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Rentenmarkt: Der Beton bröckelt


19.02.21 12:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der Druck seitens der Inflationsdaten ist immer noch als relativ überschaubar einzustufen, so Ulf Krauss von der Helaba.

Schlechte Vorgaben kämen derzeit von einer anderen Seite. Mit zunehmendem Konjunkturoptimismus sei die Rendite 10-jähriger US-Treasuries zuletzt auf 1,3% geklettert. Zweijährige Staatsanleihen würden dagegen bei rekordtiefen 0,1% verharren. Der 10/2-Spread habe dadurch mit 1,2 Prozentpunkten den höchsten Stand seit rund vier Jahren erreicht. Der Renditeabstand zwischen dreißig- und zweijährigen Anleihen liege inzwischen sogar bei 2,0 Prozentpunkten. Die Vergleichswerte für Bundesanleihen seien 0,3 bzw. 0,8 Prozentpunkte. Interessanterweise entspreche die Differenz zu den USA ziemlich genau dem Unterschied bei den Inflationserwartungen in den zwei Währungsräumen.

Sowohl kurzlaufende Anleihen als auch die Terminmärkte würden signalisieren, dass die Anleger trotz steigender Inflation nicht mit einer Leitzinsänderung beiderseits des Atlantiks rechnen würden - zumindest für die kommenden zwei Jahre. Für die Zeit danach würden die Meinungen aber auseinander gehen: Der US-Notenbank werde eher ein geldpolitischer Kurswechsel zugetraut als der EZB. Dies liege vor allem an den unterschiedlichen Zielfunktionen: Während die EZB eine fragile Währungsunion zusammenhalten müsse, sei die FED solchen Zwängen nicht unterworfen. Im gleichen Boot würden die Notenbanken allerdings sitzen, was den Umgang mit der rasant steigenden Staatsverschuldung betreffe: Höhere Finanzierungskosten infolge eines Zinsanstiegs würden die Haushaltspolitik erschweren. Die Frage sei dabei, wo die kritischen Renditemarken verlaufen würden und ob bzw. wie schnell die Politik gegensteuern könne. Die Investoren würden in dieser Frage die USA besser einstufen als die besonders anfälligen Länder im Euroraum. Dies gebe langfristig einen etwas größeren Spielraum für steigende US-Renditen, ohne dass die Geldpolitik gleich alle Register ziehen müsse.

Immer mehr zeige sich, dass die Notenbanken in einer unbequemen Lage stecken würden: Ein Rückzug aus der liquiditätsgetriebenen Geldpolitik sei schwierig, vor allem wenn die Renditen einmal ins Laufen kämen. Stufe die FED beispielsweise den jüngsten Anstieg als kritisch für die Finanzierungsseite ein, so wachse der Druck, die Kaufprogramme zu verlängern. Oder sie gehe zu einer aktiven Steuerung der Zinskurve über. Den geldpolitischen Handlungsspielraum habe sie durch die Änderung ihrer geldpolitischen Strategie, die ein längeres Überschießen der Inflation ohne Gegenmaßnahmen zulasse, bereits geschaffen. Neben der Inflationsgefahr wachse dabei auch ein anderes Risiko. Die massiv ausgeweitete Liquidität könnte die Stabilität des globalen Finanzsystems gefährden. Die Kurskapriolen bei Bitcoin, GameStop und Silber in den vergangenen Wochen seien möglicherweise bereits der Beginn einer Phase erhöhter Kursschwankungen - auch bei Renten. (19.02.2021/alc/a/a)