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Rentenmarkt: Zinsdifferenz in der Euro-Peripherie weitet sich aus


01.11.21 11:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den Euro-Staatsanleihemärkten zeigte sich in der Berichtswoche ein zweigeteiltes Bild, so die Experten von Union Investment.

Zunächst seien Kursgewinne zu beobachten gewesen, die zum Wochenende hin jedoch wieder abgegeben worden seien. Bei den deutschen Bundesanleihen habe die Zinskurve letztlich etwas flacher tendiert. Laufzeiten bis zu zehn Jahren hätten leichte Renditesteigerungen (maximal vier Basispunkte) aufgewiesen. Bei den Langläufern hätten hingegen Renditerückgange das Bild geprägt, 30-jährige Bundesanleihen hätten sich mit plus 0,18 Prozent sechs Basispunkte tiefer verzinst.

In der Euro-Peripherie sei das Handelsgeschehen von Verlusten geprägt gewesen. Das bevorstehende Auslaufen des PEPP-Ankaufsprogramms und die zumindest bis Dezember anhaltende Ungewissheit über das weitere Vorgehen der EZB habe die Peripheriemärke etwas unter Druck gebracht. Aus Portugal seien zudem politische Unsicherheiten von Regierungsseite (Neuwahlen) ins Spiel gekommen. Zusammen mit rückläufiger Liquidität, das kommende Jahresende rücke allmählich in den Blickpunkt, habe sich in der laufenden Woche für Peripherieanleihen kein allzu positives Umfeld ergeben. Die Renditeaufschläge (Spreads) der jeweiligen Südländer gegenüber deutschen Bundesanleihen seien angestiegen, besonders in Italien. Dort habe sich die Renditedifferenz im Zehnjahresbereich von 110 auf 124 Basispunkte ausgeweitet.

Am US-Markt sei die Entwicklung vor der FED-Sitzung in der kommenden Woche parallel zu den Bundesanleihen verlaufen: Leichte Renditeansteige im vorderen Bereich der Zinskurve hätten Renditerückgänge am langen Ende (30 Jahre minus sechs Basispunkte) gegenübergestanden.

Kräftige Renditesprünge seien in der Berichtswoche in Australien zu beobachten gewesen. Die dortige Zentralbank habe im Rahmen einer restriktiveren Geldpolitik die Kontrolle der Zinskurve aufgegeben. In der Folge sei beispielsweise die Zweijahresrendite deutlich um 65 Basispunkte auf 0,78 Prozent angesprungen. Insgesamt habe sich die australische Zinskurve in der Berichtswoche in Erwartung kommender Leitzinserhöhungen deutlich nach oben verschoben.

Am Mittwoch tage die US-Notenbank. Angesichts der jüngsten Inflationsdaten werde nun der Startschuss für das FED-Tapering, also die Rückführung bzw. Drosselung der von der Notenbank durchgeführten Anleiheankäufe, erwartet. Am Donnerstag folge dann die Bank von England. Diese sei zuletzt geldpolitisch sehr restriktiv eingestellt gewesen, sogar ein erster Zinsschritt werde nicht ausgeschlossen. Möglicherweise könnte sich zum Ende der neuen Handelswoche damit auch in den bedeutenden Finanzräumen eine vorsichtige geldpolitische Wende ergeben haben. In jüngster Vergangenheit habe schon eine ganze Reihe kleinere Zentralbanken, darunter viele aus den Schwellenländern, mit ersten Zinserhöhungen restriktivere geldpolitische Signale gesetzt.

Darüber hinaus dürfte neben den Einkaufsmanagerindices aus China der US-Arbeitsmarktbericht im Blickpunkt stehen. Die Zahl der im Oktober neu geschaffenen Arbeitsplätze werde im Bloomberg-Konsens mit plus 425.000 veranschlagt. Im Vormonat habe der Stellenzuwachs bei enttäuschenden 194.000 neuen Jobs gelegen. (Ausgabe vom 29.10.2021) (01.11.2021/alc/a/a)