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Rentenmarkt: Warten auf die Europäische Zentralbank


05.06.17 10:54
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Vorfeld der nächsten EZB-Sitzung, die am kommenden Donnerstag, den 8. Juni stattfinden wird, tendierte der europäische Rentenmarkt weitgehend impulslos, so die Experten von Union Investment.

Große Schritte der Notenbanker würden in der neuen Handelswoche allerdings nicht zu erwarten sein. Die Experten würden davon ausgehen, dass die EZB ihre Kommentierung an die verbesserten konjunkturellen Rahmenbedingungen anpassen und diese stärker betonen werde. Das Wirtschaftswachstum im Euroraum habe zuletzt die Erwartungen übertroffen, zudem sei die Inflation über erwartete Preissteigerungen im Rohstoffsektor angestiegen.

Angesichts der jedoch unterschiedlich starken konjunkturellen Trends in den einzelnen EU-Staaten und der Zweifel, ob sich die Inflationsentwicklung dauerhaft im Bereich um zwei Prozent bewegen werde, dürften markante geldpolitische Schritte der EZB derzeit wohl ausgeschlossen sein. Dennoch könnten angesichts der aktuellen Entwicklung dann im September klare Ansagen folgen. So sei in Richtung Herbst mit der Ankündigung einer weiteren Verringerung der monatlichen Wertpapierankäufe durch die EZB zu rechnen. Die Umsetzung sollte dann mit Beginn 2018 erfolgen, der Ausstieg aus dem "Quantitative Easing" nur sehr langsam erfolgen. An der Nullzinspolitik dürfte hingegen bis auf weiteres weiter festgehalten werden.

Mit Blick auf die europäischen Rentenmärkte hätten sich die Renditen in der überwiegenden Mehrheit in engen Spannen bewegt. Aus dem Rahmen sei der italienische Staatsanleihemarkt gefallen. Dort hätten die Renditen angesichts aufkommender Gerüchte hinsichtlich baldiger Neuwahlen in Italien deutlich angezogen. Derzeit würden sich die italienischen Parteien um eine Reform des Wahlrechts bemühen, die Einführung einer Fünf-Prozenthürde wie in Deutschland stehe im Raum. Der frühere Ministerpräsident Renzi habe in einem Interview zeitgleiche Wahlen in Italien und in Deutschland für sinnvoll erklärt und damit den kommenden September als Zeitpunkt ins Spiel gebracht. Angesichts der damit aufkommenden Unsicherheit habe sich die Verzinsung italienischer Zehnjahrespapiere von 2,08 auf 2,21 Prozent erhöht. Insgesamt hätten sich die Peripheriemärkte aber gemischt gezeigt. Während spanische Titel seitwärts tendiert hätten, hätten sich die zehnjährigen portugiesischen Renditen um 15 Basispunkte auf 2,96 Prozent verringert und damit unter der Drei-Prozentmarke gelegen.

Von der Verunsicherung bezüglich Italiens habe im Umkehrschluss der Bund profitieren können. Die Rendite sei dort um einige Basispunkte unter die 0,3 Prozentmarke gefallen. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich je nach Laufzeit um bis zu vier Basispunkte nach unten verschoben.

Am US-Markt hätten sich die Treasuries vor der am Freitagnachmittag anstehenden Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten ebenfalls wenig verändert gezeigt. Mit rund 2,2 Prozent hätten sich amerikanische Staatspapiere am unteren Ende der seit mehreren Monaten andauernden Handelsspanne bewegt.

In der abgelaufenen Handelswoche hätten Anleihen aus den Schwellenländern von weiteren Mittelzuflüssen profitiert. Am Primärmarkt hätten zuletzt Exoten wie Guatemala und die Malediven dominiert. Angesichts der niedrigen US-Zinsen und der kommenden Sommerpause rechnen die Experten von Union Investment in den kommenden Wochen mit einer zunehmenden Zahl an Neuemissionen. Unternehmensanleihen hätten sich mit geringer Volatilität sehr stabil gezeigt. Auch hier seien neue Papiere, vor allem hochverzinsliche (High Yield), gut gefragt gewesen. (Ausgabe vom 02.06.2017) (05.06.2017/alc/a/a)