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Rentenmarkt: Rendite im Kriechgang


19.05.20 12:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das deutsche Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten drei Monaten des Jahres aufgrund des "Shutdown" um 2,2% gegenüber dem Vorquartal gesunken, so Ulf Krauss von der Helaba.

Vor allem private Konsumausgaben, Ausrüstungsinvestitionen sowie der Außenhandel seien stark rückläufig gewesen. Stabilisiert hätten hingegen die Bauinvestitionen und die öffentlichen Konsumausgaben. In der Eurozone sei das BIP sogar um 3,8% eingebrochen. Im zweiten Quartal werde der Rückgang noch stärker ausfallen. Insgesamt dürfte der Wert aller 2020 erbrachten Waren und Dienstleistungen in Deutschland um 5% und in der Eurozone um über 7% schrumpfen. Der Economic Sentiment Indikator sei im April auf das Niveau der Finanzkrise abgestürzt. Damit dürfte der Tiefpunkt allerdings erreicht sein, da bereits ab Mitte April mit der Lockerung der Maßnahmen begonnen worden sei. Auch die umfangreichen Gegenmaßnahmen der Fiskal- und Geldpolitik würden für eine spürbare Erholung im Jahresverlauf sprechen.

Das extreme konjunkturelle Umfeld sowie aufkommende Verspannungen am Geldmarkt hätten die Europäische Zentralbank (EZB) unter Zugzwang gesetzt. Diese habe vor allem mit verbesserten Finanzierungskonditionen reagiert: Die Inanspruchnahme von längerfristigen Refinanzierungsoperationen (TLTRO III und PELTROs) sei unterhalb des Einlagen- bzw. Hauptrefinanzierungssatzes möglich. Indirekt habe die EZB damit die Zinskonditionen gelockert. Zudem sei sie bereit, den Umfang der Kaufprogramme gegebenenfalls zu erhöhen. Von der Forderung des Bundesverfassungsgerichts nach einer nachträglichen Prüfung des PSPP-Kaufprogramms dürfte sich die EZB kaum beirren lassen. Christine Lagarde habe bereits klar gemacht, dass die EZB nur dem Europäischen Parlament bzw. Gerichtshof verpflichtet sei. Das neue, für Corona-Zeiten aufgelegte PEPP-Kaufprogramm sei vom Richterspruch ohnehin nicht betroffen.

Immerhin dürfte die Entscheidung des Verfassungsgerichts die zurückhaltende Position der deutschen Regierung beim Dauerstreitthema Gemeinschaftsanleihen stärken. Der zeitweise herrschende Eindruck, dass unter dem Drängen der Südländer in einer Telefonkonferenz mal eben Coronabonds beschlossen werden könnten, werde sich vermutlich nicht mehr so schnell einstellen. Das Thema scheine derzeit aber ohnehin nicht auf der Agenda zu sein. Seit Mitte April habe sich der Spread italienischer Staatsanleihen gegenüber Bundesanleihen kaum verändert. Die Anleger würden darauf bauen, dass die EZB für erträgliche Risikoaufschläge bei Staatsanleihen sorge und ein Gegengewicht zur sich deutlich ausweitenden Staatsverschuldung darstelle. Letztere begrenze ganz klar das langfristige Kurspotenzial von Staatspapieren.

Kurzfristig seien die Risiken für Anleihen allerdings überschaubar. Dafür würden auch die in diesem Jahr sehr niedrigen Inflationsraten sorgen. Die Teuerung im Euroraum sei im April auf 0,4% gg. Vj. gesunken. Verantwortlich gewesen seien die deutlich nachgebenden Energiekosten. Im Kontrast hierzu hätten die Preise unverarbeiteter Nahrungsmittel einen spürbaren Anstieg verzeichnet. Güter- und Dienstleistungspreise hätten insgesamt nur leichte Rückgänge aufgewiesen. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen werde vermutlich auch in den kommenden Monaten um die Marke von -0,5% pendeln. (19.05.2020/alc/a/a)