer Impulse von den asiatischen Aktienbörsen nicht von der Stelle bewegen.

Der Bund (ISIN DE0009652644 / WKN 965264)-Kontrakt (161,40) habe 37 Stellen zugelegt, Bobl (131,59) und Schatz (111,90) seien 14 bzw. 3,5 Ticks höher aus dem Markt gegangen. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe sei auf 0,46% gefallen, der Renditeabstand zwischen 2- und 10-jährigen Bundesanleihen habe bei 103 BP verharrt. 10-jährige US-Treasuries würden unverändert bei knapp 2,99% rentieren. Der Euro verbillige sich auf 1,159 Dollar, der Preis für das Barrel Öl steige auf 69,1 Dollar.

An der Datenfront sei zum Wochenschluss nochmals höchste Aufmerksamkeit gefordert. Die Einkaufsmanager aus dem Dienstleistungssektor Italiens (53,7) und Spaniens (54,4) würden Umfragen liefern, die das Stimmungsbild für die Eurozone (54,4) komplettieren würden. Zu den Vergleichszahlen aus Großbritannien (54,7 nach 55,1) würden sich noch italienische Produktionszahlen (0,4%/1,5%) im Juni gesellen.

Von den neuesten Daten des US-Arbeitsmarktes sollte man sich indes nicht allzu viel versprechen. Die Zahl der offenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft (192K) und Arbeitslosenquote (3,9%) dürften kaum Zweifel an der robusten Verfassung zulassen. Auch der erwartete Anstieg der Stundenlöhne (0,3%/2,7%) werde den skizzierten Kurs der Notenbank bestätigen. Handelsbilanzdefizit (-46,5 Mrd. USD) und der ISM-Index im Dienstleistungssektor (58,6 nach 59,1) würden eine bewegte Woche abrunden.

Am Primärmarkt seien heute keine Transaktionen staatlicher europäischer Schuldner geplant. Auch in der kommenden Woche herrsche sommerliche Flaute. Das amerikanische Schatzamt versteigere 3-, 10- und 30-jährige Staatsanleihen im Volumen von 78 Mrd. USD. Das Land Niedersachsen habe eine im Oktober 2025 fällige Schatzanweisung um 250 Mio. Euro bei Midswap -17 BP aufgestockt. (03.08.2018/alc/a/a)