Rentenschwäche ohne Anstieg der Inflationserwartungen


04.01.22 09:14
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Tendenz konnte der Euro jüngst von der zuversichtlichen Stimmung profitieren, so die Analysten der Helaba.

Die Anstiege seit Mitte Dezember würden sich aber in Grenzen halten und so befinde sich der Euro weiterhin in einem übergeordneten Abwärtstrend. Die Widerstandszone um 1,1380 habe erneut im Test gestanden, sei aber nicht bezwungen worden. Darüber sei die 55-Tagelinie bei 1,14 erwähnenswert. Erst ein Sprung darüber ermögliche eine weitergehende Erholung innerhalb des Trendkanals, dessen obere Begrenzung die Analysten bei 1,1482 ausmachen würden. Die Lage der quantitativen Indikatoren sei uneinheitlich, während der MACD oberhalb seiner Signallinie liege und der DMI auf Kauf gedreht habe, zeuge der niedrige ADX von einem fehlenden Trend und die Stochastik sei wieder unter seine Signallinie gefallen.

Die nächsten Tage müssten zeigen, ob tatsächlich die Mehrheit der Investoren zu ähnlichen Einschätzungen komme, wie diejenigen, die im dünnen Feiertagshandel zu einem Ausverkauf bei europäischen Staatsanleihen beigetragen hätten. Diese Rentenmarktschwäche habe sich gestern zunächst und auch im kurzen Laufzeitenbereich fortgesetzt. Zum Ende des volatilen, ersten Handelstages hätten sich Rentenkurse jedoch größtenteils wieder erholt. Zwar habe in den letzten Tagen auch die US-Rendite zugelegt, das Gros der Bewegung habe aber in Europa stattgefunden.

Bemerkenswert sei die Tatsache, dass der Renditeanstieg nicht durch einen Schub bei den Inflationserwartungen verursacht worden sei, sondern über die Realrendite in den Markt gekommen sei. Offensichtlich würden die Akteure auf eine anhaltende konjunkturelle Erholung und eine zwar langsam vonstattengehende, aber nachhaltige Wende in der Geldpolitik setzen. Dafür spreche neben den soliden Aktienmärkten auch die Tatsache, dass sich die Peripheriespreads nicht wesentlich bewegt hätten.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) habe seit dem gescheiterten Versuch, am 20. Dezember ein neues Kontrakthoch zu markieren, wichtige Unterstützungen durchbrochen. Zum Wochenauftakt sei der Future unterhalb der 61,8%-Marke bei 171,51 gestartet und im Tief bis auf 170,55 abgesackt. Eine fulminante Zwischenerholung habe nicht zu einer Rückeroberung des Retracements geführt und letztlich stehe erneut ein dickes Minus zu Buche. Die Indikatoren seien unisono als belastend zu beurteilen. Eine Ausdehnung der Kursverluste bis zum Kontrakttief bei 169,34 sollte nicht ausgeschlossen werden.

Der DAX habe einen freundlichen Jahresauftakt verbuchen können und sei über die Marke von 16.000 Punkten gestiegen. Wie oben beschrieben herrscht Optimismus vor und Berichte über die Omikron-Variante des Covid19-Virus scheinen ihren Schrecken zu verlieren, obwohl die damit einhergehende Verunsicherung vor allem wegen der hohen Zahl an Neuerkrankungen noch vorhanden ist und weitere Corona-Bekämpfungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen werden können, so die Analysten der Helaba. (04.01.2022/alc/a/a)