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Rentenmarkt: Bundesanleihen überschreiten die Ein-Prozent-Renditemarke


09.05.22 10:08
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - An den schwächeren Staatsanleihemärkten fiel in der Berichtswoche die eine oder andere Renditemarke, so die Experten von Union Investment.

In den USA habe sich nach der kurzen, FED-bedingten, Reaktion der aufwärtsgerichtete Zinstrend weiter fortgesetzt. Dabei hätten zehnjährige US-Schatzanweisungen die Drei-Prozent-Renditemarke (Freitagvormittag 3,06 Prozent) überschritten. Mit Blick auf die US-Zinskurve habe sich der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Staatspapieren etwas vergrößert.

Am deutschen Rentenmarkt sei es renditeseitig ebenfalls weiter aufwärts gegangen. Schon am Mittwoch habe die zehnjährige Bundrendite erstmals seit 2014 die Ein Prozentmarke (Freitagvormittag 1,06 Prozent) überschritten. Auf der deutschen Zinskurve habe der mittlere Laufzeitbereich zwischen fünf und zehn Jahren die höchsten Renditeanstiege aufgewiesen. Ab zwei Jahren Laufzeit aufwärts seien aktuell ausschließlich positive Renditen zu beobachten. Die Europäische Zentralbank werde jüngsten Kommentaren aus dem Rat zufolge wohl geldpolitisch aufs Tempo drücken und bald restriktiver handeln, was belastet habe. Eine Zinserhöhung im kommenden Juli werde immer wahrscheinlicher. In der Euro-Peripherie sei es renditeseitig ebenfalls weiter aufwärts gegangen. Italienische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hätten ebenfalls die Drei-Prozentmarke überschritten. Der Renditeaufschlag zu Bundesanleihen habe sich auf rund 200 Basispunkte erhöht. Auf Indexebene seien am Euro-Staatsanleihemarkt (iBoxx Euro-Sovereigns) bis Donnerstagabend Verluste in Höhe von 0,8 Prozent angefallen.

Euro-Unternehmensanleihen hätten im Fahrwasser der Staatsanleihemärkte ebenfalls Verluste verbucht. Mit den steigenden Zinsen hätten sich dort auch die Risikoaufschläge erhöht. Der seit geraumer Zeit ansteigende Zinstrend habe dazu geführt, dass mittlerweile nahezu alle Euro-Unternehmensanleihen eine positive Rendite aufweisen würden. Die Zeit negativer Renditen am Markt für Euro-Corporates scheine nunmehr vorüber.

Angesichts der US-Treasury-Entwicklung seien auch die Anleihen aus den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) unter Druck geraten. Auf Indexebene habe es auch dort Verluste gegeben. Es seien in der Berichtswoche weitere Leitzinserhöhungen einiger EM-Zentralbanken wie etwa in Chile, Indien oder auch in Osteuropa (Polen, Tschechien) erfolgt. Teils seien die Leitsätze deutlich heraufgenommen worden. Der gesamte EM-Anleihesektor habe in der Berichtswoche angesichts einer rückläufigen Risikoneigung weltweit Mittelabflüsse in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar verzeichnet.

Der Euro habe den Abwertungstrend zum US-Dollar in der Berichtwoche nicht fortgesetzt. 1,05 US-Dollar je Euro scheinen - auf dem Weg zur Parität - derzeit eine gute Unterstützung darzustellen, so die Experten von Union Investment. Der Ölpreis sei angesichts der Ankündigung des geplanten Embargos der EU und der Beibehaltung der OPEC-Quoten auf aktuell 113,5 US-Dollar je Barrel wieder angestiegen. (Ausgabe vom 06.05.2022) (09.05.2022/alc/a/a)