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Rentenmarkt: Renditeanstieg setzt sich fort


10.05.22 10:05
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Trendwende an den internationalen Anleihemärkten setzt sich mit Nachdruck fort, so die Analysten von Postbank Research.

Seit rund zwei Monaten würden die Renditen in einem hohen Tempo klettern. Noch Anfang März hätten deutsche Staatsanleihen mit 10-jähriger Laufzeit vorübergehend wieder im negativen Terrain rentiert. In der Zwischenzeit sei die laufende Verzinsung zeitweise um rund 100 Basispunkte gestiegen. 10-jährige Bundesanleihen hätten Anfang Mai über der Marke von 1% rentiert. Auch italienische und spanische Papiere gleicher Laufzeit hätten mit einer Rendite von über 3% beziehungsweise deutlich über 2% ein mehrjähriges Hoch markiert.

Ohnehin hätten die Renditen in den Euro-Peripheriestaaten in den vergangenen Wochen stärker zugelegt als die von Bundesanleihen - und würden inzwischen einen interessanten Aufschlag bieten. Hinter dieser Entwicklung stecke die Sorge, dass nach dem Rückgang der Anleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) Ausfallrisiken wieder stärker in den Vordergrund treten könnten. Ganz vom Markt zurückziehen dürften sich die Währungshüter aber noch nicht. Nach einem möglichen Ende des Asset Purchase Programme (APP) im Sommer könnte die EZB ein neues Programm beschließen, um bei Bedarf weiterhin Bonds zu erwerben und unerwünschte Renditeunterschiede zwischen Staatsanleihen zu begrenzen.

Da in den kommenden Monaten die Notenbankunterstützung weiter zurückgefahren werde und das Netto-Angebot von Staatsanleihen in der Eurozone aufgrund von Neuemissionen zunehmen dürfte, rechne die Postbank mit weiter steigenden Risikoaufschlägen gegenüber Bundesanleihen - bei italienischen Papieren seien es zuletzt mehr als 2%-Punkte gewesen, bei spanischen gut 1%-Punkt. Obwohl auf kurze Sicht ein Zahlungsausfall als unwahrscheinlich gelte, habe die Staatsverschuldung in Italien mit rund 155% und in Spanien mit rund 122% der Wirtschaftsleistung bereits ein hohes Niveau erreicht.

Der kräftige Renditeanstieg seit März habe sich auch in den USA fortgesetzt. Innerhalb von zwei Monaten habe sich die laufende Verzinsung 10-jähriger US-Staatsanleihen kräftig erhöht und sei von knapp 1,70% nun auf nahe 3% gesprungen (09.05.).

Ein Faktor sei dabei im April das abflauende Interesse bei den jüngsten Auktionen von US-Staatsanleihen gewesen. Angesichts der Stärke des US-Dollar sei vor allem die Nachfrage ausländischer Anleger gesunken. Die aktuellen Konjunktur- und Zinsrisiken würden die Märkte verunsichern und die hohe Volatilität der vergangenen Wochen erklären. Nachdem die Kerninflationsrate in den USA im März mit 6,5% niedriger als erwartet ausgefallen sei, habe die 10-jährige Treasury-Rendite zunächst wieder leicht nachgegeben. Wie erwartet habe die US-Notenbank Federal Reserve (FED) den Leitzins Anfang Mai um 50 Basispunkte angehoben. Die Aussage von FED-Chef Jerome Powell, auch die kommenden Zinsschritte würden nicht größer ausfallen, habe ebenfalls vorübergehend einen Rückgang der Renditen ausgelöst.

Da der Inflationsdruck vorerst anhalten dürfte, könnten sich die US-Renditen länger auf hohem Niveau bewegen. Nachdem die Zinsstrukturkurve vorübergehend invers verlaufen sei - die Renditen kurzlaufender Anleihen also über der von langlaufenden gelegen hätten - werde nun mit einer weiteren Versteilerung gerechnet. Gut möglich, dass der Inflationsdruck in den USA und Europa mittelfristig nachgebe und die Realrenditen in den positiven Bereich rücken würden. Bis sich die Inflation aber wieder nahe der 2%-Zielmarke bewege, dürfte es noch eine Weile dauern. Deswegen und aufgrund der hohen Volatilität erscheinen aus Sicht der Postbank Rentenanlagen derzeit weiterhin uninteressant, so die Analysten von Postbank Research. (Perspektiven April 2022) (10.05.2022/alc/a/a)